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Insolvenzen drohen: Hotelketten schlagen auch für Standorte in Bonn und der Region Alarm

Insolvenzen drohen : Hotelketten schlagen auch für Standorte in Bonn und der Region Alarm

Weil staatliche Hilfsgelder bei den Verbundunternehmen gedeckelt sind und deshalb nicht reichen, planen deutsche Hotelketten „Notverkäufe“ wegen knapper Kassen. Auch Standorte in der Region könnten betroffen sein.

Weil Deutschlands Hotelketten in der Coronakrise das Wasser bis zum Hals steht, müssen erste Firmen Teile ihrer Standorte verkaufen. Maritim gab am Donnerstag „Hotel-Notverkäufe“ bekannt, um das „Überleben“ zu sichern. Verhandlungen laufen noch, Einzelheiten und betroffene Standorte nannte das 5000-Mitarbeiter-Unternehmen aus Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen nicht. Die Kette hat Häuser in Bonn, Köln und Königswinter.

Die Hotelkette Centro, die 2019 noch 60 Hotels mit 1200 Mitarbeitern hatte, hatte bereits im vergangenen Jahr 13 Standorte veräußert, darunter sieben Neubauprojekte. Man habe dies „schweren Herzens“ getan, „um das Unternehmen weiter abzusichern“, sagte Chefin Homeira Amiri in Köln.

In Bonn schließen das Residence-Hotel und das Hotel Bristol

In Bonn hat die Centro-Hotels-Group bereits die Schließung des Residence-Hotels an der Kaiserstraße und des Bristol-Hotels an der Prinz-Albert-Straße zum Sommer angekündigt. Als Gründe nennt die Hamburger Gruppe die wirtschaftliche Situation und fehlende Mittel für dringend notwendige Investitionen in das Hotel.

Jörg Haas, der geschäftsführende Gesellschafter der Invite Group Bonn, zu der das Bonn Marriott Hotel und die Rohmühle am Bonner Bogen gehören, hatte bereits im Januar gegenüber dem GA die Corona-Hilfen des Bundes kritisiert. Seine Gruppe falle genau wie andere Gruppen im Geflecht aus Soforthilfen, Überbrückungshilfen und anderen durch das Raster.

Hotels in Bonn müssen lange auf Zahlungen warten

Achat, Althoff, Centro Hotel Group, Georgeous Smiling Hotels, Dorint, Dormero, H-Hotels, Lindner, Leonardo: In der Domstadt traten am Donnerstag Vertreter von neun Hotelketten auf, um ihrer Enttäuschung über die Politik Luft zu machen und um Entschädigungen zu fordern. Unisono betonten sie, dass die bisher vom Staat gezahlten oder zugesagten Hilfen längst nicht ausreichten, zumal man auf viele Zahlungen sehr lange warten müsse. Es gebe kein Infektionsgeschehen in den Hotels und auf den Fahrten in die Hotels, dennoch dürften keine Touristen beherbergt werden – die Firmen erbrächten ein „Sonderopfer“ für die Allgemeinheit, sagte Dirk Iserlohe von den Dorint-Hotels. „Wir fordern Entschädigungen.“

Tatsächlich kommen die Hotelketten bei den staatlichen Hilfsgeldern relativ schlecht weg. Dies liegt letztlich an ihrer Größe: Die aktuell laufende Überbrückungshilfe III ist bei den Verbundunternehmen auf drei Millionen Euro pro Monat gedeckelt, insgesamt bekommen sie hierüber nicht mehr als zwölf Millionen Euro. Firmen, die üblicherweise einen dreistelligen Millionen-Euro-Jahresumsatz haben, können nur einen Teil ihrer Finanzlöcher stopfen. Zwar ist das Personal in Kurzarbeit, doch Fixkosten wie Mieten laufen weiter.

Umsatz der Hotels in der Corona-Krise abgesackt

Bei den Lindner Hotels sackte der Jahresumsatz von 200 auf 45 Millionen Euro ab. Geschäftsführer Otto Lindner, der auch Vizepräsident des Branchenverbandes Dehoga ist, sprach von einer „furchtbaren Lage“. Die Eigenkapitalreserven seien aufgebraucht, sagte er mit Blick auf die Hotelketten. „Wir sind nicht der Pandemietreiber, deswegen steht uns Schadenersatz zu.“

Dorint-Vertreter Iserlohe betonte die Dringlichkeit: „Kein Unternehmer kann Rückstellungen gebildet haben, um eine solche Krise zu überwinden.“ Am 1. Mai werde es ernst, wenn die derzeit ausgesetzte Insolvenzantragspflicht wieder greife. „Je größer das Unternehmen, desto größer die Gefahr der Insolvenz.“

Die Hotelbranche wurde von der Coronakrise besonders heftig erwischt. Seit November dürfen nur Geschäftsreisende beherbergt werden, was nur wenig genutzt wird. dpa/ga