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Fahrradkurierdienste bei DHL: Wendig und sauber mit dem E-Bike

Fahrradkurierdienste bei DHL : Wendig und sauber mit dem E-Bike

DHL Express baut die Fahrradkurierdienste aus. Täglich werden rund 700 Sendungen ausgeliefert. Durch Klimaschutz und Onlinehandel gerät das Unternehmen unter Druck.

Für den Termin hatte sich der Chef persönlich aufs Rad geschwungen: In bequemer schwarz-gelber Radlermontur und mit Fahrradhelm präsentierte am Dienstag DHL- Express-Vorstand Wolfgang Albeck vor dem Posttower eines der neuen E-Lastenräder, mit denen das Unternehmen künftig auch in Bonn und Köln vor allem Geschäftskunden mit Briefen und kleineren Postsendungen beliefern will.

DHL Express reagiert mit dem Ausbau der Kurierdienste per Fahrrad auf eine doppelte Herausforderung: auf die wachsende Konkurrenz durch Kurierdienste und kleinere Paketdienstleister, die in Ballungsgebieten innerhalb eines Tages ausliefern, und auf die Anforderungen des Klimaschutzes. So hat sich die Deutsche Post DHL Group zum Ziel gesetzt, den CO²-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotte bis 2020 weltweit um 30 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2007 zu senken.

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen: Die Pilotphase begann 2014, die ersten Lastenfahrräder waren in Berlin, Frankfurt, Darmstadt und Dreieich unterwegs. Mit der Ausdehnung auf Bonn und Köln betreibt DHL Express nun insgesamt 16 Kurierfahrräder, die täglich rund 700 Sendungen ausliefern. „Das ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll“, erklärte Albeck. Denn: „Wir werden in den nächsten Jahren große Veränderungen in den Citystandorten beim Fahrzeugverkehr bekommen.“ Wie die Diskussion um die „Blaue Plakette“ zeigt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alte Dieselfahrzeuge von den Straßen der Innenstädte verbannt werden. Aber auch in anderen Teilen der Welt erproben Großstädte Maßnahmen, den Verkehr herkömmlich betriebener Autos wegen der Schadstoff- und Lärmbelastung in ihren Zentren zu reduzieren. Deshalb müssen etwa Brief- und Paketzusteller ihre Transportmittel entsprechend modernisieren.

So rüstet der DHL-Konzern seine rund 92.000 Pkw, Lkw und Transporter, die rund um den Globus zum Einsatz kommen, schrittweise auf alternative Kraftstoffe wie Biogas, Bioethanol und Elektroantrieb um. Zur Drosselung des Energieverbrauchs kommen zudem Telematiksysteme zum Einsatz, die die Fahrer vor Verkehrsstaus warnen und auf freie Strecken umleiten. Laut DHL wurden inzwischen rund 13 500 Fahrzeuge modernisiert, um die Klimabilanz zu verbessern. Kunden können bei DHL Express außerdem die Leistung „GoGreen“ hinzubuchen – das kostet zwei Prozent des Sendungspreises –, und damit einen klimaneutralen Versand sicherstellen.

Druck von der Konkurrenz

Doch der Klimaschutz ist nur die eine Seite des neuen Fahrraddienstangebots. Die andere ist, dass die Kunden zunehmend erwarten, dass die Ware noch am Bestelltag ausgeliefert wird. „Wir wollen den 'Same Day Service' massiv ausbauen“, heißt es bei DHL Express. Das Gros der Lieferungen wird derzeit noch am Vortag bestellt, die Auslieferung erfolgt wahlweise vor 9, 10 oder 12 Uhr. Der Druck kommt von der Konkurrenz, die kleiner und wendiger ist. Ein Beispiel ist Liefery, ein kleines Startup, das aber rasant wächst. In rund 70 deutschen Städten beliefert die Firma ihre Kunden mit dem Versprechen, innerhalb von 90 Minuten oder zu einer Wunschuhrzeit das bestellte Produkt an die Tür zu bringen. Liefery arbeitet inzwischen auch im Auftrag von Amazon, dem Weltmarktführer im Onlinehandel, der ein wichtiger Kunde von DHL ist. Um die taggleiche Auslieferung noch zu verbessern, hat Amazon im Zentrum von Berlin jetzt ein eigenes Lager eingerichtet, von dem aus die Ware innerhalb von einer Stunde an die Frau oder den Mann gebracht werden soll.

In Bonn rund um den Posttower mit seinen vielen Büros und in der Kölner Innenstadt will DHL Express mit den neuen Lastenrädern in erster Linie Geschäftskunden beliefern – Banken, Rechtsanwälte, Optiker und Gewerbetreibende, die kurzfristig irgendwelche Kleinteile benötigen. Dafür hat man sich ein spezielles Modell anfertigen lassen, der Produzent kommt aus Dänemark. Es handelt sich um Pedelecs, in Alu-Leichtbauweise, die bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern von einem Elektromotor unterstützt werden. Daher dürfen sie auch auf normalen Fahrradwegen benutzt werden.

„Glücklicherweise ist Bonn flach“

Die beiden Aluboxen vor und hinter dem Fahrer haben ein Fassungsvermögen von jeweils 170 Litern. Wichtig ist, dass sie durch ein Sicherheitsschloss verriegelt sind, das auch einschnappt, ohne dass der Lieferbote abschließen muss. So sollen sensible Dokumente auf jeden Fall vor Diebstahl geschützt werden, während der Auslieferer einem Kunden seine Sendung übergibt.

Dass die Lastenräder elektrische Unterstützung erhalten, ist für das Unternehmen auch ein Tribut an das Personal, das die Drahtesel reiten soll. „Wir können unseren Mitarbeitern in Städten mit vielen Steigungen wie Stuttgart nicht zumuten, ständig rauf- und runterzufahren“, sagte Pressesprecher Dieter Pietruck.

Vorstandschef Albeck muss keine Berge nehmen an diesem Tag: „Glücklicherweise ist Bonn hier am Rhein flach“, erklärt er und dreht noch eine Runde für die Fotografen.