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Auszubildende - Rhein-Sieg-Kreis: Handwerker stellen mehr Azubis ein

Bundesweit weniger Ausbildungsverträge : Handwerker in der Region stellen mehr Auszubildende ein

Gegen den allgemeinen Trend erzielen die Handwerks-Unternehmen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ein Plus bei den Lehrverträgen. Bundesweit gibt es hingegen deutlich weniger neue Ausbildungsverträge.

Die Handwerker in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis stemmen sich gegen den Trend: Bundesweit sind deutlich weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Auch bei der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg ist die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge mit 1897 Verträgen um 19,9 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Für die Betriebe im Bereich der Kreishandwerkerschaft Bonn/ Rhein-Sieg gilt dies nicht. Mit Stand 1. August, dem offiziellen Beginn des Ausbildungsjahres, waren bei der Kreishandwerkerschaft 1084 neue Lehrverträge registriert, das sind zwei mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und deutlich mehr als zum Beispiel 2017 oder 2016.

„Wir können also feststellen, dass die Ausbildungsbereitschaft im regionalen Handwerk ungebrochen ist“, sagte Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher. Das sei ein tolles Zwischenergebnis. Auch in den vergangenen Tagen seien weitere neue Ausbildungsverhältnisse gemeldet worden. „Die Dynamik hatte sich schon im Juli gezeigt: Da stieg die Zahl noch einmal um 340 Verträge, erheblich mehr als in den Jahren zuvor,“ so Hauptgeschäftsführer Oliver Krämer.

Für Radermacher zeigt der Trend eindeutig, dass die Betriebe intensiv Nachwuchskräfte suchen: „Es ist bei ihnen angekommen, dass einzig die Ausbildung von jungen Leuten gegen den Fachkräftemangel hilft und wir nur so auf Dauer hochwertige Leistungen anbieten können.“ Und die Zahlen verdeutlichten, dass das Handwerk in seiner Breite optimistisch sei – Corona zum Trotz. „Unser Wirtschaftsbereich erweist sich einmal mehr als der Fels in der Brandung.“ Er hoffe, dass diese Botschaft die Strahlkraft des Handwerks im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen weiter erhöhe, das Handwerk also gegenüber den Jugendlichen und ihren Eltern noch attraktiver macht. „Wir sind auch in Sachen Ausbildung schlichtweg absolut systemrelevant“, so Radermacher.

Krämer erinnerte an die Schwierigkeiten für die Handwerksunternehmen, mit jungen Leuten in Kontakt zu kommen. Messen und Börsen seien ausgefallen, Praktika waren kaum möglich, der Kontakt zu den Schulen war unterbrochen. „Das, was man Matching nennt, also der persönliche Abgleich zwischen den Interessenten und den Betrieben, war über Wochen hinweg total erschwert. Und dies sei genau in der „heißen“ Phase des Jahres gewesen, was die Ausbildungsplatzsuche anbelangt, so Krämer. Hinzu komme, dass die Zahl der möglichen Bewerber kontinuierlich abnimmt, weil geburtenschwächere Jahrgänge die Schulen verlassen.

An die Betriebe appellierte Radermacher, bei der Nachwuchssuche keineswegs aufzugeben: „Es bleibt noch etwas Zeit für einen Vertragsabschluss und es gibt auch noch eine erhebliche Zahl unvermittelter junger Leute.“ Auch die Kreishandwerkerschaft tue viel zur Unterstützung der Firmen. Seit Juli könne die Azubi-App der Kreishandwerkerschaft Bonn/ Rhein-Sieg im Apple- und im Google-Play-Store heruntergeladen werden.“ In der Azubi-App werden die Berufe mit kurzen Informationen vorgestellt. Ist jemand fündig geworden, dann kann er sich über die App direkt die Unternehmen mit freien Lehrstellen oder Praktikumsplätzen anzeigen lassen.

Nach Zahlen der Arbeitsagentur gab es Ende Juli in allen Berufen bundesweit gut acht Prozent weniger neue Ausbildungsplätze (499.000) sowie in ähnlicher Größenordnung auch weniger Bewerber (knapp 440.000) für eine Lehrstelle.

Dieser Trend war auch schon im vergangenen Jahr ablesbar: Mit 513.300 Azubis ging die Zahl im Vergleich zu 2018 um 1,6 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.