Telekom-Chef übt Kritik Höttges droht mit Verlagerung von Investitionen ins Ausland

Bonn · Telekom-Chef Timotheus Höttges kritisiert den Kurs der deutschen Wirtschaftspolitik als zu verbraucherorientiert. Er droht mit Verlagerung von Investitionen ins Ausland, wenn Unternehmen nicht mehr Möglichkeiten für Wachstum eröffnet würden.

 Stimmt die Beschäftigten auf einen Sparkurs ein: Telekom-Chef Timotheaus Höttges.

Stimmt die Beschäftigten auf einen Sparkurs ein: Telekom-Chef Timotheaus Höttges.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Telekom-Chef Timotheus Höttges findet die deutsche Wirtschaftspolitik zu verbraucherorientiert. Die Verantwortlichen müssten sich die Frage stellen, wieso die Unternehmen immer weniger in Deutschland investierten: „Es muss sich dringend etwas ändern“, forderte der Telekom-Chef bei der Vorstellung der Zahlen seines Unternehmens im zweiten Quartal. Er kritisiert die Wirtschaftspolitik dafür, dass vor allem auf niedrige Preise geachtet werde. Die Unternehmen erhielten zu wenig Chancen für Wachstum: „Wir müssen wachsen, um Wohlstand zu wahren“, so Höttges. Auch die Telekom stelle sich die Frage, ob sich Investitionen in Deutschland weiter lohnten oder man auf andere Märkte umschwenken müsse: „Sollten sich die Weichenstellungen nicht ändern, sehen wir uns gezwungen, Investitionen ins Ausland zu verlagern.“

Kritik an Weichenstellungen

Was den Telekommunikationsmarkt betrifft, sieht Höttges falsche Weichenstellungen. Das betreffe beispielsweise die diskutierte Diensteanbieterverpflichtung auf dem Mobilfunkmarkt. Der Bund kann Netzbetreibern vorschreiben, anderen Mobilfunkanbietern, die kein eigenes Netz haben, Kapazitäten zu vermieten. Die können dann über die fremden Netze eigene Angebote vermarkten. Darüber ist beispielsweise Freenet groß geworden. Diese Regelung gab es früher, seit einigen Jahren gibt es nur noch ein „Verhandlungsgebot“ zwischen den Firmen. Die Bundesnetzagentur muss in den nächsten Monaten über die Bedingungen für eine Neuvergabe von Mobilfunkfrequenzen entscheiden, für die Nutzungslizenzen Ende 2025 auslaufen. Höttges hält die Einführung einer Dienstanbieterverpflichtung für falsch. Es gebe bereits intensiven Wettbewerb.

Mehr Gewinn erwartet

Nach einem weiteren Kundenwachstum im zweiten Quartal hat die Deutsche Telekom ihre Gewinnprognose leicht erhöht. Für das Gesamtjahr erwartet der Dax-Konzern jetzt ein um Sondereffekte bereinigtes Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda AL) von rund 41 Milliarden Euro erwartet, nach zuvor rund 40,9 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn wuchs im zweiten Quartal um 1,5 Prozent auf zehn Milliarden Euro. „Unsere Geschäfte entwickeln sich trotz komplexer Marktumfelder positiv“, sagte Höttges. Sowohl das europäische als auch das US-Geschäft trügen zur Anhebung der Gewinnprognose bei. Der Eindruck sei falsch, dass der Geschäftserfolg vorrangig aus dem Geschäft der US-Tochter T-Mobile US stamme.

Der Umsatz des Bonner Unternehmens ging im zweiten Quartal um 2,4 Prozent auf 27,2 Milliarden Euro zurück. „Dieser Umsatz-Rückgang geht vor allem auf die geplante Reduzierung des margenschwachen Geschäfts mit Mobilfunk-Endgeräten in den USA zurück“, erläuterte Finanzvorstand Christian Illek. Der bereinigte Nettogewinn brach um 22,8 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein, was das Unternehmen mit Sondereffekten im Vorjahr erklärt.

Sparkurs geplant

Höttges stimmte die Beschäftigten des Unternehmens auf einen Sparkurs ein. Zusätzlichen Personalabbau schloss er dabei nicht aus. Seit vielen Jahren baut die Telekom laut Illek jedes Jahr 3000 bis 4000 Stellen in Deutschland ab. Auch die Telekom spüre die Auswirkungen durch deutlich höhere Preise bei Energie und Material. Anders als andere Industrien könne das Unternehmen aufgrund des Wettbewerbsdrucks höhere Kosten nicht durch Preiserhöhungen kompensieren. Das Unternehmen wolle aber die Investitionen nicht zurückfahren. „Wir müssen also effizienter werden und unsere Strukturen überprüfen“, sagte Höttges. Das Augenmerk gelte den indirekten Kosten im Unternehmen. Besonders in den Zentralfunktionen und unternehmensinternen Dienstleistungen: „Helfen sollen uns dabei Digitalisierung und auch Künstliche Intelligenz. Aber auch ganz klassisch, indem wir sparen.“

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