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Umsatz: Weniger Passagiere, mehr Fracht am Flughafen Köln/Bonn

Umsatzplus in 2021 : Weniger Passagiere, mehr Fracht am Flughafen Köln/Bonn

Der Flughafen Köln/Bonn steigert den Gütertransport um 15 Prozent in diesem Jahr. Der Grund für den starken Wachstum hat vor allem mit einer Begebenheit zu tun. Eine Studie gibt aber weitere Details zu den beiden großen NRW-Flughäfen bekannt.

Die Flughäfen weltweit zählen zu den Leidtragenden der Corona-Krise. Auch der Flughafen Köln/Bonn musste von seinen Gesellschaftern finanziell unterstützt werden. Dass er bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen ist, hängt mit seiner Bedeutung als Frachtflughafen zusammen.  Am Güterumschlag gemessen, gehört er zu den zehn größten Europas. So unterhält das US-Unternehmen United Parcel Service (UPS) in der Wahner Heide seinen europäischen Knotenpunkt, der US-Wettbewerber Fedex ist ebenfalls vertreten. DHL, drittgrößter Expresslogistiker am Standort, hat sein Drehkreuz zwar inzwischen in Leipzig, unterstützt aber auch noch wirtschaftlich die Ergebnisse des Flughafens.

Wie dessen Chef Johan Vanneste am Freitag in einer Videokonferenz mitteilte, kann DHL in diesem Jahr sogar seinen Umsatz am Airport verdoppeln. Die beiden anderen Wettbewerber haben demnach ein Umsatzwachstum wenigstens im zweistelligen Bereich. Das Frachtvolumen betrage schon jetzt 840.000 Tonnen, das entspreche dem Ergebnis vom vergangenen Jahr. Daher schätze man, dass das Gesamtjahresergebnis 15 Prozent besser als 2020 sein werde. Ursache für das starke Wachstum sei vor allem der Internethandel, so Vanneste.

Containerengpässe beflügeln Luftfrachtverkehr

Zusätzlich wird die Luftfracht aber getrieben durch die Engpässe bei Containern, die den Schiffstransport behindern. „Alles, was Fracht transportieren kann, fliegt jetzt“, berichtete Vanneste. Viele Passagiermaschinen würden umgebaut zu Frachtflugzeugen oder müssten mehr Güter an Bord nehmen. Das geschieht entweder auf den leer gebliebenen Passagiersitzen oder indem diese ganz entfernt werden.

Welche Bedeutung die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf als Güterumschlagplatz für den Wirtschaftsstandort Rheinland haben, zeigt eine Studie des Institute for Aviation and Tourism (IAT) in Frankfurt. Dessen Auftraggeber war der Verein Logistikregion Rheinland (siehe Infokasten). Über diese Flughäfen werden 900.000 Tonnen Luftfracht im Wert von jährlich rund 22 Milliarden Euro verschickt und empfangen, dort werden direkt in der Luftfracht über 7000 Menschen beschäftigt. Dass am Flughafen Düsseldorf das Frachtvolumen im Frühjahr während des ersten Corona-Lockdowns vollkommen zusammenbrach, hing mit der Tatsache zusammen, dass dort meistens keine Frachtmaschinen abheben und landen, sondern die Waren den Passagiermaschinen beigeladen werden.

Molkereiprodukte aus dem Rheinland nach Dubai

Wie Karl-Rudolf Rupprecht vom IAT als Autor der Studie erläuterte, sind rund 50 Prozent der Luftfracht sogenannte „Belly-Fracht“, das heißt eben, dass sie im Bauch der Passagierflugzeuge transportiert werden. Nach seinen Untersuchungen machen die Fluggesellschaften elf bis 16 Prozent ihres Umsatzes auf Langstrecken mit solchen Frachtbeiladungen.

Für seine Studie haben Rupprecht und sein Team nicht nur jede Menge Statistiken ausgewertet, sondern auch selbst in 40.000 Frachtbriefe geschaut. So treffen mit den Passagiermaschinen Datteln aus den Emiraten in Düsseldorf ein, die in die umgekehrte Richtung wiederum Molkereiprodukte aus dem Rheinland nach Dubai bringen. Auch Tropenfrüchte aus Südamerika finden als Beiladungen ihren Weg an den Rhein.

8000 Unternehmen im Rheinland hängen an den Dienstleistungen des Flughafens

Die Auswertung der Frachtbriefe belegt die globale Vernetzung der Wirtschaft. Die Chemie- und Pharmaindustrie im Rheinland bezieht ihre Vorprodukte aus dem Ausland und exportiert wiederum ihre Güter wie Medikamente und Gentests über den Luftweg in andere Länder. Ebenso werden Laptops, Smartphones und andere Verbraucherelektronik über die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf eingeflogen, während Sensoren, Displays und diverse Computerteile wiederum aus NRW exportiert werden.

Laut der Studie hängen rund 8000 Unternehmen im Rheinland sowie 8,7 Millionen Endkunden direkt an den Dienstleistungen des Flughafens. 50 Fluggesellschaften und rund 120 weitere Logistikunternehmen seien auf den Flughafen angewiesen. „Uns als Logistikregion ist es daher wichtig, dass die Flughäfen weiterhin eine Entwicklungsperspektive sowie Planungssicherheit für ihre Kapazität und ihre Betriebszeiten haben, um neue Airlines und neue Ziele auch für die Luftfracht zu erschließen“, sagte Markus Walke, Vorstandsvorsitzender der Logistikregion Rheinland.

Damit spielte er auf die Diskussion über Nachtflüge und den Lärmschutz an. Düsseldorfs Flughafenchef Thomas Schnalke wies darauf hin, dass sein Airport anders als Köln/Bonn keinen 24-Stunden-Betrieb habe. „Unsere planbaren Landungen müssen um 23 Uhr enden.“