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Wetteronline: Bonner Unternehmen wird 25 Jahre

Wetterprognosen für 33 Länder : Das Bonner Unternehmen Wetteronline wird 25 Jahre alt

Es begann als Zwei-Mann-Büro im heimischen Wohnzimmer in Bonn. 25 Jahre später bezeichnet sich Wetteronline als „Europas Wetterdienstleister Nummer eins“.

„Ich hatte schon im Meteorologie-Studium die Idee, das Wetter einem breiteren Publikum zu öffnen“, erinnert sich Firmengründer und Geschäftsführer Joachim Klaßen zum Jubiläum. Es habe aber noch das richtige Medium gefehlt, um Aktualität und Interaktivität abzubilden. Erste Versuche startete er über den Bildschirmtext der Deutschen Telekom. Dann habe in immer mehr Haushalten ein Internetzugang Einzug gehalten. Ab 1997 hatte Wetteronline die erste Webseite. Wenig später seien das Regenradar und das Wetterradar („weil wir auch Wolken und Blitze zeigen wollten“) hinzu gekommen.

Finanzierung über Werbung

„Die Frage war damals, wie wir mit dem Angebot Geld verdienen könnten“, so Klaßen. Beim Bildschirmtext hätten Nutzer pro Aufruf 20 Pfennig gezahlt, bei Internetangeboten sei damals alles kostenlos gewesen. Deshalb habe es sich angeboten, Wetteronline über Werbung zu finanzieren. Ab dem Jahr 2000 habe Wetteronline auch bereits ein Wetterangebot für Smartphones gehabt.

Heute stößt das Angebot von Wetteronline auch international auf Interesse. Das Unternehmen ist neben Europa vor allem in Indien, Teilen Südamerikas und in den USA tätig. „Außerhalb von Deutschland sind wir in Polen am erfolgreichsten“, so Klaßen. Durch sein Wachstum hat das Unternehmen einen zweiten Standort in Bornheim nahe der Stadtgrenze zu Bonn errichtet. Der Firmensitz im Graurheindorfer Hafen blieb bestehen.

Ohne eigene Wetterstationen

Beim Start von Wetteronline 1996 rechnete Klaßen nicht mit einem so großen Erfolg: „Seit der ersten Stunde leisteten wir zwar Pionierarbeit im Wetter-Internet, an unsere heutige Marktposition hatte ich damals aber gar nicht gedacht.“

Wetteronline habe keine eigenen Wetterstationen, sondern nutze die Daten des Deutschen Wetterdienstes sowie Daten der europäischen und amerikanischen Pendants, erläutert Klaßen. Wetterstationen würden Daten nur punktuell erheben, Wetteronline brauche die Daten immer für ein ganzes Feld. Um bestmögliche Vorhersagen zu erstellen, hätten Meteorologen und IT-Experten ein hauseigenes Verfahren zur Analyse und Vorhersage permanent weiterentwickelt.

Künstliche Intelligenz im Einsatz

Künstliche Intelligenz spiele bei Wettervorhersagen eine immer größere Rolle, sagte Magdalena Aretz, die bei Wetteronline für Machine Learning zuständig ist. Gerade beim Ist-Zustand des Wetters werde bereits viel mit Künstlicher Intelligenz gearbeitet, in der Prognose sei man noch nicht soweit. Das Wetterradar funktioniere nur, weil die Beschäftigten von Wetteronline selbst rechneten und Prognosen erstellten. So werde beispielsweise ein großer Teil der Daten bei der Analyse des aktuellen Wetters („Wo regnet es gerade?“) mit künstlicher Intelligenz generiert. „Diese hilft uns, Muster zu erkennen, die sich wiederholen. Damit kommen wir immer näher an realistische Vorhersagen“, erklärt Klaßen.

Langzeitvorhersagen für das Wetter seien aber immer noch nicht möglich, sagt Verena Leyendecker, Meteorologin bei Wetteronline. Es sei überall viel in der Entwicklung, aber es funktioniere noch nicht. Auch Gewitter ließen sich immer noch sehr schwer prognostizieren. 

Verluste durch Corona

Über Wirtschaftskennzahlen spricht Klaßen nicht so gerne öffentlich. Nur so viel ließ er durchblicken: 2020 habe unter dem Strich ein Verlust gestanden, weil durch die Corona-Pandemie Werbeumsätze gesunken seien. Auch der Umsatz sei geringer als im Vorjahr gewesen. Im ersten Halbjahr 2021 sei es deutlich bergauf gegangen. Laut der im elektronischen Bundesanzeiger hinterlegten Bilanz hat Wetteronline 2019 ein Rohergebnis von 26,98 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 4,64 Millionen Euro erzielt. Beim Rohergebnis werden den Umsatzerlösen die Herstellungs- und Materialkosten und die sonstigen betrieblichen Erträge gegenübergestellt.

Klaßens Zukunftspläne ähneln immer noch denen der Anfangszeit, wie er sagt: „Es geht darum, das Wetter so darzustellen, wie es ist, aber auch so, dass der Nutzer es versteht.“ Das Wetter sei eine hochkomplexe Angelegenheit. „Wir wollen das Komplexe einfach machen“, so der Geschäftsführer.