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Germanwings: Streik überrascht nur wenige Passagiere

Germanwings : Streik überrascht nur wenige Passagiere

In Köln/Bonn kam es zu 48 Flugausfälle wegen des Ausstands der Germanwings-Piloten. 5700 Fluggäste waren betroffen.

Es ist still am Freitagmorgen im Bereich C des Terminals 1 des Flughafens Köln/Bonn. An bis zu sieben Schaltern fertigt die Lufthansa-Tochter Germanwings hier normalerweise Passagiere ab, die innerhalb Deutschlands fliegen. Ein Schalter ist am Morgen besetzt während die Piloten streiken, um Abstriche am Übergangsgeld bei einem vorzeitigen Eintritt in die Rente zu verhindern. Die beiden Mitarbeiterinnen unterhalten sich, Fluggäste gibt es weder hier noch an den zwei Selbstbedienungs-Check-Ins.

Als am Donnerstags klar wurde, dass die Piloten streiken würden, hat Germanwings einen Ersatzflugplan aufgestellt. Vor allem innerdeutsche Flüge ab 6 Uhr morgens wurden gestrichen. Nach Nach Berlin, Leipzig, Dresden oder Hamburg geht es am Freitagmorgen mit der Bahn. Wann immer das möglich war, so Germanwings-Sprecher Joachim Schöttes, seien die Fluggäste per SMS über Streichungen oder geänderte Abflugzeiten informiert worden. Und das hat im Wesentlichen funktioniert. Nur wenige Passagiere wurden von Flugausfällen überrascht.

Und so hat auch die Mitarbeiterin am Service-Schalter von Germanwings einen ruhigen Vormittag. Ein Aushang informiert über "Flugunregelmäßigkeiten" und weist auf kostenlose Umbuchungen hin oder auf die Möglichkeit, sich den Flugpreis erstatten zu lasen. Meist kann sie Fluggästen einfach den Weg in den Bereich B des Terminals zeigen, wo die internationalen Flüge von Germanwings abgefertigt werden, und sie sich eigentlich hätten einfinden sollen.

Hier ist mehr Betrieb, denn internationale Flüge lässt Germanwings nach Möglichkeit starten. Die Gesellschaft habe auch Flugzeuge von renommierten Charterfluggesellschaften angemietet, um Gäste in Urlaubsgebiete zu fliegen oder abzuholen. Außerdem würden Piloten eingesetzt, die normalerweise im Management der Germanwings arbeiten, so Schöttes. Dennoch gibt es Flugausfälle.

Ein Italiener, der von Island nach Mailand fliegen wollte, hätte über Düsseldorf und Turin zum Ziel gebracht werden müssen, so Schöttes. Der Weg nach Zürich führte am Freitag zunächst per Bahn über Frankfurt. Und eine Familie, die aus Marokko über Köln und London ins kanadische Toronto wollte, musste gespannt sein, ob sie ihren Transatlantikflug noch erreicht.

Ratlos ist eine Familie mit zwei Kindern. Um zwei Uhr in der Nacht seien sie in Albanien gestartet und mit der Germanwings-Schwester Austrian Airlines nach Wien geflogen, erzählt Ornela Camishi. Von Wien ging es dann mit Germanwings nach Köln/Bonn, wo sie eine Maschine nach Hause nach Friedrichshafen an den Bodensee bringen sollte. Doch der Flug ist annulliert, wie sie in Köln/Bonn erfährt. Vorher habe es keinen Hinweis der Fluggesellschaft gegeben, sagt sie: "Das ist eine Katastrophe." Einer ihrer Söhne habe Fieber, da könne sie nicht stundenlang Zug fahren.

In Köln/Bonn fielen 48 von 146 Flügen der Germanwings aus. Davon waren laut Flughafengesellschaft 5700 Passagiere betroffen. Damit lag in Köln/Bonn ein Streikschwerpunkt. Insgesamt fielen am Freitag von rund 550 Flügen 116 aus, so Schöttes. Insgesamt rund 15 000 Passagiere seien betroffen gewesen.

An den betroffenen Stationen sei die Lage sehr ruhig gewesen, sagten Germanwings und die Flughafengesellschaften. Nur vereinzelt hätten Fluggäste ihre gestrichenen Flüge antreten wollen. Der Ersatzflugplan habe funktioniert, betonte Germanwings. Die Airline habe sich bemüht, die Streikauswirkungen so gering wie möglich zu halten. Und weitere Unannehmlichkeiten könnten ins Haus stehen.

Auch die Lufthansa selbst oder die Frachttochter Lufthansa Cargo könnten demnächst von Streiks betroffen sein. Der Streit um die Übergangsrente hatte bereits im April zum schärfsten Streik in der Lufthansa-Geschichte geführt. Rund 3800 Flüge fielen aus, betroffen waren an den drei Tagen 425.000 Fluggäste.