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Warnstreik in Bonn: 80 Demonstranten vor Post Tower

Warnstreik von Postbeschäftigten : 80 Gewerkschafter demonstrieren vor Post Tower in Bonn

Rund 80 Gewerkschafter haben am Donnerstag vor dem Post Tower demonstriert. Sie wollen damit ihren Tarifforderungen Nachdruck verleihen und fordern eine Lohnerhöhung für die Mitarbeiter.

„Streik“ stand in großen Lettern auf dem gelben Transparent, das zwei Gewerkschafter am Donnerstag an der Spitze des Demonstrationszuges hielten, der sich um 13 Uhr von der Südbrücke kommend entlang des Rheinauen-Parks in Bewegung setzte. Aufgerufen zu dem Protest hatte die DPVKom, die die Interessen der Beschäftigten von Post, Postbank, Telekom und Call-Center vertritt. Mit einem Warnstreik wollte sie am Donnerstag ihren Tarifforderungen bei den Verhandlungen mit der Deutschen Post DHL Nachdruck verleihen, die Ende August begonnen haben.

Mit Mund-Nasen-Schutz versehen und auf den Sicherheitsabstand in Corona-Zeiten achtend zogen rund 80 Post-Beschäftigte auf der Ludwig-Erhard-Allee im strömenden Regen in Richtung Post Tower.  „Meine Arbeit ist mehr wert“ und „Du findest Du hast  mehr als den Corona-Sonderbonus von 300 Euro verdient?“ war auf Plakaten zu lesen. Das spielte darauf an, dass der Post-Vorstand im Juli allen Mitarbeitern einen Bonus von 300 Euro zugesagt hat, der als Anerkennung für die harte Arbeit während des Lockdowns im Frühjahr gezahlt werden soll.

Für die DPVKom reichen 300 Euro aber nicht. „Wir waren die ersten, die einen Corona-Bonus gefordert haben“, rief die DPVKom-Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus, als sich die kleine Gruppe gegenüber dem Post Tower versammelt hatte. Denn die Gewerkschaft hatte 1000 Euro für die körperlich anstrengende Arbeit in den Logistikzentren und bei der Zustellung der Pakete haben wollen. „Wenn es einer verdient hat, dann ihr“, rief sie den Gewerkschaftern zu, die aus Köln, Hagen, Essen und bis aus Magdeburg gekommen waren. Dahlhaus sagte: „Die Post ist Gewinner der Krise.“ Allein im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland erwartet sie in diesem Jahr einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von über 1,5 Milliarden Euro.

Tarifverhandlungen am 28. August

Parallel zur Demonstration hatte die DPVKom ganztätig in den Betriebsniederlassungen Bonn, Dortmund, Duisburg, Essen sowie Kiel zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Nach Angaben der DPVKom sollte das zur Folgen haben, dass mehrere Tausend Haushalte im Bereich der genannten Niederlassungen keine Briefe und Pakete erhalten würden.

Wie stark die Beschäftigten mitmachten, blieb unklar. Ein Pressesprecher des Postkonzerns sagte auf Anfrage: „Es gab wenige punktuelle Warnstreiks.“ Im Zustellungsgebiet der Niederlassung Bonn sei ihm nur der Fall von drei Zustellern in Hennef bekannt, die nicht zur Arbeit erschienen waren. Er ging davon aus, dass die Betroffenheit der Kunden auch in den anderen Gebieten nicht hoch gewesen sei. In Rendsburg, das zur Niederlassung Kiel gehört, waren es laut DPVKom-Sprecher Maik Brandenburger 20 Zusteller, die ihre Arbeit niederlegten.

Die Tarifverhandlungen für die Postbeschäftigten hatten am 28. August begonnen, regulär geführt werden sie von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die mitgliedermäßig stärker bei der Post vertreten ist. Die Fachgewerkschaft DPVKom nimmt für sich in Anspruch, schon seit 1890 zu existieren und sich stärker für die Belange der unteren Entgeltgruppen einzusetzen. Während Verdi ein Plus von 5,5 Prozent für die Beschäftigten fordert, will die DPVKom für die rund 140­000 Tarifbeschäftigten eine Entgelterhöhung von sechs Prozent und eine monatliche Mindesterhöhung von 140 Euro für untere Einkommensgruppen erreichen.

Wie viele Mitglieder die DPVKom bei der Post hat, verrät sie nicht. Dahlhaus, die seit Ende 2017 Vorsitzende der Gewerkschaft ist, sagte unserer Zeitung, man sei in den vergangenen Jahren stark an der Basis gewachsen. Die Gewerkschaft veranstalte in den Betrieben viele Aktionen, sie selbst gehe regelmäßig mit vor Ort. „Wir wollen mehr Mitspracherecht für die Zusteller durchsetzen“, erklärte die Vorsitzende. Verdi setzte die Tarifverhandlungen am Donnerstag und an diesem Freitag fort. Bisher hat die Post kein eigenes Angebot gemacht. Verdi will die geforderte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent für zwölf Monate erreichen. Außerdem sollen die Ausbildungsvergütungen für jedes Ausbildungsjahr um 90 Euro monatlich erhöht werden.

Verdi hatte die Mitglieder  im Juli zu einer angemessenen Tariferhöhung befragt, mehr als 40­000 Mitglieder hatten sich beteiligt. Die Befragung habe gezeigt, dass die Mitglieder eine deutliche und nachhaltige Tariferhöhung erwarteten, erklärte damals die Verhandlungsführerin Andrea Kocsis.

Kommt es zu einer Einigung, wird sie auf alle Post-Beschäftigten angewandt, unabhängig von ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit. Reicht der DPVKom der Abschluss nicht, kann sie ihre Unterschrift verweigern.

Zum Abschluss ihrer Kundgebung ließen die Gewerkschafter gasgefüllte Luftballons am Post Tower hochsteigen. An sie gebunden waren Karten mit Unterschriften der Mitglieder, die die Corona-Leistungszulage gefordert hatten.