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Renault will 15.000 Stellen abbauen: Corona-Krise führt zu Stellenabbau in der Autoindustrie

Renault will 15.000 Stellen abbauen : Corona-Krise führt zu Stellenabbau in der Autoindustrie

Die Nachfrageflaute in der Automobilindustrie sorgt für Sparmaßnahmen und Stellenabbau. Auch der Zulieferer ZF Friedrichshafen will 15.000 Stellen abbauen. Renault und BMW kündigen ähnliche Maßnahmen an.

Nach Kurzarbeit und Produktionsstillständen in den Werken der Automobilindustrie folgt nun die befürchtete Welle des Jobabbaus. Nach der Ankündigung von Nissan, ein Fünftel seiner Produktkapazitäten herunterzufahren und unter anderem sein Werk in Barcelona dicht zu machen, hat nun auch Renault den Abbau von 15.000 Stellen in den kommenden Jahren angekündigt. Ein kleineres Werk für mechanische Teile in der Nähe von Paris soll bis 2022 dichtgemacht werden, kündigte Renault-Präsident Jean-Dominique Senard am Freitag in Boulogne-Billancourt bei Paris an. Weitere Schließungen seien nicht geplant, auch nicht im Ausland. Bei dem sozialverträglichen Abbau von Stellen entfallen rund 4600 auf Frankreich, in den übrigen Ländern sollen es über 10.000 sein. Das über drei Jahre laufende Sparprogramm hat einen Umfang von über zwei Milliarden Euro. Der Konzern mit bisher rund 180.000 Beschäftigten weltweit schrieb bereits im vergangenen Jahr rote Zahlen. Die Pandemie verstärkte die Probleme.

BMW kündigte ebenfalls an, den Stellenabbau im Konzern beschleunigen zu wollen. Der Vorstand verhandelt mit dem Betriebsrat darüber, wie er ohne betriebsbedingte Kündigungen möglichst bald rund 6000 der weltweit 126.000 Arbeitsplätze streichen kann.

Hälfte der wegfallenden Arbeitsplätze betrifft Deutschland

Die Branche ächzt unter den Folgen der Corona-Krise. Das wird führt auch hierzulande zu Kahlschlägen. So hat der Autozulieferer ZF Friedrichshafen ebenfalls den Abbau von bis zu 15.000 Stellen für die kommenden Jahre angekündigt. „Aus heutiger Sicht müssen wir bis 2025 weltweit unsere Kapazitäten anpassen und 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland“, schreibt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider an die fast 150.000 Mitarbeiter weltweit. Jeder zehnte Arbeitsplatz könnte also wegbrechen in den kommenden Jahren. Durch die Nachfrageflaute seitens der Autobauer rechnet ZF mit hohen Verlusten in diesem Jahr.

Um die Kosten zu senken sucht Volkswagen indes nach Verbündeten. So wollen die Wolfsburger zusammen mit dem amerikanischen Autobauer Ford Projekte auf vermeintlich zukunftsträchtigen Feldern wie der E-Mobilität oder beim autonomen Fahren vorantreiben. Der Volkswagen-Aufsichtsrat stimmte am Donnerstag verschiedenen Vorhaben zu. Im vergangenen Jahr hatten beide Konzerne bereits angekündigt, bei leichten Nutzfahrzeugen und Elektroantrieben in Kooperationen gehen zu wollen. Zudem kündigte Volkswagen an, dass sich der Konzern mit zwei Milliarden Euro in einen Elektrofahrzeug- und Batteriehersteller in China einkauft.

Kooperationen wie die zwischen Volkswagen und Ford bieten sich an, weil die Branche im Wandel hin zu alternativen Antrieben und der zunehmenden Digitalisierung von Autos und mobilen Angeboten vor enormen Investitionskosten steht. Auch die Allianz aus Nissan, Renault und Mitsubishi hat in dieser Woche ein neues Modell der Zusammenarbeit für mehr Wettbewerbsfähigkeit vorgestellt. So soll jeweils einer der Bündnispartner in einer Region oder bei einem Fahrzeugmodell die Führung übernehmen. Die anderen könnten dann davon profitieren. Dem könnten sich möglicherweise andere – auch deutsche Autobauer anschließen. „Möglich, dass sich in absehbarer Zeit mit dem Daimler-Konzern, der bereits wechselseitige Beteiligungen mit Renault und Nissan eingegangen ist, ein weiterer Partner dem Bündnis nähert“, meint Branchenanalyst Frank Schwope von der Nord/LB.

(Mit Material von dpa)