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Warteliste für Beratung: Riesenansturm beim Schwimmbadbau in Bonn

Warteliste für Beratung : Riesenansturm beim Schwimmbadbau in Bonn

Die Nachfrage nach dem Pool im Garten steigt in der Corona-Krise. Bonner Unternehmen führt Warteliste für Beratungen.

Das Thermometer klettert auf bis zu 36 Grad, die Onlinetickets für die Freibäder sind längst vergeben – wohl dem, der sich im Pool im eigenen Garten abkühlen kann. Doch nicht nur die hohen Kosten stehen vor dem privaten Badevergnügen. Schwimmbadbauer haben in der Corona-Krise einen enormen Nachfrageschub erlebt und kommen mit den Aufträgen kaum noch hinterher.

In Bonn arbeitet im Familienbetrieb Aquabonn bereits die dritte Generation. Während andere Branchen gerade die Kurzarbeit verlängern, hat der Pool-Bauer gerade zwei neue Mitarbeiter eingestellt. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir eine Warteliste für Beratungsterminen aufgestellt haben“, sagt Sidney Schamel von Aquabonn. Rund acht Wochen dauere es derzeit, bis die Poolplanung starten kann. Der erste „Riesenansturm“ habe das Unternehmen an dem Tag zu Beginn der Corona-Krise erreicht, als die Stadt Bonn angekündigt hatte, die Freibäder gar nicht zu öffnen.

Dass es nun anders gekommen ist, hat der Nachfrage keinen Abbruch getan. Auch die Zulieferer für den Poolbau kommen den Kundenwünschen kaum noch hinterher. Für Polypropylenbecken rechnet Schamel mit einer Lieferfrist von vier bis fünf Wochen. Wer seinen Pool mit Mosaikkacheln besonders stilgerecht ausstatten möchte, müsse derzeit bis zu acht Monate auf das Baumaterial warten und hat zumindest die Freibadsaison längst verpasst.

Heiße Sommer der vergangenen Jahre kurbeln Nachfrage an

Laut Schamel haben auch die heißen Sommer der vergangenen Jahre und die günstigen Zinsen die Nachfrage nach dem Pool im eigenen Garten angekurbelt. „Schon vor der Corona-Krise ist das Interesse gewachsen“, sagt Schamel. Ein professionell im Boden verlegter Gartenpool koste von etwa 50.000 Euro aufwärts.

Selbst wer auf viel Eigenleistung setzt, hat es in dieser Badesaison schwer. Nicht nur in Deutschland sind die Pools bei Baumärkten und in Internetshops teilweise ausverkauft, selbst in Spanien und den USA kommen Hersteller und Lieferanten kaum noch hinterher. Die Sorge vor einem zweiten Lockdown heizt die Nachfrage weiter an.

„Pool“ der meistgesuchte Begriff bei Amazon

Auf der deutschen Internetseite des US-Onlinehändlers Amazon war das Wort „Pool“ in der vergangenen Woche der meistgesuchte Begriff, wie Jan Bechler, Geschäftsführer der Internetagentur Finc3 Commerce sagt. Eine Sprecherin der Baumarktkette Hornbach Holding erklärt, dass die Nachfrage nach selbst aufstellbaren Pools schon seit einigen Jahren steige. Durch die Pandemie habe sich das Interesse aber nochmals „signifikant intensiviert“.

Selbst in Spanien mit seinen kilometerlangen Sandstränden kühlen sich die Menschen mittlerweile lieber im eigenen Garten ab. Sie habe „Angst vor fremden Menschen“, sagt die 36-jährige Laila Dagali, die sich auf der Terrasse ihres Hauses in der Nähe von Barcelona einen Planschpool aufgepumpt hat. Spanien ist in Europa am schwersten von der Pandemie betroffen, über 28.000 Menschen sind bislang an einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Infektionszahlen in dem südeuropäischen Land gehen zur Zeit in einigen Gebieten wieder stark nach oben.

Spanische Hersteller stocken Personal auf

Der spanische Hersteller für Pool-Ausrüstung, Fluidra, hatte zu Beginn der Corona-Krise noch viele Mitarbeiter in Erwartung eines Nachfrageeinbruchs entlassen. Doch schon kurze Zeit wurden sie wiedergeholt und noch mehr Mitarbeiter eingestellt. Im Mai hatte Fluidra die maximal jährliche Produktionskapazität erreicht für Pools, die im Garten einfach aufgestellt werden können. Die Nachfrage nach Modellen, die um die 1300 Euro kosten, habe im Vergleich zum Vorjahr 50 Prozent zugelegt. Im Gegensatz dazu gingen die Bestellungen von Pools für Hotels oder Apartmentanlagen um gut ein Zehntel zurück.

„Die Menschen wollen es schön haben zu Hause für den Fall, dass sie wieder eingesperrt sind“, sagt Fluidra-Chef Bruce Brooks. „Ich glaube, die starke Nachfrage wird anhalten, solange bis es einen Impfstoff gibt und wir wieder zum normalen Leben zurückkehren.“