1. News
  2. Wirtschaft
  3. Überregional

Gute Geschäfte und eine Corona-Prämie: Deutsche Post belohnt Beschäftigte mit 300-Euro-Sonderbonus

Gute Geschäfte und eine Corona-Prämie : Deutsche Post belohnt Beschäftigte mit 300-Euro-Sonderbonus

Die Deutsche Post DHL Group konnte ihr operatives Ergebnis im zweiten Quartal deutlich steigern und belohnt ihre Beschäftigten mit einem 300-Euro-Sonderbonus.

Die Deutsche Post DHL Group gehört zu den Unternehmen, die die Corona-Pandemie bislang wirtschaftlich gut verkraftet haben. Der Bonner Logistikkonzern konnte sein operatives Ergebnis (Ebit) im zweiten Quartal deutlich um 16 Prozent auf rund 890 Millionen Euro steigern. Entsprechend gut gelaunt präsentierten Vorstandschef Frank Appel und Finanzchefin Melanie Kreis am Mittwochmorgen in einer Telefonkonferenz die vorläufigen Zahlen.

„Wir haben unser Unternehmen bisher gut durch die Krise gesteuert“, sagte Appel: „Das verdanken wir unseren engagierten Kollegen weltweit.“ Dem Dank folgte die Ankündigung, dass jede Vollzeitkraft im Unternehmen einen Sonderbonus von 300 Euro erhalten soll. Insgesamt summieren sich die Prämien für die beinahe 550 000 Beschäftigten der Post damit auf rund 200 Millionen Euro, die im dritten Quartal verbucht werden. Appel: „Das haben sich unsere Mitarbeiter verdient. Sie haben den Welthandel am Laufen gehalten.“ Die Frage, ob der Mitarbeiterbonus eine Reaktion auf eine Gewerkschaftsforderung sei, verneinte Appel: „Das war unsere eigene Entscheidung.“ Die Einmalzahlung soll in den kommenden Monaten überwiesen werden.

Das sieht die Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) anders. Sie begrüßte die Ankündigung der Post, reklamierte aber den Sonderbonus für die Beschäftigten als ihren Erfolg. „Ohne unsere Forderung nach einer Corona-Leistungszulage würde es diese Einmalzahlung nicht geben“, so die DPVKOM-Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus.

Das zweite Quartal verlief für die Bonner nicht homogen. Zu Beginn sei die Geschäftsentwicklung noch von den in Europa und Nordamerika bestehenden Pandemie-Schutzmaßnahmen und einem zunächst stark rückläufigen Volumenaufkommen geprägt gewesen, sagte Appel. Das Unternehmen habe seit Ende März vom international stark zunehmenden Onlinehandel profitiert. Während allerdings die Paketsparte kräftig zulegte, beförderte das Unternehmen vor allem wegen der zurückgegangenen Geschäftspost deutlich weniger Briefe.

Den Angaben zufolge erreichte das vorläufige Konzernergebnis im zweiten Quartal rund 890 Millionen Euro (2019: 769 Millionen Euro). Darin sind neben bereits erwarteten rund 100 Millionen Euro Belastungen aus der Neuausrichtung des Geschäfts mit dem Elektrotransporter Streetscooter zusätzlich rund 100 Millionen Euro an einmaligen Sonderabschreibungen enthalten, die durch die Lockdown-Maßnahmen ausgelöst wurden. Eine Unterscheidung zwischen operativem Ergebnis vor und nach Effekten aus der Covid-19-Pandemie werde nicht mehr vorgenommen, da diese Unterscheidung im Verlauf des zweiten Quartals weniger aussagekräftig wurde, sagte Appel.

Für das Gesamtjahr 2020 erwartet der Konzern ein operatives Ergebnis zwischen 3,5 und 3,8 Milliarden Euro. Das bekräftigte Finanzchefin Kreis am Mittwoch. Im Vorjahr hatte der operative Gewinn noch bei 4,1 Milliarden Euro gelegen. Im 2020er Ergebnis enthalten seien die bereits im April kommunizierten Aufwendungen für die Streetscooter-Neuausrichtung von rund 400 Millionen Euro, die einmalige Prämienzahlung von rund 200 Millionen Euro im dritten Quartal sowie die oben genannten Sonderabschreibungen von rund 100 Millionen Euro infolge der Lockdownmaßnahmen. Für den Bereich Post & Paket Deutschland beträgt das Ebit rund 260 Millionen Euro (2019: 177 Millionen Euro). Der Bereich Express lag im zweiten Quartal mit einem Ebit von rund 560 Millionen Euro über dem Ergebnis des Vorjahresquartals von 521 Millionen Euro. Die Frachtsparte verzeichnete mit rund 190 Millionen Euro ebenfalls ein Ergebnis über dem des Vorjahres (2019: 124 Millionen Euro).

Alle Zahlen zum zweiten Quartal will die die Deutsche Post DHL Group am 5. August bekanntgeben. Die virtuelle Hauptversammlung findet am 27. August statt. Der Konzern schlägt eine stabile Dividende von 1,15 Euro je Aktie vor. Vor Corona habe man über eine Erhöhung auf 1,25 Euro nachgedacht, sagte Finanzchefin Kreis.