1. News
  2. Wirtschaft
  3. Regional

Telekom in Bonn: Wegen Homeoffice kaum mehr Bedarf an Büroflächen

Geringerer Bedarf : Telekom gibt die Hälfte der Bonner Flächen auf

Der Techniker braucht kein Büro mehr, weil er die Aufträge direkt auf das Laptop bekommt. Viele Büro-Beschäftigte arbeiten einen Teil der Zeit mobil. Die Telekom will fast die Hälfte ihrer Büroflächen abbauen – auch in Bonn.

Die Deutsche Telekom wird in den kommenden Jahren bis zu 50 Prozent ihrer Büroflächen abgeben. „Davon ist auch Bonn betroffen“, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges am Donnerstag in Bonn auf Nachfrage. Zum Zeitrahmen machte der Vorstandschef keine Angaben. „Wir waren in der Vergangenheit überdimensioniert, weil Mitarbeiter auch bei Kunden vor Ort waren.“ Jetzt würden Beschäftigte ihrer Arbeit auf hybride Weise nachgehen. Dass die Arbeitsfläche reduziert wird, solle aber keinen Aufschluss darauf geben, wie wichtig ein Standort ist.

Derzeit gibt die Telekom bereits in Darmstadt fast Hälfte der bislang gemieteten Büroarbeitsplätze auf. Welche Standorte die Telekom in Bonn aufgeben wird, ist noch nicht klar, sagte Unternehmenssprecher Philipp Schindera. Das hänge beispielsweise davon ab, wann Mietverträge ausliefen.

 Stellten die Quartalszahlen vor: Telekom-Finanzvorstand Christian Illek (l.) und Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges.
Stellten die Quartalszahlen vor: Telekom-Finanzvorstand Christian Illek (l.) und Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges. Foto: dpa/Henning Kaiser

Höttges erläuterte, dass sich durch den Trend zum mobilen Arbeiten künftig mehr Beschäftigte Schreibtische teilen würden und deshalb weniger Fläche notwendig sei. Die Abgabe von Bürofläche solle aber auch ein Beitrag zum Thema Stromsparen sein. Hier komme die Telekom ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach, einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten. Bereits im zweiten Quartal sei der Stromverbrauch des Unternehmens gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent reduziert worden.

2025 will die Telekom bei den eigenen Geschäftsaktivitäten und dem Energie-Einkauf emissionsneutral sein. „In Deutschland haben wir seit 2010 den Verbrauch für Büro-Strom und Wärme von damals 965 Gigawattstunden glatt halbiert“, sagte Höttges. Dazu habe die Senkung des Wärmebedarfs in den Technikflächen beigetragen.

Mit dem Verlauf des zweiten Quartals zeigt sich der Vorstandschef sehr zufrieden. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 5,9 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro. Dafür waren aber vor allem Wechselkurseffekte sowie Portfolioveränderungen verantwortlich. Ohne diese blieb der Umsatz stabil.

Der um Sondereinflüsse bereinigte Konzernüberschuss legte um 15,7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Unter Einbeziehung von Sondereffekten, zu denen die Kosten der Fusion der Tochter T-Mobile US mit Sprint und ein Vergleich wegen eines Hackerangriffs zählen, ist das Nettoergebnis aber um rund 22 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro gesunken.

Wie Höttges erläuterte, rechnet das Unternehmen durch die guten Zahlen des ersten Halbjahres damit, für 2022 ein Ebitda von rund 37 Milliarden Euro zu erzielen. Bislang hatte die Telekom lediglich 36,6 Milliarden Euro prognostiziert. „Für diese Anhebung erwarten wir höhere Beiträge aus den USA wie auch aus Europa“, so Höttges.

„Die Integration von Sprint geht schneller als bislang geplant voran, erläuterte Finanzvorstand Christian Illek. T-Mobile US habe das Synergie-Ziel für den Zusammenschluss mit Sprint im laufenden Jahr um 200 Millionen Dollar angehoben.

Nachdem Höttges mehrere Jahre ein Zusammenrücken europäischer Telekommunikationsunternehmen für wichtig hielt und aktiv vorantrieb, verfolgt er diesen Plan derzeit nicht mehr weiter: „Die europäische Marktkonsolidierung ist gescheitert“, sagte er. Gründe seien bei den nationalen Interessen anderer EU-Mitgliedsländer und auch den Kartellbehörden zu suchen, die das ablehnten. In Deutschland hingegen gebe es diese ablehnende Haltung nicht.