Überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose Arbeitsagentur will 50.000 geförderte Jobs für NRW

Düsseldorf · An Rhein und Ruhr gibt es überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose. Die Bundesregierung hat angekündigt, mit vier Milliarden Euro den Aufbau eines „sozialen Arbeitsmarktes“ zu fördern.

Die deutsche Wirtschaft präsentiert sich in Bestform. Monat für Monat verkündet die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Beschäftigungsrekorde. In Bayern und Baden-Württemberg herrscht Vollbeschäftigung. Gleiches gilt für einige NRW-Regionen, wo die Firmen Probleme haben, überhaupt noch geeignete Fachkräfte zu bekommen.

Der Markt ist dort praktisch leer gefegt. Und doch gibt es eine Größe, die sich hartnäckig hält: die Langzeitarbeitslosigkeit. 900 000 Betroffene gab es im vergangenen Jahr bundesweit. Die Bundesregierung hat deshalb angekündigt, mit vier Milliarden Euro den Aufbau eines „sozialen Arbeitsmarktes“ zu fördern. Was früher unter dem Stichwort „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ firmierte, erlebt ein Comeback: 150 000 Stellen sollen so entstehen.

Die Betroffenen würden dann eine Stelle vermittelt bekommen, für die sie den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Auch wenn Details noch nicht feststehen: In Pilotprojekten übernimmt die Arbeitsagentur 75 Prozent des Lohns, für den Rest muss der Arbeitgeber – etwa ein sozialer Träger – aufkommen. Denkbare Tätigkeiten wären beispielsweise Elektroschrottrecycling, Lieferdienste für Krankenhäuser, Arbeit in Großküchen, haushaltsnahe Dienstleistungen für Familien mit Demenzerkrankten oder gärtnerische Tätigkeiten. Die Betroffenen erhalten während der Maßnahme ein Coaching durch einen Sozialarbeiter.

Die Chefin der NRW-Regionaldirektion, Christiane Schönefeld, fordert nun, dass mindestens ein Drittel der geplanten Gelder nach NRW fließen müssten. Grund ist, dass überproportional viele Langzeitarbeitslose hierzulande leben. Ende des vergangenen Jahres waren es 292 000. Zwar ist die Zahl der Betroffenen in NRW von 2008 bis 2017 um 18 Prozent zurückgegangen. Damit liegt das Land aber immer noch deutlich unter dem Bundesschnitt, wo der Rückgang stolze 32 Prozent betrug. Schönefeld verlangt, dass 50 000 der Stellen in NRW entstehen müssten. Infrage dafür kämen in erster Linie die sogenannten abgekoppelten Langzeitarbeitslosen.

Anfang Juni ist ein Treffen der Regionaldirektion und des Landesarbeitsministeriums mit Kammern, Wirtschafts- und Sozialverbänden geplant, bei dem ausgelotet werden soll, welche Stellen geschaffen werden könnten. Schönefeld hofft zwar, dass auch die Privatwirtschaft Stellen zur Verfügung stellt, ihre Erwartungen sind zugleich gedämpft. „Es ist illusorisch, dass die Unternehmen 50 000 Stellen schaffen.“ Frühester Start könne im Herbst sein.

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