Hans Riegel wird 90 Jahre alt Ruhestand ist für den Haribo-Chef ein Fremdwort

BONN · Haribo-Chef Hans Riegel wird am Sonntag 90 Jahre alt, und auch wenn er es ab und zu etwas ruhiger angehen lässt: Von Ruhestand ist der Gummibärchen-Produzent und promovierte Wirtschaftswissenschaftler weit entfernt.

Vor der Haribo-Zentrale in Kessenich steht ein Parkplatz unter genauer Beobachtung. Die meisten Mitarbeiter wissen, ob "der Doktor" im Haus ist, heißt es im Unternehmen. In der Regel sitzt der Patriarch spätestens Dienstagvormittag an seinem Schreibtisch.

"Hans Riegel entwickelt weiterhin Produkte für Haribo", sagt Firmensprecher Marco Alfter. Zuletzt habe der Senior an süßen Pandabären getüftelt: Geschmacksrichtung Vanille-Heidelbeere. Die Forschungsmethoden im Hause Haribo sind seit Jahrzehnten unkonventionell. Hans Riegel guckt Kinderkanal und studiert die "Bravo", um herauszufinden, was den jungen Kunden schmecken könnte.

Auch jenseits der Fruchtgummi-Versuchsküche haben die Erfolgsrezepte von Hans Riegel oft wenig mit den Weisheiten der modernen Betriebswirtschaftslehre zu tun. Der Seniorchef gilt im Haus als Alleinherrscher, immer wieder verlassen Manager frustriert das Unternehmen.

Haribo hat das offensichtlich nicht geschadet: Das Traditionsunternehmen gilt in der Branche als extrem erfolgreich und rentabel (siehe Kasten). Die Forbes-Liste führt den Fruchtgummi-Milliardär auf Platz 32 der reichsten Deutschen.

Der kinderlose Junggeselle pendelt zwischen seinen Häusern in Wachtberg und in der österreichischen Steiermark, wo Riegel ein Jagdgebiet unterhält. Die Strecke legt der Unternehmer per Hubschrauber zurück, dabei sitzt er nach eigenen Angaben auch gerne selbst am Steuerknüppel. Riegel gehört zu den Gründungsvätern der Sportart Badminton in Deutschland. In Boppard an der Loreley betreibt Riegel das Golfhotel "Jakobsberg". Mit seiner Stiftung fördert Riegel zahlreiche soziale Projekte in Bonn, vor allem für die Bildung setzt sich der Gummibärchen-Produzent ein.

Die Bonner Stadtverwaltung schreckt Riegel seit Jahren mit angeblichen Umzugsplänen für Haribo. Mal will das wohl bekannteste Familienunternehmen der Stadt seinen Sitz nach Rheinbach verlagern, mal nach Rheinland-Pfalz. Noch weht der süßliche Fruchtgummi-Duft jedoch nach wie vor durch Kessenich.

Hier hat Riegels Vater, ebenfalls mit Vornamen Hans, das Unternehmen in einer Hinterhof-Waschküche 1920 gegründet. Zwei Jahre später verkaufte Riegel den ersten "Tanzbären", einen Vorläufer der Goldbären. Nach dem zweiten Weltkrieg stieg Hans Riegel gemeinsam mit seinem Bruder Paul nach dem Tod des Vaters in die Firmenleitung ein. Paul, der 2009 starb, leitete die Technik, Hans Verkauf und Marketing.

Die Brüder schafften mit den Bonner Bärchen den Durchbruch auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig sorgte immer wieder Zwist zwischen den zwei Familienstämmen für Schlagzeilen. Die viel diskutierte Nachfolge im Hause Haribo haben die Riegels heute durch ein Stiftungsmodell geregelt, das dafür sorgen soll, dass der begehrte Übernahmekandidat Haribo nicht an einen Großkonzern fällt, sondern langfristig in Familienhand bleibt. Heute leitet Hans Riegels Neffe Hans-Guido Riegel die Haribo-Technik.

In der Öffentlichkeit zeigen sich die Unternehmer selten. Seinen 90. Geburtstag feiert Hans Riegel in kleiner Runde in seinem Golfhotel am Rhein. Ob "der Doktor" zum Nachtisch Panda-Bärchen serviert, ist nicht bekannt.