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THW: Köln Bonn Airport wird zentrale Drehscheibe für Hilfseinsätze

Auslandseinsätze des Technischen Hilfswerks : Flughafen Köln/Bonn wird zentrale Drehscheibe für Hilfseinsätze

Auslandseinsätze des Technischen Hilfswerks (THW) starten künftig vom Flughafen Köln/Bonn aus. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung wurde am Donnerstag unterzeichnet.

Die Corona-Pandemie und die Flutkatastrophe im Juli haben deutlich gemacht, wie wichtig der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz sind. Rund 13.000 Mitarbeiter der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) waren allein seit Juli in den Hochwassergebieten im Einsatz, wie ihr Präsident Gerd Friedsam am Donnerstag berichtete. Die beiden jüngsten großen Krisen haben zudem gezeigt, dass die Notfallvorsorge nicht optimal ist. Aus diesem Grund hat der Bundestag in diesem Jahr rund 42 Millionen Euro für vier weitere Logistikzentren des THW zur Verfügung gestellt. In Hilden bei Düsseldorf entstand darüber hinaus ein neues Logistikzentrum, das als Dienstleister für alle Organisationseinheiten im THW fungiert. Dort werden auch die Materialien und Gerätschaften für THW-Auslandseinsätze zusammengestellt und gelagert.

Bisher startete das THW von Frankfurt/Main aus

Bisher startete das THW zu seinen Einsätzen von Frankfurt/Main aus, künftig sollen die Maschinen in der Regel vom Flughafen Köln/Bonn abheben, auch wenn der hessische Airport weiterhin genutzt wird. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten Friedsam und Flughafenchef Johan Vanneste am Donnerstag, die kleine Zeremonie fand auf dem Vorfeld des Flughafens im Nieselregen statt.

Entscheidend für die Zusammenarbeit sei nicht nur die Nähe des Flughafens zum Logistikzentrum in Hilden gewesen, sondern auch dessen Rolle als bedeutender Frachtflughafen, der auf Rang acht in Europa stehe, sagte Vanneste. Hier hat UPS sein europäisches Drehkreuz, DHL, Fedex und Amazon nutzen ihn als Hub. „Die Kooperation mit dem Köln-Bonner Flughafen ist ein Ass im Ärmel und ein wichtiger Meilenstein für uns“, erklärte THW-Chef Friedsam.

Wenn Länder nach einer Kata­strophe wie der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut im August 2020 oder Erdbeben ausländische Hilfe bei der Bergung der Opfer anfordern, müssten die Retterteams innerhalb von zwölf Stunden nach der Alarmierung einsatzbereit sein, berichtete Friedsam. Dabei spiele ein Luftdrehkreuz eine wesentliche Rolle. Dieser Zeitstandard gelte weltweit.

THW hat keine eigenen Flugzeuge

Während Fracht und Gerätschaften in verplombten Kisten in den Logistikzentren vorgehalten werden müssen, ist eine weitere Hürde die Abfertigung am Flughafen selbst. Frachtpapiere, alle Zollformalitäten, die beim Transport von Gefahrengut zeitaufreibend sind, müssen vollständig sein und bereitliegen, damit es im Einsatzfall wirklich reibungslos läuft. Übungen für den Ernstfall auf dem Flughafen selbst gehören für die THW-Mitarbeiter dazu. „So etwas schafft man nicht von null auf 100“, erklärte Friedsam. Auch bei den Sicherheitschecks für die Einsatzkräfte gelte, dass sie prioritär abgefertigt würden. „Wir sind die Beschleuniger“, beschrieb Vanneste die Aufgabe des Flughafens in der Zusammenarbeit.

Noch ein anderer Punkt kommt zum Tragen: Das THW hat keine eigenen Flugzeuge, sondern muss die Maschinen für jeden Einsatz ganz schnell chartern. „Durch unsere guten Kontakte zu Airlines weltweit können wir ebenfalls unterstützend wirken“, betonte Vanneste. Wirtschaftlich erwachsen dem Flughafen nach Aussagen seines Geschäftsführers keine Vorteile durch die Kooperation, denn das THW zahle für die Nutzung der Infrastruktur keine Gebühren.  Rund 80 000 Männer und Frauen engagieren sich im THW, die meisten ehrenamtlich.

In der Pandemie lieferte es Schutzausstattung für die Bundesbehörden und Ländereinrichtungen.