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VRS-Ticketpreise: Bus und Bahn in der Region könnten teurer werden

Nahverkehr in der Corona-Krise : Bus und Bahn in der Region könnten teurer werden

Die Verantwortlichen für den ÖPNV ringen mit den Corona-Folgen. Mit einer Kampagne sollen Kunden zurückgewonnen werden. Allerdings sind auch Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen.

Die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müssen mit höheren Ticketpreisen für Busse und Bahnen in der Region im kommenden Jahr rechnen. „Ich gehe von Preismaßnahmen für 2022 aus“, sagte Michael Vogel, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) mit Sitz in Köln, bei einem digitalen Pressegespräch am Dienstag. Vogel sprach von einem „Spannungsfeld“, in dem sich der ÖPNV durch die Corona-Krise bewege.

Einerseits gelte es, verlorene Kunden zurückzugewinnen, andererseits sei es „ein Stück weit solidarisch“, wenn sich auch die Nutzer daran beteiligten, die Verluste des ÖPNV aufzufangen, so der VRS-Geschäftsführer. Er gehe von „maßvollen Preisanpassungen“ aus. Das Entscheidungsgremium für mögliche Preiserhöhungen im VRS-Gebiet ist die Verbandsversammlung, die aus Vertretern der im VRS zusammengeschlossenen Städte und Kreise besteht, darunter die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis.

Corona-Studie der Charité: Ansteckungsrisiko im ÖPNV nicht erhöht

Hunderttausende Menschen im Homeoffice, viele geschlossene Geschäfte, ein nicht vorhandenes Freizeitleben sowie die Angst, sich in Bussen und Bahnen anzustecken: Die Corona-Pandemie hatte zu einem gravierenden Einbruch der Fahrgastzahlen geführt. „Durch Corona haben wir in voller Fahrt eine Notbremsung gemacht“, sagte Ulrich Jaeger, Vorsitzender der NRW-Landesgruppe des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Vorsitzender der Verkehrsbetriebe der Stadt Wuppertal.

Zugleich führte er eine Studie der Berliner Charité an. Sie besage, dass das Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen nicht höher sei als im privaten Pkw, so Jaeger. Doch obgleich die Corona-Situation derzeit verhältnismäßig entspannt ist, haben die ÖPNV-Nutzerzahlen in NRW noch nicht wieder die Vor-Corona-Zahlen erreicht. Laut Frederik Ley, Vorsitzender der Regionalleitung der Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio NRW, liegt die Auslastung derzeit bei 60 bis 65 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor Beginn der Pandemie.

Landesweite Kampagne #BesserWeiter soll Fahrgäste zurückholen

Doch wie können nicht nur verlorene Fahrgäste zurückgeholt, sondern auch neue Kunden gewonnen werden? Mit einer landesweiten Marketingkampagne unter dem Motto #BesserWeiter soll das gelingen. So gibt es unter anderem die Aktion, dass Besitzer von Abo-Tickets in den Sommerferien über ihren eigentlichen Ticketbereich hinaus Busse und Bahnen in ganz NRW nutzen können.

Ebenso haben die Verkehrsverbünde Ticketangebote entwickelt, die sich an Pendler richten, die verstärkt, aber nicht ausschließlich im Homeoffice arbeiten. Auch ist ein landesweiter elektronischer Tarif geplant, mit dem Menschen ohne Kenntnisse von Tickets und Tarifen losfahren können.

Des Weiteren setzen die Verantwortlichen in der Politik sowie die Verkehrsverbünde und die Verkehrsunternehmen darauf, mit milliardenschweren Investitionen in Gleise, Haltestellen oder Fahrzeuge die Attraktivität des ÖPNV zu steigern. Nach Angaben von Ley wird in NRW derzeit mehr Geld in die Schiene als in die Straße investiert.

Weiterer Corona-Rettungsschirm für den ÖPNV?

Eine moderne Verkehrspolitik sei der beste Klimaschutz, meinte Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. „Dazu gehört auch ein erfolgreicher ÖPNV“, sagte er weiter. Nach seiner Ansicht sollte die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen aber vorerst bestehen bleiben. „Das ist eine Kleinigkeit, die zumutbar ist“, meinte auch VDV-Mann Jaeger.

Offen ließ Wüst, ob es nach 2020 und 2021 auch im kommenden Jahr erneut finanzielle Hilfen von Bund und Ländern für den ÖPNV gibt. Darüber werde man im vierten Quartal des Jahres zu sprechen haben, so Wüst. „Die Bereitschaft, darüber zu sprechen, ist da.“

Wie berichtet, hatten die im VRS-Gebiet fahrenden Verkehrsunternehmen im Jahr 2020 Einnahmen in Höhe von rund 562,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Laut VRS bedeutet das ein Minus von fast 132 Millionen Euro oder fast 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.

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