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Sinn in Bonn: Modekette hält am Standort fest - Sanierungspaket kommt voran

Nach Verkündung der Karstadt-Schließung : Modekette Sinn hält am Standort Bonn fest

Sinn steht zu Bonn: Die Modekette will sich nicht aus der Bundesstadt zurückziehen. Das Sanierungspaket im Zuge des Schutzschirmverfahrens kommt laut Geschäftsführung gut voran.

Die Modekette Sinn kommt gut in ihrem Schutzschirmverfahren voran. „Wir sind im Plan“, versicherte Friedrich-Wilhelm Göbel, Sprecher der Sinn-Geschäftsführung, gegenüber dem General-Anzeiger. Er gehe davon aus, dass der Insolvenzplan im Laufe des August den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt werden könne.

Den Standort Bonn hält Göbel für gesichert: „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns aus Bonn zurückziehen, geht gegen Null“, so der Manager. Für die Modekette mit 23 Niederlassungen ist Bonn der größte Standort und gehöre zu den drei wichtigsten. Sinn sei interessiert, am Standort zu bleiben und die Immobilie zeitgemäß zu gestalten. Deshalb gebe es auch Gespräche mit den Vermietern.

Sinn mit Hauptsitz in Hagen hatte im April Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt, nachdem durch die Schließungen während der Corona-Krise Umsatz in Höhe von 33 Millionen Euro verloren gegangen sei. Das Schutzschirmverfahren ist ein besonderes Verfahren des deutschen Insolvenzrechts, das die vorläufige Eigenverwaltung mit dem Ziel der schnellen Erarbeitung eines Insolvenzplans verbindet, um die Sanierung zu erleichtern. Drei Monate sind dafür Zeit. Wie Göbel im April sagte, habe der Modefilialist keinen Kredit bekommen, um die Umsatzausfälle ausgleichen zu können. Keine der Banken habe einen Kreditantrag bei der Förderbank KfW begleiten können, da sie die Mithaftung in Höhe von 20 Prozent der Kreditsumme nicht hätten vertreten können. Zuvor sei das Unternehmen profitabel gewesen.

Es sollen keine Arbeitsplätze abgebaut werden

 Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hagen beschäftigt 1400 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Umsatz von 208 Millionen Euro. Für dieses Jahr waren 220 Millionen Euro geplant. Ziel des Schutzschirmverfahrens ist es, alle Modehäuser weiter zu betreiben und keine Arbeitsplätze abzubauen. Sinn hat bereits wieder expandiert: Im April eröffnete der Modefilialist eine Filiale in Unna und Ende Mai eine in Essen. „Beide Filialen sind vor dem Schutzschirmverfahren geplant gewesen“, so der Sprecher der Geschäftsführung.

Der Insolvenzplan sei weit fortgeschritten, aber noch in Arbeit. Es zeichne sich ab, dass sowohl die Mitarbeiter als auch Lieferanten und Vermieter einen Teil dazu beitragen werden. Da die Mitarbeiter in den Filialen keine hohen Löhne hätten, habe er versucht, ihren Anteil am Sanierungspaket auf zehn Prozent zu begrenzen: „Sie arbeiten länger ohne Lohnausgleich“, so Göbel. Ein Teil des Lohnes werde außerdem in Warengutscheinen ausgezahlt. Trotz allem werde die Firma im August die geplante Lohnerhöhung von 1,8 Prozent für die Mitarbeiter, die sich an den Tarifvertrag anlehnt, auch umsetzen.

Er habe allen Partnern, die zum Sanierungspaket beitragen, eine 20-seitige Dokumentation zur Verfügung gestellt, die Lage und Pläne des Unternehmens erläuterten: „Wir haben eine Zukunftsstrategie, die tragfähig ist“, so Göbel. Das Unternehmen stehe für Menschen, die nicht in Paris und London shoppen gehen, aber Qualitätsprodukte und Kundenservice haben wollen. Sparen allein sei noch kein Konzept, macht er einen Seitenhieb auf die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die durch die Schließung von Filialen gerade für Schlagzeilen sorgt. Auch in Bonn will die Kette die Karstadt-Niederlassung in der Poststraße schließen. Für die Bonner Innenstadt sieht er in der Karstadt-Schließung, die für Ende Oktober geplant ist, aber keinen tiefgreifenden Einschnitt. „Durch die Karstadt-Schließung werden nicht weniger Kunden in die Bonner Innenstadt kommen“, sagt Göbel.

Das sei in kleineren Städten, wo das Warenhaus der Anker sei, natürlich anders. Der Umsatz von Sinn liege noch deutlich unter dem der Vor-Corona-Zeit. Erst in den vergangenen zwei, drei Wochen sei es besser geworden. Die Filialen in Innenstädten würden besser laufen als die in Einkaufszentren. Vermutlich scheuten Kunden derzeit noch eher den Besuch in den nach oben geschlossenen Passagen. Die Zurückhaltung der Kunden werde vermutlich auch noch einige Zeit weitergehen. Im Sanierungsplan sei vorgesehen, dass 2023 wieder das Umsatzniveau von 2019 erreicht werde.