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Ausbildungsmarkt in der Region: Weniger Bewerber und weniger Lehrstellen in Bonn und Rhein-Sieg

Ausbildungsmarkt in der Region : Weniger Bewerber und weniger Lehrstellen in Bonn und Rhein-Sieg

In der Region Bonn/Rhein-Sieg ist die Lage am Ausbildungsmarkt schwierig. Weniger Bewerbern stehen in der Pandemie weniger Lehrstellen gegenüber. Bei den Friseuren gibt es einen Einbruch. Die Industrie bietet mehr Verträge an.

Junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, ist in der Corona-Pandemie noch schwieriger geworden als zuvor. Auch etliche Betriebe in der Region Bonn/Rhein-Sieg halten sich zurück, so dass deutlich weniger Lehrverträge unterzeichnet wurden.

Bei der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg meldeten sich im Berufsberatungsjahr, das am 30. September endete, 4752 Bewerber mit der Bitte um Unterstützung. Das waren 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 ist es sogar ein Rückgang um 15,7 Prozent. Ähnlich der Trend bei den Lehrstellen: Die Betriebe der Region boten 4607 Ausbildungsstellen über die Arbeitsagentur an. Das sind 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr, gegenüber 2019 war es ein Rückgang um 15,8 Prozent.

Viele bleiben länger in der Schule

Stefan Krause, Leiter der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, führt den Rückgang der Bewerber auf den Pandemie-bedingten Ausfall von Beratungsterminen an Schulen und Berufsorientierungsmessen zurück. Er sieht trotz der rückläufigen Zahlen eine positive Zwischenbilanz. „Die Befürchtungen, es gäbe durch die Pandemie verlorene Ausbildungsjahre für die Jugendlichen, haben sich zum Glück nicht bestätigt.“ Die Betriebe hätten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Angebote gemacht, viele Jugendliche suchten auch nach wie vor in der dualen Ausbildung ihren Start ins Berufsleben. Der Trend aber bleibe: „Viele Jugendliche streben einen höheren Schulabschluss an oder beginnen nach dem Abitur ein Studium.“

Der Anteil der Schulabgänger mit Abitur steigt in der Region seit Jahren an. 2020 haben 53,1  Prozent die Schule mit der Berechtigung zum Hochschulzugang verlassen – das ist auch auf Bundesebene ein Spitzenwert.

275 unversorgte Bewerber

Die Bilanz am Ende des Beratungsjahres zeigt, dass auf 275 unversorgte Bewerber noch 204 offene Stellen in der Region kommen. Zum Vorjahr stieg die Anzahl der unversorgten Bewerber um 9,1 Prozent, dagegen sank die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen um 60,7 Prozent. „Auch, wenn die Zahlen von unversorgten Bewerbern und offenen Stellen natürlich nie eins zu eins aufgehen, bietet sich für die Betriebe jetzt noch die Chance, ihre offenen Ausbildungsstellen zu besetzen“, sagt Stefan Krause. Die Wirtschaftsbranchen schneiden bei der Ausbildungsplatzfrage sehr unterschiedlich ab. Oliver Krämer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg, ist durchaus zufrieden: „Wir freuen uns über 1381 neue Ausbildungsverträge im Handwerk.“ Das ist ein Rückgang um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr, wo es sogar in der Region zu einem Plus an Ausbildungsverträgen gekommen war. Bei den Kfz-Berufen war die Zahl der Verträge mit 251 etwa so hoch wie im Vorjahr. 79 neue Tischler-Azubis gibt es in der Region, neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Weniger Kaufleute

Bei den Friseuren, die unter dem Lockdown stark litten, kam es bei den neuen Lehrstellen zu einem Einbruch um 40 Prozent auf lediglich 78 neue Lehrstellen. Auch bei den Berufen der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg war die Lage höchst unterschiedlich. Die IHK verzeichnete zum 30. September  2418 neue Ausbildungsverträge. Das sind 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Industrie ist in diesem Jahr ein Stabilisator des Ausbildungsmarkts“, sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Im gewerblich-technischen Bereich wurden 691 Verträge registriert. Das 9,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen schlägt der kaufmännische und Dienstleistungsbereich mit einem Minus zu Buche. Hier wurden 1706 neue Verträge registriert. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Dornröschenschlaf“

Die Corona-Pandemie habe den Ausbildungsmarkt in einen Dornröschenschlaf versetzt, so Hindenberg. Dies habe ausbildungsstarke Branchen wie zum Beispiel das Hotel-und Gaststätten-Gewerbe, den Handel sowie die Bereiche Tourismus, Kultur und Veranstaltungen betroffen.

„Trotz Pandemie waren wir für Ausbildungsinteressierte erreichbar“, sagte Ralf Steinhauer, Leiter der Berufsberatung. Es seien verstärkt digitale Möglichkeiten genutzt worden, mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu kommen. Nach den Schulferien würden viele Beratungsformate an Schulen nachgeholt. „Das stimmt hoffnungsvoll für das vor uns liegende Ausbildungsjahr“, so Steinhauer.

 Die Akteure am Ausbildungsmarkt beschreiten mittlerweile auch ungewöhnliche Wege. So hat die Berufsberatung der Arbeitsagentur im Oktober im Huma-Einkaufszentrum in Sankt Augustin einen Pop-up-Store eröffnet und rund um die Berufswahl beraten. 100 Interessenten haben das Angebot angenommen.