Projekt im Rhein-Sieg-Kreis Windecker Unternehmer bekämpft Fachkräftemangel

Windeck-Schladern · Junge Leute hält es oft nicht auf dem Land, weshalb den Unternehmen dann der Nachwuchs fehlt. Abhilfe will ein Forschungsprojekt in Windeck im Rhein-Sieg-Kreis schaffen, das Hightech an die Sieg bringen will. Warum das Schule machen könnte.

Unternehmer Arndt Schäfer zeigt einen der Roboter, deren Bedienung junge Menschen hier üben können.

Unternehmer Arndt Schäfer zeigt einen der Roboter, deren Bedienung junge Menschen hier üben können.

Foto: Ulla Thiede

Am Anfang stand nur die Sicht auf ein Pro­blem: Wie halte ich junge Menschen in einer ländlichen Gemeinde? Win­deck im äußersten Osten des Rhein-Sieg-Kreises, 55 Kilometer von Bonn entfernt, knapp 20.000 Einwohner, die weit verstreut auf 67 Ortschaften leben und unter denen die Zahl der Hochaltrigen in den nächsten zehn Jahren stark wachsen wird. Und die jungen Menschen, so die Prognose, werden deutlich weniger sein.

Der Windecker Unternehmer Arndt Schäfer, der chemische Mischprodukte für die Automobilindustrie fertigt, wollte daran etwas ändern. Es entstand die Initiative „Landfabrik“, heute ist daraus ein Unternehmen in Form einer GmbH geworden, die sich unter anderem darum kümmert, Hightech im ländlichen Raum anzusiedeln. In der riesigen alten Fabrikhalle, auf knapp 9000 Quadratmetern, stehen in einem abgetrennten Bereich 14 blaue Industrieroboter, an denen schon zwölfjährige Schüler sich in der Bedienung üben können. „Robotik ist kein Hexenwerk“, sagt Torben Schäfer, der die Ausbildung an den Maschinen des japanischen Herstellers Yaskawa bundesweit leitet.

Von der Idee für die „Landfabrik“ bis hin zu den Yaskawa-Robotern in der Halle in Windeck-Schladern war es ein längerer Weg. 2018 veranstaltete der DLR-Projektträger, über den Bund, Länder und EU Innovationsvorhaben fördern, eine Konferenz, bei der auch Arndt Schäfer einen Vortrag hielt. Es ging darum, wie technologischer Wissenstransfer im ländlichen Raum gestaltet werden könnte. Denn klar war: Wenn die jungen Leute wegziehen, fehlen den 200 Gewerbebetrieben in Windeck bald die Fachkräfte, deren Mangel sich heute schon abzuzeichnen beginnt. Aus den Gesprächen und Kontakten dieser Veranstaltung erwuchs das Projekt „Innovationsraum.Land“, das 2021 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an den Start ging, angesiedelt in der Landfabrik.

Fraunhofer beteiligt an dem Projekt

Am Donnerstagnachmittag stellten die Teilnehmer die Ergebnisse des Projekts vor, das in dieser Form erst einmal abgeschlossen ist. Win­decks Bürgermeisterin Alexandra Gauß (Grüne) lobt die „Pionierarbeit“ des Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (Cerri), das die Projektarbeit wissenschaftlich und organisatorisch begleitete. Es ist beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) angesiedelt. Cerri-Leiterin Simone Kaiser berichtet, dass schon aus Brandenburg und Österreich Anfragen wegen des Projekts gekommen seien, weil „Innovationsraum.Land“ in dieser Form eben einzigartig sei.

 In dieser riesigen Fabrikhalle in Windeck-Schladern stellt die Landfabrik GmbH Räume für Workshops und Schulungen bereit.

In dieser riesigen Fabrikhalle in Windeck-Schladern stellt die Landfabrik GmbH Räume für Workshops und Schulungen bereit.

Foto: Landfabrik GmbH

Als ein Ziel der Projektarbeit nennt Leiterin Stephanie Duchek: „Gutes Leben und Arbeiten auf dem Land.“ Dafür mussten Ideen gesammelt werden, und das immer mit den Windeckern zusammen. Das sei nicht immer einfach gewesen und vielfach offenbar auch recht zäh, wie sich aus den Schilderungen der Beteiligten entnehmen lässt. Schüler der Gesamtschule Windeck und einer weiteren Schule beteiligten sich an Workshops und anderen Formaten, wo spielerisch erforscht wurde, wie sie sich das Zusammenleben in ihrem Ort in der Zukunft vorstellen könnten. Das wurde mit Bastelmaterial visuell dargestellt, und an den Texten, die die Arbeiten begleiten, ist zu erkennen, dass sich die jungen Leute auch um das Miteinander mit der älteren und ganz alten, nicht mehr mobilen Generation Gedanken machten. Smartphone und virtuelle Realität spielen auch eine Rolle, so wenn ein Schüler schreibt, man sollte online Zugang zum Club bekommen, um vorher zu wissen, ob jemand aus der eigenen Clique da sei. Angesichts weiter Wege über Land verständlich.

Über die drei Jahre des Projekts waren unter anderen die Wirtschaftsförderung, die Hochschule Bonn/Rhein-Sieg, die Technische Hochschule Köln, die Industrie- und Handelskammer sowie ortsansässige Unternehmen in die Arbeit eingebunden. Das Netzwerken der Gewerbeunternehmen, darunter auch zahlreiche Autozulieferer, hält Landfabrik-Inhaber Schäfer für besonders wichtig. Als Lösung für den drohenden Fachkräftemangel sieht er den verstärkten Einsatz von Hightech: „Wir wollen hier viele Produktionsbetriebe mit Robotik unterstützen.“

Roboter für schmutzige und gefährliche Arbeit

Robotik-Trainer Torben Schäfer sagt, die Preise für die Maschinen seien in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ein Vorteil sei, dass sie schmutzige und auch gefährliche Arbeit letztlich 24 Stunden lang verrichten könnten. Die Website der Landfabrik kündigt an, dass Yaskawa mit den Unternehmen der Region Prototypen für diverse robotergestützte Anwendungen für den Holzbau, die Haustechnik sowie Gießereitechnik entwickeln werde. Ein Betrieb, der besonderes Interesse zeigt, ist die Firma Metternich. Sie errichtet Heizungsanlagen mit Wärmepumpentechnik, die sich selbst IT-gestützt optimieren können, wie der Chef berichtet. Bürgermeisterin Alexandra Gauß mahnt: „Die Projektergebnisse sollten nicht in der Schublade verschwinden.“

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