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Prozess gegen Immobilienmogul in Köln: Troisdorfer Unternehmer Esch bestreitet Bestechungsvorwürfe

Prozess gegen Immobilienmogul in Köln : Troisdorfer Unternehmer Esch bestreitet Bestechungsvorwürfe

Der Troisdorfer Bauunternehmer Josef Esch bestreitet in seiner Aussage den Vorwurf der Bestechung. Der Troisdorfer lässt vor Gericht seine Einlassung nur verlesen.

Der Anruf kam am 22. November 2003, einem Samstag. Der Immobilienunternehmer aus Troisdorf Josef Esch war auf einer Feier bei Geschäftspartnern – Matthias von Krockow, dessen Frau Baronin Ilona von Ullmann und deren Familie, die Gründerfamilie des Bankhauses Sal. Oppenheim. Esch hatte sein Handy extra ausgeschaltet. Dann wurde er wegen eines dringenden Anrufes zur Seite gezogen. Es waren der ehemalige Chef der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, und der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma. Sie waren besorgt, dass mit RTL der größte Gewerbesteuerzahler abwandern würde. Ein Gebäude musste her. Die Stadt hatte die alten Messehallen im Blick. Deshalb brauchte die Kölnmesse Ersatz. An diesem Nachmittag wurde die Vereinbarung getroffen, dass Esch die Nordhallen der Kölnmesse bauen sollte. Die Erinnerungen des Bauunternehmers verliest sein Rechtsanwalt am Dienstagmorgen vor dem Kölner Landgericht. Selbst sprechen möchte der 61-Jährige nicht.

14 Jahre nach diesem Tag muss sich Esch wegen Bestechung vor Gericht verantworten. Denn er soll Schröder für den Auftrag mit 9,9 Millionen Euro bestochen haben. Mit dem Geld soll Schröder Verluste der Sparkasse aus anderen Mietgeschäften mit Esch ausgeglichen haben. Auch Schröder sitzt auf der Anklagebank.

Eschs Anwalt streitet diese Vorwürfe am Dienstag mehrmals ab. Die Anklage beziehe sich auf ein Telefonat mit Schröder. An das könne sich Esch nicht erinnern. Und selbst wenn, habe er eine solche Unrechtsvereinbarung nie getroffen. Bei den Millionen habe es sich um Provisionen gehandelt, die die Sparkasse rechtmäßig erhalten habe. Zudem sei meist Schröder der Motivator für neue Geschäfte oder deren Ausbau gewesen, heißt es. Schröder habe zwar mehrmals nach Mietnachlässen gefragt. Da einige der gemeinsam auferlegten Immobilienfonds schlecht liefen. Aber Esch hatte immer abgelehnt.

„Es ist mir niemals in den Sinn gekommen, dass einer der Verträge anstößig sein könnte“, heißt es in der Einlassung. „Deshalb kann ich den Vorwurf der Anklage bis heute nicht richtig nachvollziehen.“ Die Belege der Anklage scheinen nicht eindeutig. Das Telefonat bezieht sich auf einen Eintrag im Kalender Schröders, der aber nicht näher ausgeführt wird. Dazu gibt es eine Notiz Schröders, in der die Mieten fast halbiert wurden für einen der Fonds. Die Notiz ohne Datum kann nach Eschs Anwalt die Vorbereitung auf ein Gespräch oder Schröders „Wunschvorstellungen“ gewesen sein.

Mietnachlässe passten nicht zu seinen Immobilienfonds, erklärt Eschs Anwalt. Standen die Konditionen fest, konnten sie nicht mehr geändert werden. In die Fonds investierten wohlhabende Kunden des Bankhauses Sal. Oppenheim – Namen wie Thomas Middelhoff oder Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Das Bankhaus besorgte die Kapitalgeber, Esch baute, die Sparkasse akquirierte Mieter und gab Mietgarantien ab. Für ihre Leistungen erhielt die Sparkasse Provisionen, die Kapitalgeber Renditen aus den Mieteinnahmen. Seit den 80ern entwickelte Esch mit dem Bankhaus Sal Oppenheim etwa 70 geschlossene Immobilienfonds mit einem Wert von 4,5 Milliarden Euro.