1. News
  2. Wirtschaft
  3. Überregional

Autobranche in der Krise: Das steckt hinter den Problemen bei Ford

Autobranche in der Krise : Das steckt hinter den Problemen bei Ford

Deutschlands Schlüsselbranche kürzt Stellen. Bei Ford sollen über 5000 Jobs in Deutschland möglichst sozialverträglich abgebaut werden.

Bis zu 7000 Stellen will VW in den nächsten fünf Jahren streichen, über ähnliche Zahlen wird bei Audi spekuliert, bei Ford sollen über 5000 Jobs in Deutschland möglichst sozialverträglich abgebaut werden, wie der Kölner Autobauer am Freitag mitgeteilt hat. Angesichts von 24 000 Beschäftigten in Deutschland ist das der bislang tiefste Einschnitt. Und überall wird über Allianzen oder Kooperationen gesprochen, mit denen die Autobauer Kosten senken wollen. Rund 880.000 Mitarbeiter haben nach Zahlen des Branchenverbands VDA 2018 in Deutschland 5,1 Millionen Fahrzeuge gebaut, neun Prozent weniger als im Vorjahr. In diesem Jahr geht es wohl weiter runter.

Das Umfeld: Die See ist rauer geworden. In Europa stagniert der Markt bei rund 15 Millionen Neuwagen. In den USA wurden 2018 knapp 17 Millionen neue Autos verkauft und in China über 24 Millionen. Tendenz sinkend angesichts des Handelsstreits. Das trifft auch deutsche Hersteller.

Der Diesel:Dazu kommt der Dieselskandal mit sinkenden Bestellungen für diese Antriebsart und Kosten durch Umtauschprogramme. Weil der Diesel alle Aufmerksamkeit der Ingenieure verlangte, fehlten den Autobauern die Kapazitäten, um sich auf eine neue Art der Abgasmessung einzustellen.

Der WLTP-Standard:Mit dem WLTP-Standard sollte die Lücke zwischen ausgewiesenem Verbrauch, der mit zahlreichen – legalen – Kniffen wie abgeschalteter Klimaanlage, prall aufgepumpten Reifen bis zu verklebten Türspalten zur Optimierung des Luftwiderstands auf dem Teststand erzielt wurden, und dem tatsächlichen Verbrauch auf der Straße reduziert werden. Doch vor allem VW kam mit der Zertifizierung der Fahrzeuge nicht hinterher und war bei bestimmten Modellen im abgelaufen Jahr nicht lieferfähig. Im Ergebnis belastete WLTP genauso die Bilanzen wie Handelsstreit und Dieselskandal. BMW, Daimler und der VW-Konzern berichteten über einen Gewinnrückgang.

Die Autozukunft: Sinkende Gewinne kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich müssen die Autobauer für Zukunftsinvestitionen tief in die Taschen greifen. Die Entwicklung von batterie-elektrischen Fahrzeugen oder Autos mit anderen alternativen Antrieben wie etwa die Brennstoffzelle kostet ebenso Milliarden wie Entwicklungen, die autonomes Fahren ermöglichen.

Der Ford-Konzern: Auch bei Ford bröckeln die Gewinne. Der US-Konzern hat 2018 den Nettogewinn auf 3,7 Milliarden Dollar mehr als halbiert. Verantwortlich dafür waren schlechte Geschäfte in Europa und Asien.

Ford in Europa:Ford war im vergangenen Halbjahr in Europa in die roten Zahlen gerutscht und fuhr schließlich einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 398 Millionen Dollar ein. Ein Umsteuern hatte die Ford-Spitze im Juli schon angekündigt. Das US-Management setzt auf sportliche Geländewagen und leichte Nutzfahrzeuge. Der Kompaktvan C-Max wird eingestellt. In Saarlouis will Ford 1500 Jobs streichen und den Focus künftig in zwei statt drei Schichten bauen. Nachhaltig profitabel sei der Konzern, der noch rund 50.000 Mitarbeiter in 24 Werken beschäftigt, schon lange nicht mehr, hatte Ford-Europa-Chef Steven Armstrong im Januar gesagt. Das soll anders werden. Ford habe einen Ausstieg aus Europa geprüft, wolle aber bleiben, so Armstrong damals. Profitabel ist das Geschäft vor allem in Deutschland. In Südeuropa muss Ford Preiszugeständnisse machen.

Fords Zukunft: Ford hat in Europa im abgelaufenen Jahr 1,53 Millionen Fahrzeuge verkauft nach 1,58 Millionen im Vorjahr. Das nannte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen am Sonntag eine „passable Zahl“. Gleichzeitig habe der Konzern über die letzten fünf Jahre betrachtet aber nur einen kleinen Gewinn gemacht, bei einem hohen Risiko angesichts der vielen Beschäftigten. Der Pkw-Absatz von Ford in Europa sinkt, während der von leichten Nutzfahrzeugen steigt. Bei Nutzfahrzeugen kooperiert man demnächst mit VW. Die Pkw kommen immer stärker unter Druck. Klein- und Kompaktwagen wie Fiesta und Focus werden fast ausschließlich in Europa verkauft. Ebenso der Mondeo mit seinen Plattformbrüdern S-Max und Galaxy. Auf vergleichsweise kleine Stückzahlen entfallen so aber die kompletten Entwicklungsmilliarden. Dudenhöffer kann sich einen Rückzug von Ford aus dem europäischen Pkw-Geschäft vorstellen, wie ihn GM mit dem Opel-Verkauf vollzogen hat. Wenn Ford in Europa bleibt, steht das Unternehmen vor einer Herkulesaufgabe.