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Microsoft will US-Geschäft übernehmen: Donald Trump will Tiktok in den USA verbieten

Microsoft will US-Geschäft übernehmen : Donald Trump will Tiktok in den USA verbieten

US-Präsident Donald Trump will die Video-App Tiktok wegen Sicherheitsbedenken in den USA verbieten. Der Softwaregigant Microsoft bietet sich als Käufer an.

Kleine App-Nutzer spielen mächtigem Präsidenten einen Streich: Die Geschichte verbreitete sich im Juni in den amerikanischen Medien. Zu einer von Donald Trumps Großveranstaltungen in einem Sportstadion kamen nur 6200 Zuschauer, statt, wie vorher vom Stab des Präsidenten großmäulig angekündigt, eine Million begeisterter Anhänger. Die Organisatoren der Kundgebung in Oklahoma hatten vorsorglich Videoleinwände auf öffentlichen Plätzen für diejenigen aufstellen lassen, die nicht mehr ins Stadion passen. Stattdessen war selbst drinnen ein Drittel der Plätze leer, Trump soll schwer enttäuscht gewesen sein.

Der Grund war schnell ausgemacht: Jugendliche hatten im Vorfeld auf der App Tiktok einen Aufruf verbreitet, möglichst viele Tickets zum Schein online vorzubestellen. Durch ihre große Zahl haben sie die echten Trump-Fans möglicherweise verdrängt. Der Streich auf Social Media könnte nun zum Politikum mit globalen Konsequenzen werden. Denn das Manöver hat Trumps Aufmerksamkeit auf die Software gelenkt, mit der sich sonst Kinder und Jugendliche beim Singen und Tanzen filmen.

Trump will die App nun verbieten lassen. Sein Argument: Tiktok gehört der Technikfirma Bytedance aus Peking, also einem chinesischen Unternehmen. Die Chinesen, so Trump, erhalten damit Zugriff auf die persönlichen Daten junger Amerikaner. US-Außenminister Mike Pompeo kündigte „für die kommenden Tage“ eine „entsprechende Maßnahme“ des Präsidenten an. Die App leite „Daten direkt an die chinesische Kommunistische Partei weiter, die können dann ihre Gesichtserkennung darüberlaufen lassen“, sagt Pompeo dem Sender „Fox News“.

Mehr als 100 Millionen Nutzer der App

Der US-Softwarekonzern Microsoft äußerte am Wochenende Interesse daran, das US-Geschäft von Tiktok zu übernehmen und es so zu erhalten. Die politischen Unterstützer Trumps feierten das bereits als Sieg für den Standort USA. Doch bisher ist höchst unsicher, ob das Manöver Erfolg hat. Es ist rechtlich nicht geklärt, wie sich in den USA eine App verbieten lässt, deren Betrieb durch ein amerikanisches Unternehmen erfolgt, das bloß Tochtergesellschaft einer chinesischen Holding ist.

Das Verbot wäre bei jüngeren, technikfreudigen Amerikanern zudem erkennbar unpopulär. Die App zählt dort über 100 Millionen aktive Nutzer. Die Inhalte auf Tiktok sind überwiegend witzig, mit Herzblut gemacht und harmlos. Einige der Berühmtheiten auf der Plattform leben bereits hauptberuflich von ihrem Kanal. Kein Wunder, dass sie jetzt ihren ganzen Einfluss gegen Trump und für den Erhalt des Dienstes nutzen.

Außerdem deutet Bytedance derzeit an, nicht verkaufen zu wollen. Dass Microsoft sich den Dienst gerne schnappen würde, passt dagegen gut ins Bild. Zwei Milliarden Mal wurde Tiktok außerhalb Chinas schon aus den App-Stores von Android und Apple heruntergeladen. Immerhin 800 Millionen der installierten Apps werden auch regelmäßig bespielt. Das Unternehmen selbst veröffentlicht keine Statistik zum Alter der Nutzer, aber es ist klar, dass die Mehrheit unter 24 Jahre alt ist. Das ist die junge Zielgruppe, die der Konzern hinter dem altbackenen Word und Windows gerne für die Zukunft an sich binden möchte.

TikTok ist ein Sozialmedium, also eine Software, mit der sich die Nutzer persönliche Inhalte gegenseitig zeigen können. Die App fällt damit ins gleiche Genre wie Facebook oder Youtube. Die Hauptanwendung ist das Teilen von kurzen, launigen Videos mit Musik – das erklärt, warum die App rund um den Planeten bei Kids so rasend beliebt ist. Sie können sich auch gegenseitig Nachrichten schreiben und weiterleiten. Das Unternehmen versichert, dass die Informationen nicht nach China wandern. Für die USA bleiben sie vor Ort bei der dortigen Tochtergesellschaft, für Deutschland sei das Unternehmen Tiktok Technology in Irland zuständig, sagte eine Sprecherin. Ein Datenaustausch finde nur mit der Niederlassung in Singapur statt.