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Kontrollen am Flughafen Köln/Bonn: Wenn der Zoll zuschlägt

Kontrollen am Flughafen Köln/Bonn : Wenn der Zoll zuschlägt

Zigaretten sind ein Dauerthema, aber auch Korallen finden Zollbeamte am Flughafen Köln/Bonn immer häufiger in den Koffern der Reisenden. In den Ferien ist für den Zoll Hauptsaison. Dabei sind einige Flieger auf dem Flugplan besonders interessant.

Das Paar ist sichtlich nervös. Ihre Gesichter sind angespannt, immer wieder treten sie von einem Fuß auf den anderen. Frisch gebräunt in kurzen Hosen stehen sie vor den Zollbeamten im Kontrollbereich am Flughafen Köln/Bonn und können nur hilflos zusehen, wie die beiden Zöllner eine Packung Zigaretten nach der anderen aus ihren Koffern ziehen. Sorgfältig türmt einer der Beamten die bunten Packungen neben dem Gepäck auf, während der andere mit blauen Handschuhen sorgsam weiter den Inhalt der Koffer durchsucht. „Wie lange waren sie denn auf Teneriffa?“, fragt einer der beiden. „Zehn Tage“, antwortet die Frau knapp. „Wars denn schön?“ Etwas Smalltalk soll die Situation entspannen.

Etwa eine Stunde vorher im Büro des Zolls in Terminal 1: „Wir gehen jetzt los, Basti“, ruft einer der Kollegen Sebastian Müllenbach zu. Der 31-Jährige arbeitet inklusive Ausbildung seit sieben Jahren beim Zoll. In wenigen Minuten landet die Maschine aus Teneriffa. Seine Kollegen wollen die Koffer der Passagiere vorröntgen. Das bedeutet, das Gepäck wird schon auf verdächtige Ware untersucht, bevor es auf das Gepäckband fällt, wo die Besitzer es später abholen. „Geöffnet werden dürfen die Koffer da allerdings noch nicht“, erklärt Pressesprecher Jens Ahland. Öffnen dürfen die Beamten das Gepäck nur im Beisein der Passagiere. Allerdings erhöht das Vorröntgen laut Zoll die Erfolgsquote.

Wenige Minuten später macht sich auch Müllenbach mit Funkgerät auf den Weg zur Kontrolle. Finden seine Kollegen beim Vorröntgen etwas auffälliges, geben sie es ihm per Funk durch und er kann gezielt Passagiere am Ausgang abgreifen. So ist es auch im Fall des Urlauberpärchens aus Teneriffa. Dass die erlaubte Menge an Zigaretten überschritten wird, ist ein Dauerbrenner für die Beamten.

Bei Reisen innerhalb der EU sind 800 Zigaretten erlaubt

Kontrolliert wird dann immer zu Zweit: Einer durchsucht das Gepäck. der andere überwacht die Situation – zum einen als Zeuge, dass der Passagier im Nachhinein nicht behaupten kann, dass etwas entwendet wurde, zum anderen aber auch damit einer im Fall von Handgreiflichkeiten eingreifen kann. Denn nicht immer bleiben die Passagiere ruhig. Für den Ernstfall tragen die Beamten, wie Polizisten, Dienstwaffen, die allerdings selten zum Einsatz kommen.

Auch das Pärchen wird zunehmend ungeduldiger: Sie fragen, was jetzt passiere. „Das erklären wir ihnen gleich.“ Wenige Minuten später steht fest: Die erlaubte Menge ist überschritten und sie müssen zahlen: 90 Euro Steuern und 90 Euro Strafe. 180 Euro für etwa 25 Päckchen zu viel. Innerhalb der EU dürfen insgesamt 800 Zigaretten eingeführt werden. Die Kanaren sind allerdings eine Ausnahme. Weil für Teneriffa und die anderen Inseln andere Verbrauchssteuern gelten, ist Tabak dort besonders günstig. Deshalb werden die Kanaren bei Einfuhren wie Nicht-EU-Länder behandelt, das heißt 200 Zigaretten pro Person sind erlaubt, etwa eine Stange. Das Paar beginnt zu diskutieren: Irgendwo haben sie gelesen, dass es zwei Stangen sind. Das passiere häufig, erklärt Pressesprecher Jens Ahland: „Die Leute lesen irgendwo irgendwas und am Ende stimmt es nicht.“ Am sichersten sei es, sich auf der Internetseite des Zolls zu informieren oder die App der Behörde „Zoll und Reise“ zu nutzen. Die App erklärt noch mal, was erlaubt ist und berechnet mögliche Abgaben.

Was viele auch nicht wissen: Aus Nicht-EU-Ländern dürfen grundsätzlich keine tierischen Produkte wie Fleisch und Käse eingeführt werden. Das habe etwas mit Tierkrankheiten zu tun, die eingeschleppt werden könnten, erklärt Ahland. Im Kontrollbereich steht deshalb hinter einem Vorhang eine große weiße Gefriertruhe. Der Inhalt, ein ganzer Berg bunter Plastiktüten mit Fleisch, Wurst, Käse aber auch Honig an Bienenwaben. „Mit den Waben könnten Seuchen auf unsere Bienen übertragen werden“, erklärt Ahland. Stichwort: Artenschutz.

"Selfiesticks sehen aus wie Schlagstöcke"

Dieser sei auch zunehmend ein Thema in Köln/Bonn seit es eine Direktverbindung nach Thailand gebe. „Wir finden immer häufiger Korallen in den Koffern“, so Müllenbach. Deren Einfuhr ist ebenfalls verboten – genauso wie Elfenbein, exotische Felle oder lebende und ausgestopfte Vögel.

Langsam laufen die Koffer auf dem Band durch das Röntgengerät. Auf einem Bildschirm sind verschiedene Formen und Farben erkennbar: Orange ist Kleidung, grün Glas, blau Metall. „Gold ist schwarz“, erklärt Müllenbach. Je dichter die Masse, desto dunkler wird sie auf dem Bildschirm dargestellt. „Selfiesticks sehen auf dem Bildschirm aus wie Schlagstöcke mit Aufsatz“, erklärt der junge Zöllner amüsiert. Entdeckt er etwas verdächtiges, gibt er den Kollegen Handzeichen. An diesem Sonntagnachmittag stehen etwa sechs Beamte am Ausgang. Seit der Sommerflugplan läuft, sind pro Schicht häufig mehr Mitarbeiter im Einsatz, weil auch der Flugverkehr zunimmt. Insgesamt sind für die Kontrollen der Reisenden rund 60 Zöllner im Einsatz. Deutlich mehr Mitarbeiter gibt es für den Bereich Fracht.

Das Röntgengerät ist am grünen Ausgang positioniert. Dort, wo eigentlich die Passagiere durchgehen, die nichts zu verzollen haben. Die Beamten greifen stichprobenartig Passagiere heraus.

Wenn sie dann die persönlichsten Dinge der Urlauber in Augenschein nehmen, fällt ihnen das meistens gar nicht mehr auf, wie Müllenbach erklärt: „Das merkt man irgendwann nicht mehr.“ Den Leuten sei das meist wesentlich unangenehmer. Vor allem Frauen. „Man sieht irgendwann nur noch Materie. Man sieht auch irgendwann, wo die Leute ihre Schmutzwäsche haben. Dort schaut man dann nicht rein.“ Das sei eher ein Fall fürs Röntgengerät.

Kein Fleisch aus der Türkei

Und wer wird eigentlich kontrolliert? Letztlich entscheidet das Bauchgefühl. „Man sieht den Menschen das Verbrechen nicht an“, sagt Müllenbach. Feste Vorgaben oder Muster gebe es nicht. Es gibt allerdings Flüge, die interessanter sind. So eben beispielsweise Flieger von den Kanaren wegen der strengeren Regeln innerhalb der EU. „Wir schließen aber keine Flüge aus“, fügt Ahland hinzu. Auch aus der Türkei werde viel mitgebracht: Zigaretten, Lebensmittel, Goldschmuck stünden dort als Mitbringsel hoch im Kurs. Da die Türkei nicht zur EU gehört, dürfen von dort auch keine tierischen Lebensmittel eingeführt werden. Das heißt: Serranoschinken aus Spanien ja, Käse aus der Türkei nein. Müllenbachs bisher spektakulärster Fall – allerdings am Frankfurt Flughafen: Goldschmuck im Wert von 100 000 Euro in Windeln eingewickelt. Eine Familie hatte das Edelmetall in ihren Koffern versteckt.

Und dann gibt es die Fälle, in denen Passagiere tatsächlich unwissentlich in unangenehme Situationen geraten. So wie eine 18-Jährige, die ihrem 14-jährigen Bruder von der Abireise nach Bulgarien einen Wurfstern mitbringen wollte – eine Waffe, die in Deutschland gesetzlich verboten ist. In solchen Fällen könne es zu einem Ermittlungsverfahren kommen, so Ahland.

180 Euro für Zigaretten fällt dann eher noch in die Kategorie Glück im Unglück. Das sehen die beiden Teneriffa-Urlauber allerdings anders. Auch nach mehreren Diskussionsversuchen zeigen sie sich nicht einsichtig. Der Mann wirft wütend die Zigaretten auf den Koffer. Ohne Verabschiedung rauschen sie ab. Direkt nebenan kontrollieren Müllenbachs Kollegen einen Spanier. Auch er hat zu viel Tabak im Gepäck. Er versteht wenig deutsch, notdürftig englisch, aber er regelt die Angelegenheit ruhig mit den Beamten, zahlt und reicht den Zöllnern zum Abschied sogar die Hand.