Telekommunikation Telekom und Vodafone wollen EU-Fusionswelle

Barcelona · Die großen Telefonkonzerne in Europa dringen auf weniger harte Wettbewerbsregeln. Die Preise könnten steigen. Telekom-Chef Höttges enthüllt zudem, wie der Bonner Konzern künstliche Intelligenz nutzen will.

 Besucher testen den Telekom Super Soccer auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.

Besucher testen den Telekom Super Soccer auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.

Foto: dpa/Pau Venteo

Die vier führenden Telefonkonzerne Europas dringen darauf, dass Fusionen in der Branche leichter werden und dass die US-Onlinegiganten wie Google, Amazon, Apple, Meta (Facebook) und Microsoft sich an den Kosten des Netzausbaus beteiligen. Dies erklärten auf dem jährlichen Mobilfunkkongress in Barcelona Telekom-Chef Tim Höttges mit seinen Kollegen und Kolleginnen von Vodafone, Telefónica und Orange (früher France Telecom). Die vier Konzerne beschäftigen zusammen mehr als 300.000 Menschen und haben mehr als 350 Millionen Mobilfunkanschlüsse geschaltet, außerdem 72 Millionen schnelle Onlineanschlüsse im Festnetz. Zusätzlich erläuterte Telekom-Chef Höttges, wie der Konzern künstliche Intelligenz (KI) nutzen will. Vodafone stellte eine neue Datenbrille vor.

Die Notwendigkeit von Zusammenschlüssen belegten die Telefonkonzerne mit Zahlen. Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet (Google) und Meta habe jeder einen deutlich höheren Börsenwert als die vier größten europäischen Telefonkonzerne gemeinsam. Doch obwohl die Telefonkonzerne im Jahr mehr als 20 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren, lohne sich dies kaum: In den letzten zehn Jahren hätten sich die Aktienwerte aller Telefonunternehmen in den letzten zehn Jahren inklusive Auszahlung von Dividenden nicht einmal um 20 Prozent erhöht, wogegen die Digitalkonzerne ihre Werte im Schnitt um mehr als das Achtfache gesteigert hätten. Dies sei umso mehr bemerkenswert, weil die Datenmenge weiter massiv zulege. Laut dem Ausrüstungsanbieter Ericsson stieg sie vergangenes Jahr erneut um ein Drittel, bis Ende des Jahrzehnts wird sie sich mehr als verdoppeln. Dabei hatte Tim Höttges schon mehrfach darauf hingewiesen, dass mehr als die Hälfte des Datenverkehrs von den fünf führenden Onlinekonzernen verursacht werde.

Weil die Branche zersplittert ist in Europa, sind nur zwei der 20 führenden Telefonkonzerne der Welt aus der EU – einer ist die Telekom mit ihrem Jahresumsatz von 112 Milliarden Euro und einem Börsenwert von 110 Milliarden Euro. In den USA sind nur drei Mobilfunker im ganzen Land aktiv. In der EU werden dagegen inklusive Festnetz 45 ernst zu nehmende Anbieter gezählt, die sich gegenseitig das Geschäft erschweren.

Das hat zwei Effekte, die zusammenhängen: Umgerechnet auf die Bevölkerung werden in den USA pro Kopf 240 Euro im Jahr für Telefonnetze investiert, in der EU liegt der Betrag nur halb so hoch, rechnen die Konzerne vor. In den USA werde pro Mobilfunkvertrag ein Umsatz von 42 Euro im Monat gemacht, in Europa seien es nur 15 Euro. Die Kunden können hierzulande also über günstigere Gebühren froh sein, aber die Qualität der Netze hinkt hinterher. Beim Festnetz sind die Relationen ähnlich.

Telekom setzt stark auf KI

Um beim Investitionstempo zulegen zu können, müsse die EU Fusionen deutlich erleichtern, meinen die Konzerne. Eine neue „Fairness“ müsse außerdem in Relation zu den Onlinegiganten her – am liebsten wäre Telekom-Chef Höttges, wenn der Konzern direkt Geld erhält. Hilfreich wäre auch, wenn die Onlinekonzerne dafür sorgen, dass weniger Spams und ungewollte Werbung durch die Netze gejagt werden, meint er.

Höttges machte klar, wie stark die Telekom auf KI setzt. Sie werde genutzt, um den Ausbau der Glasfasernetze in alle Vororte zu planen und um neue Funkstationen für die neue Technik 5G zu testen. Ohne große Investitionen könne der Co-Pilot von Microsoft helfen, Büroarbeit zu erleichtern. KI helfe auch, die Abwehr von Cyberangriffen zu verbessern. Denn die Software lerne aus früheren Attacken für die Zukunft.

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