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Zu wenig Bauland in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis

Lücke zwischen Wohnungsbedarf und Bautätigkeit : In der Region gibt es viel zu wenig Bauland

Zwischen Wohnungsbedarf und Bautätigkeit klafft in vielen NRW-Kommunen eine große Lücke - auch in der Region. Nach einer Studie ist die Lage im Rhein-Sieg-Kreis sogar noch schwieriger als in Bonn. Mieterschützer fordert von Bonn mehr Fantasie.

Wohnraum in der Region ist knapp und teuer. Nach einer Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft ist die Lage im Rhein-Sieg-Kreis sogar noch schwieriger als in Bonn. Hier werden laut IW nur 63 Prozent des Bedarfs gedeckt, in der Bundesstadt sind es 72 Prozent. Vor allem in Köln klaffen Bedarf und Neubau von Wohnungen deutlich auseinander. Hier sind laut IW nur 46 Prozent des Bedarfs gedeckt.

Das arbeitgebernahe Institut verlangt von den Kommunen in Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Initiative beim Ausweisen von Bauland. Es sei deutlich, „dass für die Bereitstellung von neuem Bauland insbesondere den Kommunen ein deutlich höherer Aufwand abverlangt werden muss, als er bislang betrieben wurde“, heißt es in der gemeinsamen Studie des IW und des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS). Die Kommunen mit angespannter Wohnsituation müssten in den Planungsstellen und in der Bauaufsicht mehr Personal einstellen und e ine „proaktive und vorausschauende Bauland- und Wohnungspolitik entwickeln“, fordern die Autoren.

Für die Ausweisung von Bauland in Bonn fordert Felix von Grünberg, Vorsitzender des Mieterbundes NRW: „Es muss viel mehr Fantasie entwickelt werden.“ Die Stadt müsse angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums verstärkt Grundstücke für den Wohnungsbau  zukaufen. „Es gibt noch Flächen“, sagt der Mieterschützer, „die müssen nur genutzt werden“. Langfristig fehlen in Bonn nach seinen Angaben rund 20 ­­000 Wohnungen, die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft sei „überfällig“.

Chance für die Ausweisung neuer Bauflächen bietet laut Grünberg der aktuelle Regionalplan, in dem die Bezirksregierung Rahmenbedingungen aufstellt. „Zwischen Duisdorf und Dransdorf gibt es angrenzend an das Messdorfer Feld derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen, für die eine Bebauung absolut sinnvoll wäre“, sagt er. Außerdem schlägt er vor, Schrebergärten aus der Innenstadt an die Randgebiete zu verlagern, um auch zentrale Bauflächen zu gewinnen. „Es kann doch nicht sein, dass sich Leute wie Krankenpfleger und Müllmänner, die für das Funktionieren einer Stadt unabdingbar sind, dort keine Wohnungen mehr leisten können“, sagt er.

Zwar ist in Bonn wie in anderen Städten wie Düsseldorf und Münster in den vergangenen Jahren im NRW-Vergleich  viel gebaut worden. Doch damit ist der Bedarf an Wohnraum längst noch nicht gedeckt. Düsseldorf kommt gerade einmal auf eine Deckungsquote von 85 Prozent, Münster gar nur auf 61 Prozent.

Genau umgekehrt sieht es in ländlichen Gebieten wie beispielsweise im Hochsauerlandkreis und im Kreis Höxter aus. Dort wird laut IW-Studie  zweieinhalb bis drei Mal so viel gebaut, wie nötig wäre angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung in diesen Regionen schrumpft, weil vor allem junge Menschen ihre Heimat verlassen.

Über Bedarf wird unter anderem auch in Remscheid (190 Prozent) sowie in den Kreisen Heinsberg (111) und Borken (107) gebaut, während  die Kreise Mettmann (49), Viersen (52) sowie die kreisfreien Städte Krefeld (61), Leverkusen (62) sowie der Rhein-Kreis Neuss (64) die stärkste Lücke aufweisen.

Die jungen Menschen zieht es unter anderem wegen der besseren Jobaussichten in die Metropolen, die außerdem als Universitätsstädte vom Zuzug  von Studierenden  profitieren. „Der Wohnungsbau kommt nicht voran, weil zu wenige Flächen vorhanden sind. Das ist die zentrale Stellschraube“, sagt Ralph Henger, der für das IW an der Studie mitgeschrieben hat.

Die klare Botschaft: Es braucht mehr Personal, beispielsweise in Bauämtern. Und: „Die Kommunen müssen die technischen Tools besser nutzen, die es gibt“, fordert Henger, also Baulücken-, Bauland- und Brachflächenkataster. Die Planungsbehörden seien sehr unterschiedlich aufgestellt, so Henger. In Großstädten fehlten oft zehn oder mehr Mitarbeiter. Wie manche Kommunen den dann erforderlichen Personalaufwand angesichts leerer Kassen stemmen könnten, ist damit allerdings noch nicht beantwortet.

Viele Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen haben zwar in den vergangenen Jahren deutlich mehr Bauland ausgewiesen als zuvor, aber: „Entsprechende Aktivitäten sind ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn gleichzeitig die Nachfrage überproportional steigt“, so die Autoren der Studie.

Dabei stoßen Städte und Gemeinden vielfach auf die selben Probleme. Es geht nicht nur um Wohnraumversorgung, sondern die muss auch noch den Klima- und Naturschutzanforderungen entsprechen. Zudem brauchen die Kommunen gleichzeitig ausreichend Flächen für Gewerbeansiedlungen und Infrastruktur. Und natürlich wollen die Menschen auch ausreichend Grünflächen, Parks und Ähnliches, damit die Naherholung nicht zu kurz kommt.

Für den IW-Experten Henger ist auf jeden Fall eines klar: „Wenn sie beim Ausweisen von Bauland nichts ändert, werden vor allem in den großen Städten Kaufpreise und Mieten weiter steigen.“

Die Immobilienwirtschaft fordert währenddessen als Lehre aus der Corona-Krise, das Leben in Stadtquartieren stärker in den Fokus zu rücken. Die Pandemie zeige, dass man die Art und Weise Städte zu planen, zu entwickeln und zu bauen überdenken müsse, erklärte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA). „Die Stadt der Zukunft ist eine Stadt der Quartiere“, hieß es in einem Positionspapier.