Werksschließung in Eitorf ZF verlagert letzte Stoßdämpferproduktion nach Osteuropa

Bonn · Seit Jahrzehnten stellt das ZF-Werk in Eitorf Stoßdämpfer her. Jetzt hat die Konzernzentrale in Friedrichshafen bestätigt, dass die Produktion größtenteils nach Osteuropa verlagert wird. Was die Beschäftigten erwarten und die IG Metall nach der endgültigen Schließung Ende 2027 fordert.

 Das Werksgelände von ZF Friedrichshafen in Eitorf.

Das Werksgelände von ZF Friedrichshafen in Eitorf.

Foto: ZF Friedrichshafen/ZF

Die Beschäftigten des Automobilzulieferers ZF in Eitorf haben sich mit der Geschäftsführung auf die mögliche Schließung des Werks zum 31. Dezember 2027 geeinigt. Wie der Konzern mit Sitz in Friedrichshafen am Dienstag mitteilte, wurden in den vergangenen Wochen ein Rahmeninteressenausgleich und ein erster Teilinteressenausgleich geschlossen. „Der Großteil der Stoßdämpferproduktion geht an osteuropäische Standorte“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. So ausdrücklich hatte ZF diese Produktionsverlagerung dem GA gegenüber noch nicht bestätigt, von der bisher nur intern die Rede war.

Als im September 2022 die Schließungspläne bekannt wurden, zählte der ZF-Standort in Eitorf noch 690 Beschäftigte. Allerdings haben seitdem schon fast 200 Mitarbeiter das Werk verlassen, wie Teilnehmer des WDR-Stadtgesprächs, das kürzlich in Eitorf stattfand, berichteten. Wie der GA erfuhr, haben viele Beschäftigte eine Altersteilzeitvereinbarung unterschrieben, die ihnen auch ein früheres Ausscheiden ermöglicht. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Interessenausgleich bis Ende 2025 für die Beschäftigten in der Stoßdämpferproduktion ausgeschlossen.

Noch kein Sozialplan

Wer nicht direkt mit der Stoßdämpferproduktion befasst ist, etwa Entwickler und Vertriebsleute, erhält demnach ein Angebot, zum Zeitpunkt der Betriebsschließung an einen anderen ZF-Standort zu wechseln. Auszubildende können laut dem ZF-Sprecher ihre Ausbildung in Eitorf auf jeden Fall beenden, allerdings werden keine neuen Ausbildungsplätze mehr angeboten. Einen Sozialplan gibt es bisher noch nicht. Es herrsche aber „Einigkeit“, dass zu einem „späteren Zeitpunkt über einen Sozialplan verhandelt werden soll“, hieß es auf Nachfrage. Eine Transfergesellschaft, in die ausgeschiedene ZF-Beschäftigte gegen Entlohnung für eine gewisse Zeit wechseln können, um ihre Chancen auf einen neuen Job zu erhöhen, sei im Interessenausgleich nicht explizit erwähnt: „Dies kann aber noch zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart werden“, so der Sprecher.

ZF stellt Antriebs- und Fahrwerkstechnik für Pkw her und bietet Systemlösungen für Nutzfahrzeuge an. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 46,6 Milliarden Euro, wie aus dem Ende März vorgelegten Geschäftsbericht für 2023 hervorgeht; 2022 lag der Umsatz bei 43,8 Milliarden Euro. Weltweit stieg die Mitarbeiterzahl von knapp 165.000 auf fast 168.800 Beschäftigte. Davon sind mehr als 50.000 in Deutschland tätig. Allerdings berichtet der Betriebsrat, dass in den kommenden Jahren mindestens 12.000 Stellen hierzulande gestrichen werden sollen. Offiziell gab es dafür keine Bestätigung. Außer in Eitorf steht aber fest, dass in Gelsenkirchen ein Standort mit 200 Beschäftigten geschlossen wird.

Neuverschuldung auf zehn Milliarden Euro gesenkt

Begründet werden der Stellenabbau und die Produktionsverlagerung ins Ausland mit der Kostenstruktur in Deutschland. Außerdem muss das Unternehmen einerseits sparen – zwei milliardenschwere Übernahmen haben enorme Schulden verursacht –, andererseits sind hohe Investitionen nötig, um beim Umstieg auf den Elektroantrieb und der Entwicklung von Systemlösungen für autonomes Fahren konkurrenzfähig zu bleiben. Laut Geschäftsbericht steckte der Konzern im vergangenen Jahr 3,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Die Nettoverschuldung wurde um 400 Millionen auf rund zehn Milliarden Euro gesenkt. Unter anderem wurden Unternehmensanleihen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro platziert. Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei 2,367 Milliarden Euro nach 2,038 Milliarden Euro im Vorjahr.

Michael Korsmeier, Geschäftsführer der IG Metall Bonn/Rhein-Sieg, sagte bei dem WDR-Stadtgespräch, er erwarte von ZF, dass es das Werk in Eitorf über das Jahr 2027 hinaus unterstütze. „Bisher hat ZF noch nie einen Standort geschlossen“, erklärte Korsmeier. Das Unternehmen gehört zu fast 100 Prozent der Zeppelin-Stiftung, hinter der die Stadt Friedrichshafen steht. Die Dividenden der ZF AG fließen in die Stadtkasse. Für 2022 waren das 41 Millionen Euro. Den Gesellschaftern wird vorgeschlagen, die Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2023 auf diesem Niveau zu halten. Stiftungsunternehmen wird nachgesagt, dass sie weniger stark auf die Dividende schauen, daher mehr vom Gewinn im Unternehmen bleiben kann und Arbeitsplätze sicherer sind als in börsennotierten Gesellschaften.

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