1. News
  2. Wirtschaft
  3. Überregional

Kommentar zu Boeing und VW: Allmacht der Software

Kommentar zu Boeing und VW : Allmacht der Software

Zwischen den aktuellen Skandalen bei VW und bei Boeing gibt es erstaunliche Parallelen. In beiden Fällen hat das Management den Ingenieuren Vorgaben gemacht, die fast unmöglich zu vereinbaren waren. In beiden Fällen haben die Fachleute die Vorgaben achselzuckend umgesetzt – und damit üble Folgen riskiert.

Bei Volkswagen lautete der Auftrag, sensationell gute Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen erzielen. Die Boeing-Führung wiederum gab vor, einen komplett überarbeiteten Flugzeugtyp als praktisch unverändertes Modell erscheinen zu lassen. In beiden Fällen lösten die Ingenieure den Widerspruch durch eine Anpassung der Software auf. Wo die Realität nicht passte, wurde sie virtuell passend gemacht.

Daraus ergeben sich eine Reihe von Lehren. Bei der Entwicklung neuer Produkte sollten die Zuständigen sich von ihrem Glauben an die Allmacht der Software verabschieden. Wichtiger noch sind die Lehren für die Überwachung der Unternehmen. Sowohl der US-Flugaufsicht FAA als auch dem Kraftfahrbundesamt war nichts von den windigen Softwarefunktionen in den Fliegern beziehungsweise Autos aufgefallen. Das hat wiederum zwei Gründe: Die Produkte werden immer digitaler und komplizierter – und die Behörden vertrauen den Herstellern zu sehr.

Die staatlichen Stellen müssen jedoch die Fähigkeit behalten, auch moderne Technik weitgehend zu verstehen und das Innenleben der Geräte zu durchleuchten. Es ist sicher bequemer und spart Kosten, die Dokumentation und ihre Interpretation den Herstellern zu überlassen. Doch so kommt keine wirksame Überwachung zustande. Eine stärkere Zusammenarbeit mit externen Ingenieursdienstleistern könnte eine Lösung sein.