Riese in neuen Händen

Köln · Bayer und Lanxess verkaufen den Chemieparkbetreiber Currenta an Macquarie Infrastructure and Real Assets (Mira). Inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen wird das Unternehmen mit 3,5 Milliarden Euro bewertet.

Bayer hält an Currenta 60 Prozent, die ohne Schulden einen Wert von 1,17 Milliarden haben, Lanxess 40 Prozent mit einem Wert von 780 Millionen. Dabei behält Lanxess seine Beteiligung noch etwas länger als Bayer bis voraussichtlich Ende April 2020. Der Erwerber solle in der Übergangszeit operativ unterstützt werden.

Was macht ein Chemieparkbetreiber?

Chemieparks haben in der Regel spezielle Betreiber. In Hürth ist das etwa Yncoris, früher Infraserv. Currenta betreut die Chemieparks in Leverkusen und Dormagen, die teils auf Kölner Stadtgebiet liegen, sowie den Chemiepark in Krefeld-Uerdingen. Hier findet ein Drittel der NRW-Chemieproduktion statt. Sie werden unter dem Namen Chempark zusammengefasst. Chemieparkbetreiber sorgen dafür, dass die Firmen im Chemiepark sicher produzieren können. Sie kümmern sich etwa um Werkschutz und Feuerwehr, bauen und betreiben Kraftwerke, die neben Strom in der Regel den für die chemische Industrie wichtigeren Prozessdampf erzeugen, und bauen und betreiben Kläranlagen. Sie kümmern sich auch um den Kontakt zu Behörden und die Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem hat Currenta das Tochterunternehmen Chemion.

Der Logistikdienstleister betreibt etwa die Hafenanlagen, über die ein Teil der Rohstoffe in die Werke gelangen, und Lkw-Terminals, über die Zwischen- und Fertigprodukte die Werke verlassen. Außerdem gehört zu Currenta der Technikdienstleister Tectrion. Der hilft Firmen bei der Instandsetzung und -haltung von Geräten und Anlagen. Unter anderem kümmert er sich um 700 Aufzüge, darunter den Paternoster im Chempark in Leverkusen. Liegenschaften, etwa die Klärwerksgrundstücke und Infrastruktur, die Currenta nutzt, verkauft Bayer für 180 Millionen an das Unternehmen. Andere Grundstücke, auf denen Werke stehen, gehören den Nutzern. Currenta erzielte 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro, mit den Töchtern zusammen 1,66 Milliarden und beschäftigt 3200 beziehungsweise 5300 Mitarbeiter.

Warum wird Currenta jetzt verkauft?

Hervorgegangen ist Currenta aus den „Bayerwerken“. Später gehörten die Parks zum Bayer-Dienstleister BIS, 2008 wurde Currenta gegründet. Da gab es die Abspaltung Lanxess schon drei Jahre. 2015 wurde auch die Kunststoffsparte Covestro von Bayer abgespalten, ohne sich an Currenta zu beteiligen. Spätestens jetzt passten Eigentumsverhältnisse an Currenta und Nutzung der Chemparks nicht mehr zusammen. Lanxess und Covestro sind größere Kunden als Bayer.

Außerdem siedelten sich Firmen an, die weder mit Bayer noch mit Lanxess rechtlich verbunden sind. 70 Unternehmen sind in den Chemparks, 50 davon produzieren. Augenfällig ist etwa der Ineos-Schornstein mit dem alten Logo EC in Dormagen. Und der Kabelhersteller NKT ist vor acht Jahren von Köln-Mülheim in den Kölner Teil des Chemieparks in Leverkusen gezogen. Auch Lieferanten für die Werke haben sich angesiedelt. Air Liquide betreibt etwa eine Anlage, die Covestro mit Wasserstoff und Kohlenmonoxid versorgt. Letztlich arbeiten die Firmen in Chemieparks in Stoffverbünden. Da wird das Abfallprodukt eines Herstellers zum Rohstoff für andere.

Bayer kündigte im Zuge der Neuausrichtung im November 2018 an, sich von seinem Anteil an Currenta zu trennen. Lanxess wollte ursprünglich an Bord bleiben. Mit dem Verkauf an Mira sieht Lanxess laut Konzernchef Matthias Zachert sein strategisches Interesse an einer industrieorientierten Ausrichtung des Chemieparks gewahrt. Und durch den Verkauf erhalte Lanxess zusätzlichen finanziellen Spielraum, um den Wachstumskurs in der Spezialchemie voranzutreiben.

Was ändert sich für die Kunden von Currenta?

Bayer und Lanxess betonen in einem Statement, dass sich praktisch so viel nicht ändern soll. Bayer habe sich auf langfristige Dienstleistungs- und Versorgungsverträge mit Mira geeinigt, betont Bayer-Vorstandsmitglied Hartmut Klusik. Lanxess teilt mit, man habe sich mit Mira auf „zunächst 10-jährige Dienstleistungs- und Versorgungsverträge“ verständigt.

Was ändert sich für die Mitarbeiter im Chempark?

Einschnitte soll es hier nicht geben, betont Mira. Die erfahrenen Mitarbeiter von Currenta seien entscheidend für den Erfolg. Es soll keine Restrukturierung und keine Veränderung bei der Belegschaft geben. Die Unternehmenseinheit aus Currenta, Chemion und Tectrion bleibe für mindestens die nächsten drei Jahre erhalten.

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