Yachten verkaufen sich auch auf dem Trockenen

Euro Sailing übertrifft mit neuem Konzept die eigenen Erwartungen - Das Unternehmen möchte in Rheinbach sesshaft werden und verkauft allein auf der "Boot 2005" elf Hochsee-Yachten

Rheinbach. Der erste Blick auf die vor Anker liegenden Yachten gilt ihrer für Laien imposanten Höhe der Rümpfe. Wer mehr sehen will, muss schon die gut vier Meter hohe Rampe hinaufklettern. Dort oben stellt sich aber ganz schnell das Gefühl von Urlaub, Wasser und Sonne ein. Fünf Yachten mit einer Länge von bis zu 50 Fuß liegen zwischen der Umgehungsstraße B 266 und dem Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) der Stadt Rheinbach ohne eine Handbreit Wasser unterm Kiel und sorgen nicht nur bei vorbeifahrenden Brummifahrern für Aufsehen.

Wer sich auf dem Stahlgerüst den Luxusyachten und ihrer Ausstattung hingibt, vergisst schnell, dass zwischen ihnen kein Wasser ist. Wilfried Bode, Geschäftsführer von Euro Sailing, hat sich an die überraschten Gesichter gewöhnt, wenn er seine Firmenadresse nennt: "Die meisten denken, um Yachten verkaufen zu können, muss man am Meer liegen, das ist aber Quatsch." 2003 kaufte er die GmbH, eine von vier Vertragshändlern der bei Würzburg ansässigen Bavaria Yachtbau.

Die Bavaria Werft gilt laut Bode als weltweit zweitgrößter Yachten-Hersteller und bietet Schiffe zwischen 54 000 und 220 000 Euro an. Firmensitz der 1984 gegründeten Gesellschaft Euro Sailing war bis vor gut 15 Monaten Bonn. "Allerdings mehr als Briefkastenadresse, weil sich alles an unserem Hafen im holländischen Workum abgespielt hat." Dorthin ließ Bode die bestellten Yachten, um sie dann nach den individuellen Wünschen der Segler aufzurüsten, beispielsweise mit Navigationssystemen, Heizung oder Klimageräten.

Rund 24 000 Euro ließen Eigner sich das zusätzlich kosten. Wer von den potenziellen Kunden aus dem Verkaufsgebiet West eine Yacht besichtigen wollte, musste bislang ans Ijsselmeer. "Für unsere Kunden beispielsweise aus Frankfurt war das viel zu weit", sagt Bode. Und entschied: Das muss anders werden.

Mit der Stadt Rheinbach und den Möglichkeiten im GTZ fand er Raum für sein Konzept, Schiffe auch auf dem Trockenen verkaufen zu können. "Hier waren alle sehr aufgeschlossen." Da er nicht mehr als Existenzgründer gilt, zahlt er ganz normale Miete, hat aber dort die Chance, sein Konzept zu testen.

Auf dem Parkplatz des GTZ ließ er im September fünf Yachten zur Besichtigung aufstellen. Eigentlich sollten die nach dem Winter wieder weichen. "Schon jetzt wurden mit 24 verkauften Schiffen unsere Erwartungen weit übertroffen, zehn hatten wir uns zum Ziel gesetzt", sagt Bode. Doch um die Firmenstandorte endgültig zusammenzuführen, müsste auch der Sommer getestet werden. "Es kann natürlich sein, dass viele dann lieber nach Holland fahren als nach Rheinbach, weil sie dort sowieso ihre Boote haben."

Der Ausstellungsverlängerung habe schließlich sogar der Rat zugestimmt, da es sich beim Parkplatz um städtische Flächen handelt. "Für uns ist in jedem Fall schon die Entscheidung für Rheinbach gefallen, offen ist nur, ob als kleine oder große Lösung."

Die große Lösung bedeute auf mindestens 10 000 Quadratmetern entsprechende Hallen zu bauen, um in Rheinbach auch die Nachrüstungen vornehmen zu können. Und freie Gewerbeflächen hat die Stadt zu genüge. "Die waren ganz flink hier und haben mir schon zwei Grundstücke angeboten, meine Architekten prüfen bereits die Möglichkeiten. Schließlich ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Sitz die beste Lösung und deshalb unser Ziel." Allerdings müsse sich dafür auch das Sommergeschäft bewähren.

Noch im April sollen die neuen Yachten am GTZ aufgebaut werden. Selbst wenn der Verkauf in Rheinbach funktioniere, könne der holländische Hafen allein aus Servicegründen und zur Auslieferung nicht ganz aufgeben werden. "Langfristig wollen wir auch unseren französischen Standort ausbauen, wo wir immerhin etwa 20 Prozent unserer Yachten ausliefern", sagt Bode.

Im vergangenen Jahr setzte die GmbH nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro um. Bei Euro Sailing sind inzwischen zehn Mitarbeiter festangestellt, drei mehr als noch in Bonn. Sechs von ihnen arbeiten in Holland, einer in Frankreich, Bode mit zwei Mitarbeitern in Rheinbach.

Für das laufende Geschäftsjahr glaubt er, das Ergebnis weiter steigern zu können. Schließlich hätten man gerade erst auf der "Boot" in Düsseldorf trotz zurückgehender Zahlen mit elf verkauften Hochsee-Yachten und einem Messe-Umsatz von 1,34 Millionen Euro den Vorjahresumsatz deutlich verbessert.

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