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Unternehmen in Bonn und der Region:

Hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten : Unternehmen in Bonn und der Region sind weniger optimistisch

Die Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg sind weniger optimistisch. Die Industrie leidet unter hohen Energiepreisen und gestörten Lieferketten.

Für die Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg trüben sich die Geschäftsaussichten ein. 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte und nur 21 Prozent eine Verbesserung. Das geht aus der neuen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg hervor, die Präsident Stefan Hagen und Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille am Donnerstag vorstellten. Die aktuelle Geschäftslage bewerten die Unternehmer hingegen noch etwas positiver: Während 33 Prozent sie als gut bezeichnen, nennen 18 Prozent sie schlecht.

Gegenüber der Umfrage aus dem Februar sackte der Konjunkturklimaindikator von 108 auf 102 Punkte ab. Bei Werten über 100 Punkten gibt es mehr positive als negative Antworten. Die Eintrübung der Aussichten hat klare Ursachen: „Das größte Risiko sehen wir in der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise und in deren Verfügbarkeit“, sagte Hagen. Daneben würden von den Unternehmen der Fachkräftemangel und die steigenden Arbeitskosten genannt. Die hohen Inflationsraten würden sich schnell in höheren Lohnforderungen niederschlagen: „Dann haben wir eine Lohn-Preis-Spirale“, so der IHK-Präsident. Schon jetzt beobachte er, dass der Mindestlohn kaum noch eine Rolle spiele. Im Einzelhandel würden bereits Stundenlöhne von 14 Euro gezahlt, weit mehr als der Mindestlohn, der zum Oktober auf zwölf Euro steigen soll.

Die Unsicherheit über die Geschäftsaussichten führt zu einer verhaltenen Investitionsbereitschaft. Jedes dritte Unternehmen plant Einschnitte bei den Investitionen, nur 28 Prozent wollen sich hier stärker engagieren. Erfreulich ist die anhaltend gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Zwei Drittel der Unternehmen wollen ihren Personalbestand konstant halten. 18 Prozent wollen Personal einstellen.

Besonders das Geschäftsklima in der Industrie stürzte im Frühsommer von 123 auf 88 Punkte ab. „Die Kombination aus Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und die durch die Corona-Pandemie weiterhin gestörten Lieferketten belasten die Industrie stark“, sagte Hille. Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen nur 17 Prozent als gut. Noch deutlicher wird der Einbruch bei einem Blick auf die Erwartungen für die kommenden Monate. Der Optimismus des Jahresbeginns ist verflogen, und 35 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung der Geschäfte. Die negativen Erwartungen führen zu einem leichten Rückgang der Beschäftigung und zu Zurückhaltung bei den Investitionen.

Unternehmen in Bonn und der Region:
Foto: dp/GA/dpa/GA

Dienstleistungsbranche ist stabil

In der Dienstleistungsbranche hat sich hingegen der Konjunkturindikator leicht von 107,4 auf 109,2 Punkte verbessert. „Auslöser hierfür sind deutliche Aufhellungen bei den personenbezogenen Dienstleistern, die von den Lockerungen der Coronamaßnahmen profitieren,“ sagte Hille. Weiterhin expansiv sind die Beschäftigungsabsichten ausgerichtet. Für jedes zweite Unternehmen ist dabei der Fachkräftemangel eines der Hauptrisiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Ihre Geschäftslage bewerten die Einzelhändler positiv. 37 Prozent bezeichnen sie als gut und weitere 45 Prozent immerhin als befriedigend. Beim Blick auf die kommenden Monate rechnen allerdings 39 Prozent mit einer sich verschlechternden Geschäftslage. Die Gründe seien vielfältig, so Hille: Auf der einen Seite befürchten die Händler Rückgange der Inlandsnachfrage und der Konsumlaune.“ Auf der anderen Seite setzten ihnen steigende Einkaufspreise für Energie und Waren, Fachkräftemangel und die steigenden Arbeitskosten zu. Auch die Verkehrssituation in vielen Innenstädten und der Trend zum Onlinehandel wirken sich negativ aus. Aus der Bonner Innenstadt hätten Einzelhändler jüngst von einer zurückgegangenen Kundenfrequenz berichtet, sagte Hagen.

Informations- und Telekommunikationsbranche verunsichert

Die Geschäftslage in der Informations- und Telekommunikationsbranche hat sich kaum verändert, 42 Prozent bezeichnen ihre Situation als gut. Ein Blick auf die Erwartungen für die kommenden Monate zeigt ein anderes Bild. Durch den Krieg in der Ukraine sei die Verunsicherung zurückgekehrt. 28 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäfte. Der IHK-Geschäftsklimaindex im Verkehrsgewerbe geht leicht zurück, liegt mit 97 Punkten aber noch immer nahe an der 100-Punkte-Grenze. Damit zeigt sich die Branche stabil.