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Einzelhandel in Corona-Zeiten: Meistgekaufte Produkte während Pandemie

Hamsterkäufe vor einem Jahr : Gewinner und Verlierer des Einzelhandels in einem Jahr Pandemie

Nach mehr als einem Jahr Coronaschutzverordnung zieht der Einzelhandel Bilanz. Manche Produkte erlebten über 300 Prozent Umsatzsteigerung, andere verloren nach dem "Hamstern" deutlich an Popularität. Lokale Händler und ein Marktforschungsinstitut liefern Einblicke.

Wohl jeder erinnert sich an irrwitzige Bilder von leerstehenden Nudel- und Toilettenpapier-Regalen im Frühjahr 2020. Diese Zeiten hat der Einzelhandel hinter sich gelassen, ebenso wie ein Jahr Pandemie-Bekämpfung in Deutschland. "Nachdem klar war, dass ein Lockdown erfolgt, wurde der Laden einfach leergeräumt. Es war auch für uns schwierig, die Produkte wieder zu bekommen, insbesondere Reis, Nudeln, Toilettenpapier", erinnert sich Werner Bachem aus den gleichnamigen Edeka-Fillialen in Bonn.

Es bedarf keiner einschlägigen Analyse um zu verstehen, dass wirtschaftliche Einbußen wie etwa im Gastronomie-Bereich und vielen anderen Branchen den Lebensmitteleinzelhandel eher nicht trafen. "Das ganze Jahr lief wirtschaftlich gut. Wir mussten niemanden entlassen, jeder konnte ruhig schlafen. Wir haben im Schnitt ein Plus von acht bis zehn Prozent gemacht", sagt Bachem. Alexander Fuchs, ebenfalls Edeka-Inhaber aus Bonn-Hochkreuz, schreibt jedoch andere Zahlen. 20 bis 25 Prozent weniger wurden dort umgesetzt als vor Corona.

Grund sind laut Fuchs die ausbleibenden Kunden - Büromitarbeiter aus dem ehemaligen Regierungsviertel, die gerade zu großen Teilen im Home-Office sitzen. Den Verlust hätte er möglicherweise mit einer Entlassung ausgleichen müssen, wenn im vergangenen Jahr nicht ohnehin eine Mitarbeiterin von sich aus gekündigt hätte.Während der Zeit des "Hamsterns" bemerkte er ebenfalls den verstärkten Kauf von Reis, Toilettenpapier und Nudeln, sowie haltbarer Lebensmittel, wie etwa Konserven. Im Gegensatz zu den Supermarkt-Inhabern, die er kennt, profitiert Fuchs nicht, sondern fährt Verluste ein. "Die anderen Betreiber machen gerade die Umsätze ihres Lebens." Der Weinverkauf beispielsweise habe in den letzten zwölf Monaten deutlich zugenommen.

"Entschieden zugenommen" habe dieser, bekräftigt auch Bachem. "Der Wein hat während Corona eine Renaissance erlebt." Kaffee werde zu einem großen Teil für Büros gekauft, momentan also nicht mehr als vorher. Zu Fertigprodukten werde ebenfalls weniger gegriffen. Salate, Pizzen und Snacks bereiten sich Bachems Kunden im Home-Office lieber selber zu. Zudem ziehen viele Studenten, typische Käufer verarbeiteter Produkte, zurück zu ihren Eltern und konsumieren ebensolche somit weniger. Vegane Produkte seien dagegen gefragter geworden.

 Das Marktforschungsinstitut IRI aus Düsseldorf beziffert Gewinner und Verlierer unter den gekauften Produkten: Im aktuellen Report stehen Eistee und Teegetränke mit einem Zuwachs im Vorjahresvergleich von 59,4 Prozent auf dem Siegertreppchen, gefolgt von Sport- und Energiegetränken (46,2 Prozent), Lutschern (45,7 Prozent) und den mittlerweile erschwinglicheren Gesichtsmasken (25,9 Prozent). Am wenigsten gekauft im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden die damaligen Kassenschlager Bad- und Sanitätsreiniger (minus 55,5 Prozent) und Toilettenpapier (minus 50,6 Prozent), sowie diverse Hygieneartikel.

Während die Branche der Konsumgüter in den ersten Jahreswochen 2021 insgesamt ein Umsatzplus von 5,6 Prozent erzielte, konnte zur Zeit der Durchführung des Reports - Mitte März - nicht an den Vorjahreszeitraum angeknüpft werden. Zu dieser Zeit fanden die sogenannten "Hamsterkäufe" statt. Vielerorts horteten Käufer Toilettenpapier, Konserven und Getreide. Seinerzeit steigerten sich die Absätze von Brotmischungen und Desinfektionsprodukten um jeweils 334 und 234 Prozent.