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Mehr Passagiere: Reisebuchungen am Flughafen Köln/Bonn steigen spürbar an

Mehr Passagiere : Reisebuchungen am Flughafen Köln/Bonn steigen spürbar an

Die Tourismusbranche in der Region sieht langsam Licht am Ende des Tunnels. Köln/Bonner Flughafen rechnet mit 4,5 Millionen Passagieren in diesem Jahr – gut ein Drittel des Niveaus vor der Corona-Krise. Eine Insel lieben die Deutschen besonders.

Die Menschen in Deutschland haben genug von Balkonien: Zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten wollten in diesem Sommer endlich wieder verreisen, zitierte Ingo Burmester, Chef von DER Touristik Central Europe, das Ergebnis einer Umfrage. DER Touristik, die Reisesparte des Rewe-Konzerns, bemerkt das bereits an stark steigenden Buchungszahlen. Vergleiche man die entsprechenden Wochen 2019 und 2021, lägen sie Ende Mai sogar 50 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Krise, erklärte Burmester am Montag bei einem virtuellen Pressegespräch.

Es gibt viel aufzuholen. Er sei „ein bisschen mehr optimistisch“, sagte Johan Vanneste, Vorsitzender der Geschäftsführung des Köln/Bonner Flughafens. Auch wenn der Airport immer noch „in schlimmer Lage“ sei, sei „das Licht am Ende des Tunnels wieder etwas heller“. Ab Juni erwartet Vanneste 10.000 Passagiere pro Tag, Ende Juni sollen es schon wieder 15.000 sein. „Früher hatten wir 40.000 Passagiere täglich um diese Zeit.“ Für das Gesamtjahr 2021 rechnet der Flughafenchef mit rund 4,5 Millionen Fluggästen, was aber nur einem Drittel des Passagieraufkommens vor der Pandemie entspricht.

Passagiere zieht es nach Mallorca

Häufigste Reiseziele sind derzeit Spanien, Griechenland und die Türkei. Im Mai seien über ein Viertel der Passagiere nach Mallorca geflogen, berichtete Vanneste. Im Sommer flögen wieder 20 Fluggesellschaften den Köln/Bonner Flughafen an. Für Juli kündigte er rund 100 Ziele und 500 Starts pro Woche an. Als Erfolg wertete Vanneste, dass man vier neue Airlines als Kunden habe gewinnen können, darunter die russische Billigfluglinie S7, die nach Moskau fliegt.

Von einem sprunghaften Anstieg der Buchungen berichtete auch Jens Bischof, Chef von Eurowings, der wichtigsten Airline in Köln/Bonn. Aktuell hat Eurowings 50 Flugzeuge im Betrieb, bis zum Sommer sollen es 80 von insgesamt 100 sein. Mit zwölf Maschinen, die im Juni Köln-Bonn ansteuern werden, habe die Fluglinie, eine Tochter der Lufthansa, dann bereits die Zahl der hier eingesetzten Maschinen innerhalb von drei Monaten vervierfacht. Im Sommer würden mehr als 200.000 Gäste ab Köln/Bonn in den Urlaub fliegen.

Alle 90 Sekunden frische Kabinenluft

Bischof erklärte, dass sich die Hygienekonzepte der Reiseveranstalter und speziell der Airlines in der Corona-Pandemie bewährt hätten. Nicht ein einziger Passagier habe sich in einem Flugzeug der  Lufthansa-Gruppe mit dem Coronavirus infiziert. Dazu trügen die Hepa-Filter mit bei, die auch in Operationssälen von Kliniken eingesetzt würden. So würde die Kabinenluft alle 90 Sekunden filtriert und ausgetauscht. Flughafenchef Vanneste berichtete, dass es für eilige Passagiere, die noch einen PCR-Test benötigten, seit vergangener Woche am Airport eine Schnellteststation gebe, die innerhalb von einer Stunde das Ergebnis liefert.

Eurowings ermöglicht seinen Kunden inzwischen ein Online-Checkin, wo es auch ein Kästchen für Covid-Impfungen gibt. Doppelt Geimpfte können dort ein Häkchen setzen und erhalten dann auch ihre Bordkarte online. Da es noch kein elektronisches Impfzertifikat gibt, sei das auf dem Rückflug allerdings noch nicht möglich, erklärte Bischof. Deshalb müssten Passagiere weiterhin die Impf- und Testnachweise direkt beim Checkin am ausländischen Flughafen vorlegen. Der Grund ist, dass den Fluglinien hohe Geldstrafen drohen, wenn sie Passagiere ohne Negativtest oder doppelte Impfung transportieren.

Flughafen fehlen die Geschäftsreisenden

Vorkrisenniveau könnte der Flughafen Köln/Bonn 2025/26 erreichen, meinte Vanneste. Der Grund ist unter anderem, dass viele Geschäftsreisen nach Berlin weggefallen seien. „Da gibt es teilweise eine Verlagerung auf die Schiene.“ Zudem hätten sich Videokonferenzen eingespielt. Dass das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, könnte erstmals wieder 2023 der Fall sein, so Vanneste. Dabei würde natürlich das Frachtgeschäft helfen. „Wir verdienen hier weniger, aber es ist ein wesentlicher Baustein unseres Flughafens.“