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Flughafen Köln/Bonn: Schneller aus der Krise als befürchtet

Flughafen Köln/Bonn : Schneller aus der Krise als befürchtet

Der Flughafen Köln/Bonn setzt auf ein diversifiziertes Geschäftsmodell und will schon 2022 finanziell wieder ausgeglichen sein. Ein Geschäftszweig boomt besonders stark.

Der Luftverkehr zählt zu den Branchen, die unter der Corona-Pandemie besonders stark gelitten haben. Am Flughafen Köln/Bonn gab es zwischenzeitlich während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 fast keine Passagiertransporte mehr, und auch im darauffolgenden Winter waren Flugpläne stark ausgedünnt. Die Umsätze brachen um ein Drittel auf 208 Millionen Euro ein, „das ist ein bedrohliches Szenario“, sagte Flughafengeschäftsführer Torsten Schrank am Dienstag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Umso erfreuter zeigte er sich, dass das Betriebsergebnis in diesem Jahr schon wieder ausgeglichen sein soll – früher als bisher erwartet.

 Die Entwicklung der Verkehrszahlen am Flughafen Köln/Bonn.
Die Entwicklung der Verkehrszahlen am Flughafen Köln/Bonn. Foto: Sabrina Stamp/CGN

  Mehrere Faktoren haben zu den verbesserten Geschäftsaussichten beigetragen: Erstens profitierte der Flughafen Köln/Bonn von seinem starken Frachtverkehr, dem der boomende Online-Handel in der Pandemie zusätzlichen Schwung verlieh. Zweitens hatte der Airport bereits 2019 ein, wie es Schrank nannte, „Ergebnisverbesserungsprogramm“ aufgesetzt, das eine strategische Neuausrichtung, aber auch eine strikte Ausgabenkontrolle enthielt, Arbeitsplätze wurden abgebaut. Man sei aber ohne betriebsbedingte Kündigungen zurecht gekommen, erklärte Schrank, wobei das Unternehmen während der Lockdowns auch viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hatte.

Zahlungsfähigkeit für Jahre gesichert

 „Wir haben die Erlöse gesteigert, die Gebühren auf ein allgemeines Niveau angehoben“, Verträge seien auf Branchenstandard gebracht worden. Leer stehende Hangars wurden neu vermietet, auch Bauprojekte wurden umgesetzt, etwa eine neue Halle für DHL sowie das Moxy-Hotel, das im vergangenen Juli eröffnet wurde. „Wir sind mittlerweile ein neues Unternehmen“, erklärte Schrank. Nachdem die Gesellschafter – der Bund, das Land NRW, die Stadt Köln sowie mit kleinen Anteilen Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis und der Rheinisch-Bergische Kreis – das Eigenkapital um 75 Millionen Euro aufgestockt haben, mache er sich keine Sorgen um die Liquidität: „Die Zahlungsfähigkeit ist für Jahre gesichert“, so Schrank, der zudem auf einen Förderkredit des Landes von 100 Millionen Euro zurückgreifen kann.

 Das Frachtgeschäft in Köln/Bonn erlebte einen nie gekannten Boom. Während weltweit das Luftfrachtvolumen im ersten Corona-Jahr um elf Prozent zurückging (in Deutschland um vier Prozent), stiegen die transportierten Mengen am hiesigen Airport 2020 um sechs Prozent und 2021 sogar um überraschende 14 Prozent.  Dieses Jahr könnten es nochmals vier Prozent mehr werden, wenn sich die Erwartungen der Geschäftsführung erfüllen. Damit würde erstmals die Grenze von einer Million Tonnen transportierter Güter überschritten. Den größten Anteil – nämlich 90 Prozent – macht das Expressgeschäft aus. Die wichtigsten Frachttransporteure sind UPS, das seine Europa-Zentrale in Köln/Bonn unterhält, Fedex und DHL. Aber auch der Onlinehandelsriese Amazon, der „massivst im Kommen ist“, und die chinesische Handelsplattform Alibaba nutzten zunehmend den Flughafen Köln/Bonn, berichtete Schrank.

Mehr Businessmaschinen

Auch im darbenden Passagiergeschäft hilft der Mix unterschiedlicher Kundengruppen. Ein Drittel macht inzwischen der Flugverkehr mit kleinen Businessmaschinen aus. Laut Schrank weichen Geschäftsleute in der Corona-Krise aus Sorge vor Infektionen auf Privatmaschinen aus, die sie direkt zu ihren Zielen bringen, sei es zu Geschäftskunden oder zu ihrem ausländischen Unternehmensstandort. Bei einem Drittel der Passagiere handelt es sich um Menschen mit Migrationshintergrund, die im Urlaub ihre Familien und Freunde in Ländern wie der Türkei oder Marokko besuchen. Den Rest machen reine touristische Flugreisende aus. 

Die Billigairlines sind weiterhin ein wichtiger Geschäftszweig am Flughafen. Nachdem Easyjet sich in der Pandemie komplett vom deutschen Markt zurückgezogen hatte, nahm das Unternehmen im Dezember die erste Flugverbindung zwischen Köln/Bonn und Berlin auf. Ab Mai soll die Strecke nach Palma de Mallorca bedient werden. Ryanair wird künftig auch den römischen Flughafen Fiumicino anfliegen, nachdem die Gesellschaft bisher nur in Ciampino gelandet war.