Deutsche arbeiten mehr 40-Stunden-Woche ist Vergangenheit

Berlin/Wiesbaden · Vor allem die Öffnungszeiten im Handel führen zu längeren Arbeitstagen. Gleichzeitig passieren aber weniger Arbeitsunfälle.

Die Beschäftigten in Deutschland werden im Job zunehmend gefordert. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten bei 41,4 Stunden. Teilzeitbeschäftigte kamen auf 19,3 Stunden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat sich die Wochenarbeitszeit in den letzten 20 Jahren um eine halbe Stunde erhöht. Bei den Selbstständigen verläuft die Kurve umgekehrt. 1996 arbeiteten sie im Durchschnitt knapp 55 Stunden, 2015 waren es noch 49 Stunden.

Zwischen den Arbeitnehmern gibt es große Unterschiede. Jeder achte Beschäftigte ist mehr als 48 Stunden in der Woche im Betrieb. Von überlangen Arbeitszeiten sind vor allem Ältere betroffen, die Führungspositionen innehaben. Auch wird häufiger abends gearbeitet. Im vergangenen Jahr musste jeder vierte Beschäftigte abends noch arbeiten. Anfang der 1990er Jahre waren es nur 15 Prozent. Das liegt vor allem an den veränderten Ladenöffnungszeiten. Jeder Vierte ist auch am Wochenende im Dienst. Kräftig angestiegen ist auch die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse. Von den über 25-Jährigen, die weniger als ein Jahr angestellt sind, hatten 37,5 Prozent einen zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag. Vor zwanzig Jahren lag der Anteil noch bei 30 Prozent.

Viele Beschäftigte stehen unter hohem Druck

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist der Befund der Statistiker alarmierend. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Mehrarbeit und atypische Arbeitszeiten auf einem stabil hohen Niveau sind“, sagt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Die Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten dürfe nicht länger zu unbezahlten Überstunden führen. Zudem fordert der DGB, dass die den Arbeitnehmern vorgegebenen Ziele auch erreichbar sein müssen.

Die Auswertung der Statistiker zeigt auch, dass viele Beschäftigte unter hohem Druck stehen. Besonders betroffen sind Montierer und Anlagenbediener. Drei Viertel dieser Berufsangehörigen klagen über ein hohes Arbeitstempo und Zeitdruck. Im Durchschnitt aller Berufsgruppen berichtet fast jeder Zweite von hohen Anforderungen. „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sehr viel mehr in sehr viel kürzerer Zeit leisten“, beobachtet Stefanie Wolter vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Sichere Anstellung wichtigerals Einkommen

Dabei ist ein übermäßiger Druck auf die Beschäftigten nicht unbedingt auch gut für den Betrieb. Eine Studie des IAB zeigt, dass Unternehmen, die zum Beispiel durch Gesundheitsförderung oder Mitarbeitergespräche einer Überforderung der Beschäftigten entgegensteuern, mit mehr Engagement und einer höheren Motivation der Belegschaft rechnen können. Für die meisten Arbeitnehmer ist das Einkommen auch nicht das wichtigste Kriterium für einen guten Job. Eine Untersuchung im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums sieht ein sicheres Arbeitsverhältnis ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von einer unbefristeten Anstellung und der Zusammenarbeit mit netten Kollegen. Ein guter Verdienst folgt auf dem vierten Rang.

Die Statistiker verzeichnen auf der anderen Seite aber auch einige positive Entwicklungen. Deutlich rückläufig ist zum Beispiel die Zahl der Arbeitsunfälle und Todesfälle im Dienst. Vor 20 Jahren kamen rechnerisch 3,5 von 100 000 Arbeitnehmern ums Leben. 2013 war ein Toter zu beklagen. Die Zahl der Unfälle reduzierte sich im gleichen Zeitraum von 5100 auf 1900.

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