Grüne Woche in Berlin Trüffelhonig trifft auf Nimmermür

Berlin · Nordrhein-Westfalen präsentiert sich auf der Grünen Woche Berlin. Dabei sind auch Aussteller aus dem Rhein-Sieg-Kreis.

 Mit dem "Baummann" werben die Forstbetriebe Rhein-Erft.

Mit dem "Baummann" werben die Forstbetriebe Rhein-Erft.

Foto: Katharina Weber

Wenn Elchwürstchen und Insektenburger auf dem Menü stehen, wenn Uckermärker Rinder und tropische Schützenfische Stall an Aquarium stehen, wenn der Duft exotischer Blumen in der Luft liegt, dann hat die Grüne Woche in Berlin ihre Tore geöffnet. Am Sonntag geht die 83. Ausgabe der Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau zu Ende. Zehn Tage lang werden dann 1660 Aussteller aus 66 Ländern ihre Speisen, Waren und Informationen angeboten haben. Auch einige Aussteller aus der Region sind mit von der Partie. Unter dem Motto „Gutes und Nachhaltiges aus NRW“ präsentierte sich das Bundesland in einer eigenen Halle.

Premiere auf der Grünen Woche feierte Imker Paul Büki aus Much. Keinen reinen, sondern veredelten Honig gab es an seinem Stand zu entdecken. „Die meisten Sorten sind mit Bio-Ölen versetzt, also mit destillierten oder kaltgepressten Früchten.“ Zwei Jahre habe er an der Rezeptur experimentiert, 2015 ging das erste Produkt der „honeyfaktur“ auf den Markt.

Mittlerweile sind zwölf Sorten entstanden; die Hälfte zeichnet sich durch eine Citrusnote aus, zum Beispiel Limetten- oder Lemon-grasshonig. Dazu kämen einige „Exoten“ wie der mit italienischem Burgundertrüffel angereicherte Honig. „Der Bestseller ist Wasabi in Honig“, weiß Büki. „Hört sich komisch an, wenn man ihn aber mit deftigen Speisen wie Fleisch oder Käse probiert, ist es ein hervorragendes Produkt.“ Ein bisschen teurer sei diese Variante, dafür komme aber nur ungestreckter, ungefärbter Wasabi ins Glas. Damit habe der Imker schon viele „Nichthonigesser“ bekehrt.

Auf der anderen Seite der Halle hat sich zum siebten Mal die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis als Repräsentant aller Stationen des Landes NRW aufgebaut. Blickfang: die Obstsortenausstellung. „In diesem Jahr haben wir 224 Sorten mitgebracht, vier Birnen, der Rest sind Äpfel“, berichtet Barbara Bouillon, stellvertretende Geschäftsführerin der Station. Zu den Aufgaben der Station gehöre es, alte Obstsorten zu identifizieren und nachzuzüchten. Allerdings stammte 2018 nicht alles aus dem Rhein-Sieg-Kreis. „Wie viele andere hatten wir Spätfrost. Viele Bäume haben einfach nicht getragen“, erklärte Bouillon. Ergänzt wurde die Ausstellung mit westfälischen Sorten sowie Äpfeln aus Pillnitz und Nürnberg.

Einige speziell einheimische Sorten hatten die Obstkundler aber trotzdem im Gepäck, darunter der Nimmermür (der nie mürbe werdende), die Ölligsbirne und Süßäpfel, die früher zum Krautkochen verwendet wurden. Auf der Show-Bühne in der Mitte der Halle luden Bouillon und ihre Kolleginnen die Besucher zum Probieren der seltenen Sorten ein. Wegen ihrer geringen Stückzahl ist das sonst nicht möglich. Bei Verkoster Eberhard Rudolf aus Herford weckte die ursprünglich aus Kanada stammenden Apfelsorte Ontario Kindheitserinnerungen. Früher habe sie bei seiner Familie im Garten gestanden. „Sehr haltbar, haben wir immer gesagt“, erinnerte sich der Rentner.

Um Bäume ging es auch nebenan bei „Wald in NRW“. Über das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft, das unter anderem für Bonn und Umgebung zuständig ist, wusste Forstassessorin Julia Böning bestens Bescheid. „Das Gebiet umfasst rund 61 000 Hektar Wald. Das entspricht 0,03 Hektar pro Einwohner, was recht wenig ist“, so Böning. Jährlich würden circa 550 000 Kubikmeter Holz hinzuwachsen, von denen allerdings nur 170 000 Kubikmeter geerntet würden.

Klassische Forstwirtschaft sei in solchen Ballungsräumen nicht möglich. Dank Reitwegen, Mountainbikern und Joggern sei im Kottenforst stets „mächtig was los“, meinte Böning.

„Die Menschen mögen es nicht so sehr, wenn der Förster die Kettensäge anwirft.“ Dabei sei es nötig, dem Wald ab und zu Bäume zu entnehmen. Zu dicht aneinander wachsende Bäume entwickelten nur ein schwaches Wurzelwerk. Sturmtiefs wie zuletzt „Friederike“ hätten sie dann nichts entgegen zu setzen.

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