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Jahresbericht: Türkei wendet sich von Kölnmesse ab

Jahresbericht : Türkei wendet sich von Kölnmesse ab

Die Besucher- und Ausstellerzahlen aus einigen Ländern sind in Köln rückläufig. Das trübt die Stimmung der Geschäftsführung der Kölnmesse allerdings nicht. Sie erwartet einen neuen Umsatzrekord für 2017.

Die derzeitige internationale politische Lage bekommt auch die Kölnmesse zu spüren. Die Zurückhaltung mancher Länder wird deutlicher. Unter anderem kommen weniger Besucher und Aussteller aus der Türkei, hieß es bei der Vorlage des Geschäftsberichts am Donnerstag in Köln. Aber auch die Zahlen aus Russland gingen zurück. „Wir merken das besonders an der Ernährungsindustrie“, erklärte Geschäftsführerin der Kölnmesse Katharina Hamma. Beispielsweise bei der Süßwarenmesse ISM liege der Rückgang aus der Türkei bei 15 Prozent. Nicht betroffen sei die Ernährungsmesse Anuga: „Da ist die Nachfrage einfach zu groß. Und die Aussteller wissen, dass sie ihren Platz gleich für mehrere Jahre verlieren, wenn sie absagen.“

Noch nicht abschätzbar seien zum jetzigen Zeitpunkt die Folgen des Brexits. Die Besucherzahlen aus Großbritannien seien bereits zurückgegangen. Auch auf der Seite der Aussteller gebe es erste Verluste. Hamma führt das auf die „mangelnde Bewilligung von Fördergeldern der britischen Regierung“ zurück.

Vorsitzender der Geschäftsführung Gerald Böse: Umsatz über der Planung

Die Stimmung der Geschäftsführung können diese Zahlen allerdings nicht trüben. Die Kölnmesse ist mit dem letzten Jahr mehr als zufrieden: Die Bankkredite sind alle getilgt, die Verluste wesentlich geringer als erwartet und die aktuellen Zahlen versprechen Wachstum für die nächsten Jahre. „2016 haben unsere Umsätze erneut unsere eigenen Prognosen deutlich übertroffen“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung Gerald Böse.

Lange habe es so ausgesehen, als müsse die Kölnmesse – wenn auch vorläufig letztmals, wie es heißt – einen zweistelligen Verlust verkünden. Doch letztendlich lag der Umsatz von 274 Millionen Euro rund 17 Millionen über der Planung. Der Verlust liegt nur noch bei 0,9 Millionen Euro. Der Umsatz ein Jahr zuvor war mit 321 Millionen Euro zwar höher, allerdings sind tatsächlich auch nur die Jahre mit den gleichen Veranstaltungen vergleichbar – das heißt gerade Jahre und ungerade Jahre unterscheiden sich stark. Verglichen mit dem letzten geraden Jahr 2014, war der Umsatz 2016 deutlich höher.

Für das kommende Jahr zeichne sich bereits jetzt ein neuer Umsatzrekord ab, der mit fast 330 Millionen Euro das Jahr 2015 noch toppen soll. Besonders gut laufe zunehmend auch das Geschäft mit Veranstaltungen im Ausland.

Eine Herausforderung werde auch künftig die Welt-Sicherheitslage sein, die höhere Investitionen fordert. „Mehr als eine Million Euro haben wir im vergangenen Jahr in das Sicherheitskonzept investiert“, erklärte Böse. Das werde in diesem Jahr ähnlich sein. Mehr Kontrollen führen natürlich auch zu längeren Wartezeiten, die die Gäste aber positiv bewerteten und akzeptierten, so Hamma.

Highlight des Jahres: Die Gamescom steht vor der Tür

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 2,3 Millionen Besucher zu Kölner Messen. 35 500 Unternehmen aus 102 Ländern waren vor Ort. Die Digitalmessen wie die Gamescom, die Ende August wieder ihre Türen öffnet, wachsen rasant.Weil die Innovationszyklen im digitalen Bereich immer kürzer würden, wird auch die Photokina, die Messe für Fotografie, künftig jährlich statt in einem Turnus von zwei Jahren stattfinden.

Zum zweiten Mal findet in diesem Jahr die Veganfach im Herbst statt, die einzige Messe in Deutschland, die sich auf vegane Produkte spezialisiert hat. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr sei bisher die Dental-Schau IDS gewesen: „Was dem Spieler die Gamescom ist, ist den Zahnärzten mittlerweile die IDS“, fasst es Hamma zusammen. Sie sei mit zwölf Prozent mehr Besuchern, insgesamt 155.000, ein voller Erfolg gewesen.

Dennoch zum Größenvergleich: Zur Gamescom kommen jedes Jahr etwa doppelt so viele. Bei steigenden Besucherzahlen gibt es allerdings ein Problem, das in den kommenden Jahren noch auf der Agenda der Stadt und der Messe steht: Köln braucht mehr Hotelbetten. Die Geschäftsführung schätzt den Bedarf im hochpreisigeren Segment auf etwa 3000 Betten.