3000 Telekom-Beschäftigte demonstrieren in Siegburg „Wir sehen, dass wir auf einen größeren Konflikt zusteuern“

Siegburg · Vor Beginn der zweiten Runde der Tarifverhandlungen demonstrierten am Montag rund 3000 Telekom-Beschäftigte in Siegburg, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Verdi-Arbeitskampfleiter Pascal Röckert spricht davon, dass ein größerer Konflikt droht.

 Lautstark gaben die Telekom-Beschäftigten ihren Forderungen Nachdruck.

Lautstark gaben die Telekom-Beschäftigten ihren Forderungen Nachdruck.

Foto: Nadine Quadt

Schon am Morgen sind die ersten Telekom-Beschäftigten aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen mit Bussen nach Siegburg gereist, um ihren Forderungen mit Trillerpfeifen und Ratschen Nachdruck zu verleihen. Insgesamt rund 3000 Beschäftigte der Deutschen Telekom demonstrierten dann am Montagmittag vor dem Parkhotel Kranz. Dort findet am Montag und Dienstag die zweite Runde der Tarifverhandlungen statt. Zu der Demonstration hatte die Gewerkschaft Verdi eingeladen. Sie rief außerdem Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz am Montag zu Warnstreiks auf.

Forderung nach zwölf Prozent mehr Gehalt

„Wir sehen, dass wir auf einen größeren Konflikt zusteuern“, sagte Verdi-Arbeitskampfleiter Pascal Röckert. Die Arbeitgeber seien bislang überhaupt nicht auf die Verdi-Forderungen eingegangen. Deshalb würden nun die Beschäftigten mit den ersten Warnstreiks und der Kundgebung in Siegburg klar machen, dass sie ein Arbeitgeberangebot erwarten. Verdi fordert für bundesweit rund 70.000 Tarifbeschäftigte eine Entgeltsteigerung von zwölf Prozent, mindestens aber um 400 Euro pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sowie die Entgelte der dual Studierenden sollen um monatlich 185 Euro erhöht werden.

In der ersten Verhandlungsrunde im März habe Verdi die Forderungen eingebracht und ausführlich begründet. Darauf seien die Arbeitgeber bisher überhaupt nicht eingegangen. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung hätten die Arbeitgeber eine formale Diskussion über die Verhandlungsstrukturen gesucht und die „Robustheit“ des Verhandlungsmandat der Verdi-Verhandlungskommission in Frage gestellt. Die Gewerkschaft kritisiere dieses Verhalten und fordere die Arbeitgeberseite auf, in der zweiten Runde nun in eine inhaltliche Diskussion zu den Forderungen der Tarifrunde 2024 zu kommen und ein Angebot in die Tarifrunde einzubringen. Dass Verdi nach einem Verhandlungsergebnis zunächst über Tarif-Botschafter ausloten wolle, wie die Beschäftigten dazu stehen, habe überhaupt nichts damit zu tun, dass Verdi kein Verhandlungsmandat verspüre, sondern es gehe um den direkten Austausch.

Weitere Warnstreiks geplant

Vorbehaltlich des Verlaufs der zweiten Verhandlungsrunde seien für die folgenden Tage weitere Warnstreikaktionen im ganzen Bundesgebiet geplant. „Angesichts der Tatsache, dass bisher nicht mal eine inhaltliche Diskussion über die von ver.di eingebrachten Forderungen stattgefunden hat, ist für die zweite Verhandlungsrunde nicht von einer Einigung auszugehen“, sagte Röckert.

Uneins sind sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite auch darüber, ob die Tarifverhandlungen für alle Telekom-Unternehmen zusammen geführt werden, was Verdi anstrebt. Der Telekom-Konzern in Deutschland besteht aus 22 verschiedenen tarifgebundenen Konzernunternehmen, in denen jeweils eigenständige Tarifverträge gelten. Ein Großteil der Entgelttarifverträge hat eine Laufzeit bis zum 31. März 2024. Für die Gesellschaften Deutsche Telekom Privatkundenvertrieb GmbH (31. Juli 2024), Deutsche Telekom Service Europe SE (30. September 2024) sowie die T-Systems International (31. Dezember 2024) gelten davon abweichende Laufzeiten.

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