Kommentar zu teuren Stromverträgen Schwer verständlich

Meinung | Frankfurt · Privathaushalte in Deutschland zahlen zu viel für ihren Strom. Das zeigt eine Studie des Vergleichsportals Verivox. Woran das liegen könnte.

Im Gegenlicht des Morgenhimmels ist eine Freileitung nahe dem Kraftwerk Lippendorf zu sehen.

Im Gegenlicht des Morgenhimmels ist eine Freileitung nahe dem Kraftwerk Lippendorf zu sehen.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Wenn es um Schnäppchen geht, ist manchen Verbrauchern kein Weg zu weit. So ist der Mensch gestrickt. Wenn ein Gewinn oder eine Belohnung winkt, setzt eine rationale Betrachtung von Angeboten schnell aus. Umgekehrt nehmen Verbraucher aus Bequemlichkeit oder Überforderung oft achselzuckend Verluste in Form von zu hohen Preisen hin. Die Haushalte in Deutschland bezahlen zum Beispiel viel zu viel Geld für ihren Strom. Sie geben unnötig Milliarden Euro zu viel aus, wie eine Studie jetzt zeigt.

Dabei könnten sie diese unnötigen Ausgaben schnell mit einem Preisvergleich und dem anschließenden Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter vermeiden. Warum immer noch Millionen Stromkunden in den teuren Tarifen ihrer Grundversorger bleiben, ist schwer verständlich. Bequemlichkeit mag eine Erklärung dafür sein. Viele Haushalte müssen nicht auf jeden Euro achten. Das häufigere Motiv, nicht zu handeln, dürfte eine Überforderung der Konsumenten sein. Das Leben als aufgeklärter und rational handelnder Verbraucher ist anstrengend geworden.

Über Jahrzehnte wurden die Preise und Angebote vieler Produkte und Dienstleistungen direkt oder indirekt reguliert, Monopolmärkte wie Energieversorgung und die Telekommunikation aufgebrochen. Mehr Wettbewerb sollte für günstigere Preise sorgen. Das hat zum Teil auch gut geklappt. Kommunikationsdienste sind viel preiswerter als früher. Aber es verlangt den Konsumenten auf der anderen Seite auch viel ab. Viele Angebote werden so ausdifferenziert, dass ein echter Preisvergleich gar nicht mehr möglich ist. Und auch da, wo es möglich ist, kostet es viel Zeit. Der rational handelnde Verbraucher bleibt daher in der täglichen Praxis eine Illusion.

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