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Siegfried Gin: Bonner Gin-Hersteller Rheinland Distillers wollen Weltmarkt erobern

Rheinland Distillers : Bonner Gin-Hersteller wollen Weltmarkt erobern

Der Großinvestor Distill Ventures steigt bei den Bonner Gin-Herstellern Rheinland Distillers ein und wird Minderheitsgesellschafter. Im Kommen ist vor allem der alkoholfreie Siegfried Gin der Bonner.

Die schlichte Flasche mit den großen roten Buchstaben auf weißem Grund ist im Sortiment der führenden deutschen Supermärkte längst vertreten, in Bars und bei Spirituosenhändlern bundesweit sowieso. Innerhalb von nur sechs Jahren ist Siegfried Gin bei Liebhabern des Wacholdergetränks zum Begriff geworden. Jetzt ist auch ein britischer Investor auf sie aufmerksam geworden: Mit zehn Prozent beteiligt sich die Risikokapitalgesellschaft Distill Ventures, eine Tochter des Spirituosenherstellers Diageo, an dem Bonner Unternehmen Rheinland Distillers, wie die Firmen am Mittwoch mitteilten.

Die ersten Kontakte wurden schon vor anderthalb Jahren geknüpft. „Eines Tages klingelte es am Telefon“, erzählt Gründer und Geschäftsführer Raphael Vollmar, der die Gin-Idee gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Gerald Koenen entwickelt hatte. Die Beteiligung von Distill Ventures soll ihnen den Weltmarkt weiter öffnen, wo die Produkte der Bonner bisher in 13 Ländern im Handel zu finden sind. „Da wären wir irgendwann an Grenzen gestoßen“, erklärt Vollmar, „denn ‚trial and error’ kostet Zeit und Geld.“

Die beiden Ur-Bonner kennen sich bereits seit 25 Jahren. Ursprünglich hatten sie ganz andere Jobs: Vollmar führte das Geschäft seiner Eltern, das Traditionshaus Vollmar und Söhne – feine Waren seit 1861 am Kaiserplatz, während der Wirtschaftsrechtler Koenen sein Geld in Internet-Start-ups verdiente. Vollmar hatte Internationales Management studiert, und mit dem in Maastricht und Los Angeles erworbenen Wissen experimentierten sie eine Weile mit selbst entwickelten Onlineshops. Noch heute liegt die IT-Technik auch bei Rheinland Distillers in der Hand von Koenen.

Start mit 4000 Euro

Mehr spielerisch sind die beiden Gin-Kenner dann auch an die Entwicklung einer eigenen Gin-Kreation gegangen. 4000 Euro Startgeld aus eigener Tasche legten sie an, der Drachentöter Siegfried wurde Namenspate, nicht zufällig besticht ihr Produkt mit einer feinen Lindenblütennote. Der rasante Erfolg hat sie selbst überrascht, laut dem Datenanalyse-Unternehmen Nielsen wurden sie schnell zum umsatzstärksten Gin-Hersteller in Deutschland ohne industrielle Beteiligung, was sich ja nun ändert. Darauf angesprochen, will Vollmar aber keine Zahlen nennen. Laut Bundesanzeiger lag der Gewinn 2018 bei  rund 264.000 Euro, bei 13 Mitarbeitern. Die Unternehmer selbst verraten nur soviel: „Wir wachsen jährlich zweistellig, auch in Corona-Zeiten.“

Dass Diageo beziehungsweise die Tochtergesellschaft bei ihnen einsteigt, hat aber mehr noch mit einem zweiten Produkt zu tun, das sie vor genau zwei Jahren auf den Markt gebracht haben: mit dem  ersten alkoholfreien Gin, dem Siegfried Wonderleaf. Aus einem Aprilscherz, den sie sich auf Facebook erlaubt hatten, wurde eine neue Geschäftsidee, weil Freunde positiv darauf reagierten. Zudem war Vollmars Frau gerade mit dem zweiten Kind schwanger, auch sie schätzte die Idee einer alkoholfreien Alternative. Das Geheimnis ist ein zweifaches Destillationsverfahren, eines mit Wasserdampf und eines mit Alkohol, weil sich sonst die Aromen aus Kräutern und Blüten nicht in gewünschter Stärke erhalten lassen. Aber Vollmar und Koenen versichern, dass das Getränk nullprozentig ist. Pur soll man es nicht genießen, sondern für Mixgetränke.

„Auch von uns lernen“

Frank Lampen, Chef von Distill Ventures, erklärt: „Die Verbraucher stehen an erster Stelle und sie wollen die freie Wahl haben, ob mit oder ohne Alkohol.“ Er sieht in der alkoholfreien Variante einen wachsenden Trend. Distill Ventures hat darauf reagiert: Sein Portfolio umfasst bereits zu 25 Prozent internationale nicht-alkoholische Marken.

Auch bei den Rheinland Distillers kommen auf sieben verkaufte Flaschen Siegfried schon zehn Flaschen Wonderleaf. Vollmar sagt: „Wir gehen davon aus, dass die neuen Gesellschafter auch etwas von uns lernen können.“