Einigung mit Verdi Was beinhaltet der neue Tarifvertrag für die Telekom?

Bonn · Die Tarifbeschäftigten der Deutschen Telekom erhalten ab dem 1. Oktober sechs Prozent mehr Lohn. Doch die Tarifeinigung enthält eine Fülle weiterer Details.

Auch in Bonn hatte es in den vergangenen Wochen Warnstreiks und Kundgebungen von Verdi gegeben.

Auch in Bonn hatte es in den vergangenen Wochen Warnstreiks und Kundgebungen von Verdi gegeben.

Foto: Benjamin Westhoff

Nach fünftägigen Verhandlungen in der verlängerten vierten Verhandlungsrunde für die Deutsche Telekom haben die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgebervertreter am Freitag in Potsdam ein Tarifergebnis für 58.000 Telekom-Mitarbeitende erzielt. In der Nacht zum Freitag hätten die Verhandlungen kurz vor dem Scheitern gestanden, bevor doch noch eine Einigung erzielt worden sei, hieß es bei Verdi. Die Einigung sieht neben Entgeltsteigerungen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2026 und die Einbeziehung weiterer Gesellschaften der Deutschen Telekom in den Abschluss vor.

Kündigungsschutz auch für DT IT GmbH

„Das ist ein hart erkämpftes, sehr gutes Tarifergebnis, mit dem wir vor allem unser Ziel deutlicher dauerhafter und nachhaltiger Entgeltsteigerungen erreichen konnten. Ohne den großen Einsatz der Beschäftigten bei den Warnstreiks und Aktionen der vergangenen Wochen wäre das so nicht möglich gewesen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Frank Sauerland. Er hob hervor, dass es gelungen sei, den Kündigungsschutz wieder auf die DT IT GmbH, wo er bereits ausgelaufen war, zu erweitern. Dort steht ein Stellenabbau an.

Für die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten seien Entgeltsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich durchgesetzt worden, so Sauerland. Dabei liege die Spannweite zwischen 13,6 Prozent in der untersten Gehaltsgruppe und 8,3 Prozent in der obersten. Zudem werde es für Auszubildende und dual Studierende eine überproportionale Erhöhung der Vergütungen geben. „Das stärkt die Position der Deutschen Telekom im Wettbewerb um die Fachkräfte der Zukunft, und das begrüßen wir ausdrücklich“, sagte Sauerland.

Laufzeit ist 24 Monate

Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 24 Monate bis zum 31. März 2026 betragen. Verdi wollte ursprünglich nur zwölf Monate, die Arbeitgeber 27 Monate. Die Tarifbeschäftigten erhalten im Juli eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1550 Euro. Zum 1. Oktober werden ihre Entgelte um sechs Prozent erhöht und zum 1. August 2025 erhalten sie ein weiteres Lohnplus von 190 Euro monatlich. Verdi hatte usprünglich zwölf Prozent oder mindestens 400 Euro mehr gefordert.

Auszubildende und dual Studierende bekommen im Juli eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 775 Euro. Zum 1. Oktober werden ihre Vergütungen um 95 Euro pro Monat erhöht, und zum 1. August 2025 erfolgt eine Erhöhung von sechs Prozent. Zudem wird für dual Studierende, deren Studienordnung mehr als sechs Semester vorschreibt, eine neue Vergütungsstufe für das vierte Studienjahr eingeführt, und zwar in Höhe von 1450 Euro monatlich.

Positiv sei zudem, so Sauerland, dass es gelungen sei, die DT Privatkunden-Vertrieb GmbH (PVG) sowie die DT Service Europe mit zusammen rund 4500 Beschäftigten in diese Tarifrunde mit einzubeziehen. Für T-Systems wurde nicht mitabgeschlossen. Verdi will nun eine Mitgliederbefragung über das Tarifergebnis durchführen. Am 7. Juni entscheidet die Tarifkommission auf dieser Basis über die Annahme oder Ablehnung.

Bohle: Schmerzhaftes Ergebnis

„Wir haben in der vergangenen Nacht nach sehr hartem Ringen mit dem höchsten Verhandlungsergebnis der Unternehmensgeschichte für unsere Mitarbeitenden eine Einigung erzielt“, sagte Telekom-Personalvorständin Birgit Bohle. „Das Ergebnis ist schmerzhaft, aber wir haben uns dazu durchgerungen, um Dauerstreiks auf dem Rücken unserer Kunden zu verhindern.“

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