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Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz: Weltweit wichtige Forschungseinrichtung in Sankt Augustin eröffnet

Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz : Weltweit wichtige Forschungseinrichtung in Sankt Augustin eröffnet

Künstliche Intelligenz wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Das Lamarr-Institut forscht zu diesem Thema und will dafür sorgen, dass auch ethische Fragen geklärt werden. Unter anderem NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eröffnete das Forschungszentrum am Donnerstag in Sankt Augustin.

Es reicht ein leichter Knopfdruck und schon ertönt ein quietschendes Geräusch. Etwas steif stampft ein kleiner weißer Roboter mit langsamen Schritten los. Die Kamera, die in seinem Kopf eingebaut ist, lässt ihn wie einen Zyklop aussehen. Menschlich sieht das eher nicht aus, obwohl es sich um einen sogenannten humanoiden Roboter handelt. Nach einigen Sekunden hat er es bis zum Fußball geschafft und bugsiert ihn ins Tor.

Denn der Roboter ist Teil des Fußballteams „NimbRo“ der Universität Bonn, das schon Weltmeistertitel in der „RoboCup Humanoid-Liga“ gewonnen hat. Den Roboter haben Forschende bei der Eröffnung des „Lamarr-Institutes für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz“ vorgestellt. Doch das Forschungsinstitut existiert nicht nur für ein bisschen kuriosen Fußball-Spaß. Ganz im Gegenteil: „Es ist ein Spitzenforschungsinstitut“, erklärte Stefan Wrobel, einer der Leiter der Forschungseinrichtung.

Mehr als 20 leitende Professoren und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen in dem Zentrum in Sankt Augustin zu Fragen rund um die Künstliche Intelligenz (KI). Denn auch wenn ein fußballspielender Roboter im ersten Moment vor allem lustig aussieht, kann er wichtige Erkenntnisse für die Nutzung von KI bringen. So könnten humanoide Roboter in Zukunft beispielsweise in der Pflege eingesetzt werden. Neben dem Standort in Sankt Augustin ist das Forschungszentrum in Dortmund und Bonn vertreten. Mit beteiligt an dem Institut ist die Technische Universität Dortmund, die Universität Bonn sowie das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in Sankt Augustin und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund.

„Forschung ist unsere erste Säule. Wir wollen aber nicht nur Papier schwärzen. Wir wollen dafür sorgen, dass wir Wert für die Gesellschaft und für die Wirtschaft erzeugen“, sagte Wrobel. So präsentierten die Forschenden beispielsweise einen Roboter, der unter anderem Kisten tragen und wegräumen kann und somit in der Logistikbranche von großem Nutzen ist. Dem Institut komme es nicht nur auf die Forschung, sondern auch auf die Wirkung Künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft an, weshalb es ethische Prinzipien festgelegt habe.

Gegenüber dem GA sagte Wrobel, dass das Forschungszentrum auch für Bonn und die Region von Bedeutung sei: „Wirtschaftsunternehmen profitieren davon. Und Talente aus der Region haben die Möglichkeit, hier zu arbeiten.“ Das Lamarr-Institut ziele aber vor allem darauf ab, Deutschland im internationalen Wettbewerb voranzubringen. „Wir müssen auch die jungen Leute aus Hongkong oder aus dem Silicon Valley hier hinbekommen“, findet Wrobel.

Die Forschung hat bereits 2018 in dem als Projekt geförderten „Kompetenzzentrum Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr“ (ML2R) begonnen. Seit diesem Jahr ist das Projekt zum Institut geworden, das nun langfristig durch den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird. „Das Lamarr-Institut nimmt eine Schlüsselrolle in der bundesweiten KI-Strategie ein und hat eine europaweite und weltweite Ausstrahlung“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der ebenfalls bei der Eröffnung anwesend war. Ziel sei es, Vertrauenswürdigkeit zu prägen und ressourcenschonend zu arbeiten.