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Zurich: Konzern sieht sich trotz Rückgängen auf Kurs

Weniger Autofahrten, weniger Schadensfälle : Zurich Deutschland sieht sich trotz Rückgängen auf Kurs

Eine sinkende Nachfrage nach Lebensversicherungen hat insgesamt zu einem leichten Rückgang der Beitragseinnahmen von Zurich Deutschland geführt. Auch der Gewinn lag 2020 etwas unter dem Vorjahreswert. Insgesamt sieht sich der Konzern jedoch auf Wachstumskurs.

Vor allem wegen Einbußen im Lebensversicherungsgeschäft hat Zurich Deutschland im vergangenen Jahr etwas weniger Beiträge eingenommen. In Summe verzeichnete die ehemals Bonner Versicherung Beiträge in Höhe von rund 5,9 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Köln mitteilte. Im Vorjahr waren es bei 6,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn lag mit 349 Millionen Euro ebenfalls leicht unter Vorjahresniveau (356 Millionen Euro).

Die einzelnen Sparten haben sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt. Im Neugeschäft mit Lebensversicherungen gab es 2020 vor allem bei Produkten mit Einmalbeiträgen einen deutlichen Rückgang um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt schrumpfte das Neugeschäft mit Lebensversicherungen bei Zurich Deutschland um 7,5 Prozent auf 236 Millionen Euro.

Beiträge erstattet

Deutlich gewachsen ist die Versicherung dagegen bei den Schaden- und Unfallversicherungen. Hier konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben die Beitragssumme um 7,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro steigern. Da viele Autofahrer durch Arbeit im Homeoffice ihre Jahreskilometerleistung reduziert hätten, seien rund 54 Millionen Euro an Beiträgen rückerstattet worden, hieß es. Gleichzeitig sei die Zahl der Schadensfälle während der Pandemie gesunken.

Besonders viele Privatkunden hat Zurich nach eigenen Angaben durch die Kooperation mit MediaMarkt/Saturn gewonnen. Zurich verkauft Kunden der Elektronik-Märkte unter anderem Garantieverlängerungen und Transportversicherungen für die dort erworbenen Produkte. Ein weiterer Vertriebspartner von Zurich ist die Deutsche Bank und ab 2023 auch die Postbank. „Damit haben wir dann Zugang zu 19 Millionen Privatkunden“, sagte Zurich-Deutschland-Chef Carsten Schildknecht.

Personalabbau gestoppt

Der deutliche Personalabbau bei Zurich ist gestoppt. Mit 4466 Beschäftigten lag die Mitarbeiterzahl 2020 sogar 1,2 Prozent über dem Vorjahr. Seit 2015 hatte der Versicherer rund 20 Prozent seiner Stellen abgebaut.

Zurich hat sich laut Schildknecht das ehrgeizige Ziel gesetzt, eines der nachhaltigsten Unternehmen der Welt zu werden. So wird zum Beispiel bei fondsgebundenen Lebensversicherungen zunehmend auf Nachhaltigkeitskriterien geachtet. Nachhaltigkeit ist für den Konzern auch ein Geschäftsmodell. Derzeit würden Finanzprodukte entwickelt, mit denen Privatkunden ihren CO2-Fußabdruck, der etwa durch Flugreisen entsteht, ausgleichen könnten. Diese sollen noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

Die Zurich Versicherungsgruppe musste und muss sich wegen Streits um Leistungen in Folge der Corona-Pandemie in mehreren Fällen vor Gericht verantworten. Im Februar bestätigte ein Urteil die Ansprüche eines Barbesitzers aus der Düsseldorfer Altstadt gegen Zurich. Er hatte aus einer Betriebsschließungsversicherung bei Zurich Ansprüche wegen des Lockdowns geltend gemacht, die der Versicherer verweigerte.

Die Bundesregierung klagt aktuell gegen Zurich, weil der Versicherer Zahlungen aus der Thomas-Cook-Pleite nicht nachkomme. Schildknecht sagte dazu am Mittwoch, er sehe „keinen haltbaren Grund, warum Zurich vom Bund in Haftung genommen werden“ könne und verwies auf Fehler bei der Gesetzgebung des Bundes.