Strategiewechsel bei US-Autobauern Ford verkleinert Modellpalette in USA massiv

Washington · Der Hersteller will in den USA nur noch zwei herkömmliche Automodelle produzieren. Der Strategiewechsel hat zunächst keine Auswirkung auf das Werk in Köln, in dem das Modell Fiesta vom Band läuft

 Ein Ford-Händler in San Diego. Der Autobauer ist in den USA der zweitgrößte Hersteller.

Ein Ford-Händler in San Diego. Der Autobauer ist in den USA der zweitgrößte Hersteller.

Foto: picture alliance / Frank Duenzl

Mit dem am Fließband produzierten „Model T“ machte Henry Ford das Auto zur Massenware. Dutzende kleine, mittlere und größere Pkw-Modelle sind seither vom zweitgrößten amerikanischen Hersteller entwickelt und auf die Straße gebracht worden. Über 100 Jahre später setzt der Traditionskonzern auf eine radikal gestraffte Produktpalette und verabschiedet sich in seinem Heimatmarkt zunehmend vom klassischen Verbrennungsmotor.

Wie Vorstandschef Jim Hackett jetzt ankündigte, sollen bereits in zwei Jahren nur noch zwei Modelle – der Mustang und der Focus Active Crossover – im Pkw-Segment produziert werden. Langjährige Erfolgsreihen wie Taurus, Fusion, Fiesta und C-Max werden nicht länger angeboten.

Ford trägt damit dem Umstand Rechnung, dass in den USA der Verkauf von Kleinwagen und herkömmlichen Limousinen in den vergangenen Jahren extrem zurückgegangen ist.

Dass der Fiesta künftig nicht mehr in Nordamerika angeboten wird, hat keine Auswirkungen auf das Werk in Köln, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Zwar würde die neueste Generation des Kleinwagens ausschließlich in Köln produziert, in Nordamerika allerdings wurde dieses Modell nicht angeboten. Das in Mexiko gebaute Vorgängermodell hat sich 2017 in den USA und Kanada 56 000 Mal verkauft. Zum Vergleich: Der Bestseller F 150 fand 2017 rund 900.000 neue Besitzer.

Hingegen boomen SUV's und – sehr US-spezifisch – Pick-up-Trucks mit freier Ladefläche und vielen PS unter der Motorhaube. Der Pritschenwagen F 150, inzwischen auch als deutlich leichtere Alukarosserie zu haben, ist seit Jahrzehnten der meist verkaufte Wagen in den USA. Ford verdient damit rund 10 000 Dollar pro Stück. 2020 kommt die erste Version mit „Plug-in-Hybrid“ auf den Markt.

Dass Ford binnen zwei Jahren fünf Modelle aussortiert, ist laut Karl Brauer, Analyst bei Cox Automotive, „ein Rekord in der ganzen Industrie“. Aber es mache Sinn, schließlich seien die Vorteile von Kompakt- und Mittelklassewagen gegenüber den beliebten SUV’s weitgehend „aufgezehrt“. Parallel dazu wird sich Ford in den USA stärker auf Elektromobilität konzentrieren. Hackett hatte bereits im vergangenen Herbst avisiert, dass bis 2022 rund 25 neue Hybridmodelle und 16 lupenreine Elektroautos vom Band rollen sollen. Ford investiert dafür rund elf Milliarden Dollar. Wie Jim Hackett am Mittwoch mitteilte, hat die Nr. 2 nach General Motors im ersten Quartal 2018 seinen Gewinn um rund neun Prozent auf 1,74 Milliarden Dollar gesteigert. Der Umsatz sei um sieben Prozent auf rund 42 Milliarden Dollar gestiegen.

Für Ford ist Amerika der wichtigste Absatzmarkt. In Europa (150 Millionen Dollar Gewinn vor Steuern) ist der Konzern profitabel. Aus Südamerika, Asien und dem Nahen Osten/Afrika werden dagegen Verluste von zusammen 300 Millionen Dollar gemeldet. Das Unternehmen plant in den USA bis 2022 weitere Kosteneinsparungen im Volumen von über 25 Milliarden Dollar.

Mit seiner neuen Ausrichtung bewegt sich Ford in einem Trend. Fiat Chrysler hatte bereits 2016 die Aufgabe von kleineren Modellen wie dem Dodge Dart und die Fokussierung auf Pick-up-Trucks (Ram) und SUV’s (Jeep) verkündet.

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