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Unternehmertag des Bonner Softwarehauses Scopevisio: Wenn Software die Eingangspost bearbeitet

Unternehmertag des Bonner Softwarehauses Scopevisio : Wenn Software die Eingangspost bearbeitet

Im digitalen Wandel kommen zahlreiche Geschäftsmodelle ins Wanken. Unternehmer diskutieren, wie sie sich dagegen wappnen können.

Der Name L & D GmbH ist vielen Bonner Arbeitnehmern ein Begriff. Das Cateringunternehmen versorgt 91 Betriebsrestaurants, darunter etliche in Bonner Ministerien und Unternehmenszentralen. Heute leitet der Enkel der Unternehmensgründer gemeinsam mit seinem Vater und einem weiteren Geschäftsführer die Firma, die früher Lohmeier und Deimel hieß. Philip Preuß setzt auf Cloud-Unternehmenssoftware, um den Kurs der L & D GmbH fortzuführen. Warum eine solche Software einem dezentral organisierten Unternehmen Vorteile bringt, darüber berichtete Preuß gestern auf dem Unternehmertag des Bonner Softwarehauses Scopevisio im Hotel Kameha.

Als Cloud Computing wird die Bereitstellung von IT-Leistungen wie Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Service über das Internet bezeichnet. Preuß sieht darin Vorteile für Aufgaben, an denen mehrere Abteilungen beteiligt sind. Das betreffe beispielsweise den Bestellprozess. „Daran sind sowohl die Mitarbeiter in den Betriebsrestaurants als auch in der Zentrale beteiligt“, erklärt Preuß. Bisher habe der Koch an die Zentrale den Lieferschein geschickt.

Zusammen mit der Rechnungskontrolle sei es ein zeitaufwendiges Verfahren gewesen, das jetzt durch die geeignete Software viel einfacher geworden sei. Das Gleiche gelte für Ausschreibungen. In den neuen Firmenzentrale in Grafschaft-Ringen gebe es weiterhin Server, auf denen sensible Unternehmensdaten liegen. Aber durch die Cloud-Software werde es einfacher, ein zusätzliches Betriebsrestaurant in die Organisation aufzunehmen. Auch in der Gastronomie gebe es immer schnellere Innovationszyklen, und die Essensvorlieben würden sich in kurzer Zeit abwechseln.

Viele Änderungen bei Geschäftsmodellen

„Unternehmen sparen mit Cloud-Computing Geld, da sie nur für das bezahlen, was sie auch tatsächlich nutzen“, sagte Michael Rosbach, Vorstand des Scopevisio. Es ließen sich jederzeit Leistungen jederzeit hinzukaufen und kündigen. Rosbach meinte, dass viele der rund 4500 Anbieter von klassischer Unternehmenssoftware die kommenden Jahre nicht überleben werden.

Strategieberater Karl-Heinz Land aus prognostizierte den rund 700 anwesenden Unternehmern viele abrupte Veränderungen in ihren Geschäftsmodellen: „Zum ersten Mal können Computer das tun, was bislang Menschen vorbehalten war.“ Das betreffe auch Rechtsanwälte und Steuerberater. Oder Sekretärinnen: Durch künstliche Intelligenz könne Software heute Eingangspost selbstständig bearbeiten und den richtigen Abteilungen zuordnen.

Neue Geschäftsmodellen hebelten etablierte Marken und Unternehmen aus. Davor sei niemand gefeit. AOL und Yahoo seien Pioniere des Internets gewesen, seien aber trotzdem in den letzten Jahren Opfer des Internets geworden. Er sieht einen Wandel zur „arbeitsfreien Gesellschaft“, in den die Themen Maschinensteuer und bedingungsloses Grundeinkommen in den nächsten Jahren ernsthaft diskutiert würden.

Als traditionelle Familienfirma hat sich die Orten-Gruppe aus Bernkastel-Kues früh dem Cloud-Computing geöffnet. „Es ist ein Kulturwandel, den man mit Digitalisierung einleitet“, beschrieb Geschäftsführer Friedhelm Justen bie Veränderungen beim Mittelständler, der auf Fahrzeugaufbauten spezialisiert ist. Während früher Mitarbeiter mit der Weitergabe von Daten an Kollegen eher zurückhaltend gewesen seien und sie eher als Herrschaftswissen betrachtet hätten, habe sich das durch die neue Software völlig verändert.

Airbnb als Vorreiter

„Ein Silodenken kann sich heute niemand mehr leisten“, sagte der Bonner Unternehmer Jörg Haas, Gründer der Scopevisio AG. Nur wenn alle Abteilungen miteinander kommunizierten, werde die digitale Transformation vorangetrieben. Haas forderte die Unternehmer auf, Digitalisierung zur Chefsache zu machen und es nicht als Aufgabe der IT-Abteilung zu begreifen. Airbnb sei erst 2008 gegründet worden. Heute sei die Internetplattform für die Buchung und Vermietung von Unterkünften, mit 30 Milliarden Euro an der Börse genauso viel wert wie die Hotelkette Marriott, die bereits 1927 gegründet wurde.

„Es geht heute darum, ihr eigenes Unternehmen neu zu erfinden“, sagte Haas. Wer es nicht schaffe, eine positive Einstellung zum Wandel durch Digitalisierung zu bekommen, werde schneller aus dem Rennen sein, als er sich das heute vorstellen könnte.