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Kommentar zur Bilanz von Ryanair: Das Modell wankt

Kommentar zur Bilanz von Ryanair : Das Modell wankt

Die Diskussion um eine Einschränkung des Flugverkehrs macht die Iren äußerst nervös, meint unsere Autorin.

Das Geschäftsmodell von Ryanair kommt an seine Grenzen. Wenn die Ticketpreise sinken, aber die Kosten für Treibstoff kräftig steigen, dann spürt das auch ein erfahrener Billigflieger deutlich. Ryanair hat den Konkurrenten vorgemacht, wie man das Produkt Fliegen vermarktet, die haben sich das eine Weile angeschaut und in Teilen imitiert. Noch kann Ryanair die Einbußen bei den Ticketpreisen verkraften, weil die Fluggäste – ob freiwillig oder gezwungen – die Zusatzleistungen buchen. Ryanair hat dieses Modell perfektioniert: sei es, dass man für die Gepäckaufnahme zur Kasse gebeten wird oder für die Reservierung eines Sitzplatzes: All das kommt auf den Flugpreis drauf. Deshalb sollte jeder potenzielle Fluggast auf den Endpreis inklusive aller Gebühren und Zusatzentgelte achten, wenn er einen realitätsnahen Vergleich zwischen den einzelnen Anbietern finden will. Und weil die Konkurrenz nicht schläft, dürften die Iren das künftig noch mehr zu spüren bekommen und ihre Gewinne auf absehbare Zeit nicht mehr so sprudeln.

Ryanair-Chef Michael O’Leary bemühte sich auch sichtlich, die Umweltanstrengungen seines Unternehmens hervorzuheben – jetzt schon sei man die „grünste Airline im Euroraum“, man bemühe sich um weitere Einsparungen bei den Emissionen und wolle in einigen Jahren ganz auf Plastik verzichten. Das zeigt deutlich, wie nervös die Iren die Diskussion um eine Einschränkung des Flugverkehrs macht. Denn Wochenend- oder gar Tagestrips zum Ballermann dürften künftig nicht mehr gesellschaftlich opportun sein und teurer werden. Gut so. Man sollte den Menschen zwar nicht die Flugreise in den jährlichen Urlaub nehmen. Doch dass man schlechte Gewohnheiten wie Kurztrips per Flieger überdenkt, das könnte das Geschäftsmodell der Billigflieger und vor allem Ryanairs ernsthaft gefährden.