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Berliner Flughäfen: Bye-bye Tegel

Berliner Flughäfen : Bye-bye Tegel

Lange war er Berlins Hauptstadtflughafen. Tegel war beliebt als Airport der kurzen Wege. Jetzt schließt er für den zivilen Luftverkehr.

Ein letzter Start von Tegel. Ein letztes Mal die Auffahrt hoch. Ein letztes Mal rein in dieses ikonenhafte sechseckige Gebäude. Raus aus dem Taxi, an den Schalter, ran ans Gate. Tegel war immer ein Flughafen der kurzen Wege. Für die Berliner war es der beste Airport der Welt. Gleich geht der Lufthansa-Flug LH 1949 nach München. Wehmut macht sich breit. Es ist Donnerstagmorgen. Da sind es noch drei Tage bis zum allerletzten regulären Flug von Tegel. An den Schaltern keine Schlangen mehr, kaum Menschen in den Wartehallen. Ein Bäcker hat noch geöffnet. An einem Stand gibt es noch Kaffee, Croissants, belegte Brötchen. Durchatmen, gucken, genießen, Abschied nehmen. Menschen machen Selfies. Auch das Sicherheitspersonal zückt seine Handys. Ein Foto noch für die Nachwelt. Tegel, ick liebe Dir.

Einmal noch durch den „Finger“, wie der Zubringer zum Flugzeug genannt wird. Ende einer Ära. Okay, es gibt größere Sorgen an diesem Tag. In den USA beispielsweise ist die Präsidentenwahl zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht entschieden. Aber das hier ist ein Abschied für immer. Wenn am Samstagabend die letzten Linienflüge von Tegel abgehen und am Sonntag dann auch noch Air France mit dem Flug AF 1235 nach Paris-Charles de Gaulle Tegel gewissermaßen abschließt, ist dieser wunderbare Stadt-Flughafen bald Geschichte. Air France sperrte den Flughafen im einstigen französischen Sektor mit dem allerersten Linienflug 1960 nach Berlin-Tegel gewissermaßen auf, jetzt dürfen die Franzosen auch schließen. Adieu, Tegel!

Heerscharen von Beamten aus Bonn

Heerscharen von Beamten aus Bonn sind mit dem Regierungs-Shuttle über viele Jahre hier gelandet. Und nach ihren Terminen in Berlin sind sie wieder zurück in die sichere Bundesstadt am Rhein geflogen. Jetzt soll – auch aus Klimaschutzgründen – auf der Strecke Bonn/Berlin viel Bahn gefahren werden. An diesem Sonntag wird Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller vielleicht noch eine Abschiedsträne in einem Knopfloch seiner Anzugjacke verstecken, wenn er, wie vorgesehen, auf dem Vorfeld des Airports mit Flughafengeschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup und dem Deutschland-Chef von Air France, Stefan Gumuseli, dem letzten Flugzeug hinterherwinkt.

Erst hat Berlin den Flughafen Tempelhof verloren, jetzt auch noch Tegel. Die Zukunft heißt Großflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt. Am Flughafen „Otto Lilienthal“ in Tegel, benannt nach dem deutschen Flugpionier, der als erster Mensch Gleitflüge mit einem Flugapparat wagte, gehen dann die Lichter aus. Aber noch nicht sofort, weil sich an den letzten Flug am 8. November noch eine sechsmonatige Schließungsfrist anschließt. Der Flieger ist in Corona-Zeit noch nicht einmal halbvoll. Das Glas am Tegel gewissermaßen aber fast leer. Der Pilot sagt, dies sei sein letzter Flug – von Tegel. Die Stewardess der Lufthansa hat Tränen in den Augen. Sentimentalität gibt es auch in der Luft: „Ich fliege heute nach 20 Jahren das letzte Mal von Tegel. Mir ist ganz mulmig, das muss ich schon sagen.“ Bye-bye Tegel.