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Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg: Regionale Wirtschaft erholt sich langsam

Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg : Regionale Wirtschaft erholt sich langsam

Die neue Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg zeigt einen leichten Aufwärtstrend bei der Geschäftslage der Firmen in der Region. Doch der Unterschied zwischen den Branchen ist enorm.

Die Wirtschaft in der Region erholt sich sehr langsam vom Corona-Tief. Dabei gibt es zwischen den Branchen deutliche Unterschiede: Während es bei Industrie, Informationstechnik- und Dienstleistungsbranche wieder aufwärts geht, haben der erneute Lockdown Einzelhandel, Gastronomie und Verkehrsgewerbe stark getroffen. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Der IHK-Konjunkturklimaindikator steigt von 88 Punkten im Herbst auf 91 Punkte – im Frühsommer 2020 lag der Tiefststand bei 67 Punkten. Bei einem Stand von 100 gibt es genauso viele optimistische wie pessimistische Auskünfte.

„Die erhoffte schnelle Erholung der Wirtschaft an Rhein und Sieg wird durch die zweite Welle und den erneuten Lockdown ausgebremst. Wir gehen also eher von einem Mittelstreckenlauf, denn von einem Sprint aus“, sagte IHK-Präsident Stefan Hagen. Die Wirtschaft benötige dringend eine zweigleisige Strategie. Erstens müssten die Hilfen an die Unternehmen zügig ausgezahlt werden. Häufig dauere es 100 Tage zwischen Antragstellung und Auszahlung, so IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille. Das sei nicht hinnehmbar. Für die „November- und Dezemberhilfen Plus“ sei eine Antragstellung noch nicht einmal möglich. Unternehmen beklagten, dass nachträglich die Antragsbedingungen immer noch einmal geändert würden.

Viele Unternehmen kämpften durch den Lockdown um ihr wirtschaftliches Überleben. „Die Erwartungen, die die Politik mit ihren Hilfen geweckt hat, müssen jetzt auch erfüllt werden“, forderte Hagen. Zweitens bräuchten stark betroffene Branchen wie die Veranstaltungswirtschaft, Gastronomie, Einzelhandel oder Hotellerie endlich Planungssicherheit und eine Öffnungsperspektive.

Künftig sollen nach den Vorstellungen Hagens nur jene Teile des Wirtschaftslebens von Schließungen betroffen sein, bei denen nachgewiesen könne, dass von ihnen die Ausbreitung des Virus begünstigt wird. Gerade Veranstaltungswirtschaft, Gastronomie, Einzelhandel oder Hotellerie hätten viel in Hygiene-Konzepte investiert, um die Ansteckungsmöglichkeiten zu minimieren. „Es ist ein Unding, dass wir immer noch nicht mehr über Ansteckungswege wissen“, kritisierte Hagen.

Die aktuelle Geschäftslage hat sich der Umfrage zufolge seit dem Herbst nur geringfügig verbessert. Jedes vierte Unternehmen bezeichnet seine Lage als gut. Weiterhin sind 36 Prozent mit ihrer Situation unzufrieden. Trotz Beginn der Impfungen und einer Einigung beim Brexit blieben die Erwartungen für die kommenden Monate von Zurückhaltung geprägt. Nur 23 Prozent der befragten Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft, über 30 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte. „Durch eine wieder steigende Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes versuchen viele Unternehmen ihre Fachkräfte zu behalten“, sagte Hille. Die Mehrheit der Firmen plane mit einem unveränderten Personalbestand.

Dienstleistungsbranche optimistischer

Das Geschäftsklima in der für Bonn besonders wichtigen Dienstleistungsbranche hat sich leicht von 93 auf 99 Punkte verbessert. Die Verbesserung des Klimas beruhe auf einem optimistischeren Blick auf die kommenden Monate, so Hille.

Die Geschäftslage habe sich in der Industrie deutlich verbessert. 32 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage mit gut, weitere 52 Prozent immerhin mit befriedigend. Damit hat sich der Anteil der zufriedenen Unternehmen seit dem Herbst verdoppelt. Der IHK-Geschäftsklimaindex hat mit 110 Punkten jetzt sogar das Vorkrisenniveau überschritten. „Die Aufträge kommen wieder“, meinte Hille.

Im Einzelhandel der Region ist das Geschäftsklima zum Jahresbeginn auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Mit 55 Punkten erzielt der IHK-Geschäftsklimaindex nach dem Frühsommer einen weiteren Negativrekord.

Gastgewerbe leidet

Die Stimmung im Gastgewerbe ist auch zum Jahresbeginn noch frostig. Der IHK-Geschäftsklimaindex liegt bei 41 Punkten. 79 Prozent bezeichnen die aktuelle Lage als schlecht.

Hille forderte die Rückkehr zu den normalen Insolvenzregeln im Frühjahr. Sonst bestehe die Gefahr, dass es immer mehr Zombieunternehmen gebe, die schon längst insolvent seien. Das könne Geschäftspartner mit ins Verderben reißen.