Effekt durch höhere Zinsen Sparkasse Köln-Bonn mit starkem Gewinnanstieg

Bonn · Die Sparkasse Köln-Bonn hat ein Geschäftsjahr hinter sich, das sie in der Dimension noch nicht hatte. Der rasche Anstieg der Leitzinsen beschwerte einen deutlichen Zuwachs beim Gewinn.

Mit Bussen will die Sparkasse Köln-Bonn die Standorte anfahren, in denen in den kommenden Monaten Filialen geschlossen werden.

Mit Bussen will die Sparkasse Köln-Bonn die Standorte anfahren, in denen in den kommenden Monaten Filialen geschlossen werden.

Foto: Axel Vogel

Mit einem Gewinn von fast 40 Millionen Euro hat die Sparkasse Köln-Bonn das Geschäftsjahr 2023 abgeschlossen. Ein Jahr zuvor betrug der Gewinn lediglich 27 Millionen Euro. „Der starke Anstieg des Marktzinsniveaus hat unsere Ertragsseite beflügelt, insbesondere beim Zinsüberschuss. Dies betrachten wir allerdings in dieser Höhe als einmaligen Effekt“, sagte Ulrich Voigt, Vorstandschef der Sparkasse Köln-Bonn, bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Beim Gewinn müsse man rund 25 Jahre zurückschauen, um ähnliche Größenordnungen im Verhältnis zu den anderen Geschäftszahlen zu sehen.

Weniger Kreditausfälle als erwartet

Unter dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit schwachem Wachstum, anhaltend hoher Inflation und steigenden geopolitischen Risiken habe die Sparkasse weniger gelitten als zunächst prognostiziert, sagte Finanzvorstand Andreas Dartsch. Die Kreditausfälle seien um 20 bis 25 Millionen Euro geringer ausgefallen als erwartet. Für dieses Jahr verzeichne er „ein höheres Grundrauschen“, was Probleme der Unternehmen betreffe. Es bleibe aber alles im Rahmen.

Die Sparkasse der Region Köln-Bonn erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 399 Millionen Euro. Davon flossen 148 Millionen Euro in die Reservenbildung. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf fast 172 Millionen Euro.

Bilanzsumme unverändert

Zum Ende des Geschäftsjahres 2023 lag die Bilanzsumme unverändert bei 28 Milliarden Euro. Damit gehört das Institut zu den größten Sparkassen Deutschlands. Dartsch erwartet, dass 2027 die Größenordnung von 30 Milliarden überschritten wird. Das würde bedeuten, dass die Sparkasse ab 2028 unter die strengere Aufsicht der Europäischen Zentralbank komme, die ab 2029 dann richtig greife. Das werde höhere Kosten von ungefähr 15 Millionen im Jahr für die Sparkasse bedeuten.

Der Einlagenbestand der Sparkasse stieg leicht von 22,3 auf 22,4 Milliarden Euro gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert. Angesichts der steigenden Zinsen schichteten Kunden bei den Einlagearten um. Die Sichteinlagen, also Bankguthaben, für die keine Laufzeit oder Kündigungsfrist vereinbart ist oder deren Laufzeit oder Kündigungsfrist weniger als einen Monat beträgt, sanken von 15,4 auf 14,3 Milliarden Euro. Demgegenüber gab es einen deutlichen Anstieg bei den Spar- und Termineinlagen von 5,4 auf 6,7 Milliarden Euro. Das Depotvolumen (Depot B) stieg von 17,4 auf 19,2 Milliarden Euro. Davon entfielen rund ein Viertel auf Kursgewinne und rund drei Viertel auf Nettozuflüsse. Das Depot B enthält die Wertpapiere aus Kommissionsgeschäften. Der Bestand befindet sich im Eigentum der Kunden der Bank.

Baufinanzierungen brachen ein

Das Kreditvolumen der Sparkasse blieb mit 22 Milliarden Euro unverändert gegenüber dem Vorjahr. Fast auf die Hälfte brach das Baufinanzierungsgeschäft mit 816 Mio. Euro an Neuzusagen ein. Im Vorjahr hatte es noch 1,5 Milliarden Euro betragen. „Gerne hätten wir mehr Baufinanzierungen zugesagt. Aber angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten war bei unserer Kundschaft und im Gesamtmarkt eine große Zurückhaltung beim Erwerb von Immobilien festzustellen. Faktoren waren auch neben höheren Bau-, Sanierungs- und Finanzierungskosten nur wenig gesunkene Immobilienpreise in der Region“, sagte Voigt.

Der Zinsüberschuss als wichtige Ertragssäule einer Bank stieg von 371 auf knapp 615 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss erreichte 213 Millionen Euro, nachdem er 2022 199 Millionen Euro betragen hatte.

Nachdem die Sparkasse Köln-Bonn im Februar bekannt gegeben hatte, dass sie 22 ihrer 63 Filialen schließen will, habe es lediglich in stark begrenztem Umfang Reaktionen gegeben, sagte Voigt. Es habe lediglich 41 Anfragen gegeben. Lediglich in drei Stadtteilen verlaufe die Diskussion etwas intensiver.

Investitionsbereitschaft gehemmt

Für das laufende Jahr rechnet die Sparkasse Köln-Bonn mit einer leicht gedämpften Geschäftsentwicklung. „Die gesamtwirtschaftlichen Risikofaktoren und Unsicherheiten werden weiter fortbestehen; dies hemmt auch die Investitionsbereitschaft“, sagt Voigt. Er erwartet eine Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank noch im laufenden Jahr. Diese könne einen kleinen wirtschaftlichen Schub befördern.

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