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Geldinstitut: Commerzbank nimmt nach gutem Quartal Kurs auf Jahresgewinn

Geldinstitut : Commerzbank nimmt nach gutem Quartal Kurs auf Jahresgewinn

Die Commerzbank spürt Rückenwind. Die Kosten für den Umbau sind fast verdaut, das Tagesgeschäft läuft wieder besser. Das nährt die Zuversicht des Vorstands für das Gesamtjahr.

Nach Rückkehr in die schwarzen Zahlen im Sommer peilt die Commerzbank für das Gesamtjahr 2021 nun einen Gewinn an.

„Die Umsetzung unserer Strategie geht planmäßig voran und auch das operative Geschäft entwickelt sich gut“, bilanzierte Konzernchef Manfred Knof am Donnerstag. „Für das Gesamtjahr rechnen wir trotz der Umbaukosten daher mit einem positiven Konzernergebnis.“ Die Bank sei auf dem richtigen Weg, stellte der seit Januar amtierende Manager fest: „Wir wissen aber auch: Den größeren Weg der Wegstrecke haben wir noch vor uns. Wir befinden uns mitten in einem Marathon.“

Bevor es wieder eine Gewinnausschüttung für die Aktionäre gibt, dürfte es somit noch etwas dauern. „Wir sind absolut daran interessiert, Dividenden zu zahlen, denn das würde bedeuten, dass wir zu einem normalen Zustand zurückkehren“, sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp in einer Telefonkonferenz.

„Allerdings müssen wir natürlich auch beweisen, dass wir in der Lage sind, stabile und positive Ergebnisse zu erzielen - und zwar nicht nur für einige Quartale, sondern für das ganze Jahr.“ Orlopp betonte: „Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Ausschüttung von Dividenden zu einer normalen Bank gehört. Aber im Moment befinden wir uns noch in einer Transformationsphase.“ Das in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden gerettete Institut hat in den vergangenen 13 Jahren nur in 2 Jahren eine Dividende von je 20 Cent je Aktie ausgeschüttet.

Quartalszahlen

Im dritten Quartal des laufenden Jahres verdiente die Commerzbank, deren größter Anteilseigner der deutsche Staat ist, im Tagesgeschäft mit 472 Millionen Euro fast drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Bank profitierte auch davon, dass sie deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurücklegen musste als im Corona-Krisenjahr 2020. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand inzwischen mit weniger als 700 Millionen Euro Risikovorsorge. Unter dem Strich standen für den Zeitraum Juli bis einschließlich September 403 Millionen Euro Gewinn nach 60 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor. Die Ergebnisse fielen deutlich besser aus als erwartet.

Dank des guten dritten Quartals liegt die Commerzbank auch auf Jahressicht wieder im Plus. Für die ersten neun Monate insgesamt stehen 9 Millionen Euro Überschuss in der Bilanz nach einem Verlust von 168 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das Management geht weiterhin davon aus, im Gesamtjahr die Erträge - also die gesamten Einnahmen - steigern zu können. Nach neun Monaten summierten sie sich auf 6,36 Milliarden Euro - ein Plus von 3,3 Prozent zum Vorjahr. Im Gesamtjahr 2020 standen rund 8,2 Milliarden Euro Erträge in den Büchern.

Im zweiten Quartal 2021 hatten Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerissen. Hinzu kam eine Abschreibung in Höhe von 200 Millionen Euro für die abgeblasene Auslagerung der Wertpapierabwicklung. Zudem schmälerten Rückstellungen wegen des Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Thema Bankgebühren aus dem April das Ergebnis.

Urteil über Änderung der AGB

Die Karlsruher Richter hatte entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung der Kunden einholen müssen. Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. Die Commerzbank legte unter anderem für mögliche Rückzahlungen im dritten Quartal weitere 33 Millionen Euro zurück, im zweiten Quartal waren es bereits 66 Millionen Euro.

Gebühreneinnahmen sind für etliche Banken im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden eine wachsende Einnahmequelle. Im August hat die Commerzbank für neue Privatkunden den Freibetrag, bis zu dem kein Verwahrentgelt auf Einlagen fällig wird, auf 50.000 Euro halbiert. Mit Bestandskunden strebt die Bank individuelle Vereinbarungen an.

Von 146 Milliarden Euro Einlagen im Privatkundensegment waren nach Angaben der Bank Ende September 16 Milliarden Euro bepreist. Weitere 32 Milliarden liegen demnach über dem Freibetrag. „Wir erbringen Dienstleistungen und müssen dafür bezahlt werden“, betonte Orlopp. „Viele Kunden verstehen und akzeptieren dieses Vorgehen.“ Unter dem Strich habe die Bank im dritten Quartal 115.000 Kunden verloren.

Sparkurs weiter verschärft

Knof hat nach seinem Amtsantritt den Sparkurs verschärft. Gut die Hälfte des angepeilten Abbaus von brutto 10.000 Vollzeitkräften sind nach Angaben des Managements geschafft oder fest vereinbart. Ende September des laufenden Jahres zählte das Institut im In- und Ausland 38.432 Vollzeitkräfte. Der Vorstand hat das Ziel ausgegeben, bis Ende 2024 die Zahl der Vollzeitstellen auf 32.00 zu verringern. Das Filialnetz in Deutschland will die Bank von 790 auf 450 schrumpfen. 2022 soll der Filialabbau abgeschlossen werden.

Von Arbeitnehmerseite droht der Commerzbank Ungemach: In der ins Stocken geratenen Tarifrunde für die privaten Banken hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten des Instituts für nächste Woche Mittwoch (10.11.) zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen. „Wir wollen die Commerzbank von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen lahmlegen“, sagte Verdi-Vertreter Stefan Wittmann, der auch Commerzbank-Aufsichtsrat ist, der „Wirtschaftswoche“. Verhandlungsführerin für den Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) ist Commerzbank-Personalchefin Sabine Schmittroth. Commerzbank-Chef Knof äußerte sich gelassen: „Mal bestreiken sie den einen, mal bestreiken sie den anderen. Das ist natürlich nicht toll, aber nichts, was mich aus der Ruhe bringt.“

© dpa-infocom, dpa:211104-99-859892/6

(dpa)