Kommentar zur Inflation Die Preise steigen weiterhin, nur nicht so schnell

Meinung | Frankfurt · Die Inflation in der Euro-Zone verharrt bei 2,4 Prozent. Die Lage hat sich seit 2022 also deutlich entspannt. Trotzdem: Die Preise steigen auch weiterhin. Und für manche Haushalte bedeutet das nach wie vor, dass sie sparen müssen.

Die Preise steigen nicht mehr ganz so schnell wie vor einem Jahr.

Die Preise steigen nicht mehr ganz so schnell wie vor einem Jahr.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Ein Gedankensprung zurück: Europa im Jahr 2022. Die Preise steigen in manchen Bereichen so schnell, dass Haushalte gezwungen sind zu rechnen, was sie sich noch leisten können. Vor allem bei Energie und Lebensmitteln explodieren die Preise. Im gleichen Jahr steht unter dem Strich eine Inflation von über neun Prozent. Seither hat sich die Lage deutlich entspannt. 2,4 Prozent Inflation im April ist so weit nicht mehr von dem Ziel der EZB entfernt. Dennoch: Die Preise steigen weiterhin, nur nicht mehr so schnell.

Inflation könnte im Laufe des Jahres auch wieder steigen

Für Haushalte mit niedrigen Einkommen bedeutet das im Zweifel nach wie vor, dass sie sparen müssen. Das sollte man nicht vergessen. Andererseits profitieren Arbeitnehmer in Reaktion auf die Inflationskrise von kräftig steigenden Löhnen. Das stärkt die Kaufkraft; ist andererseits aber auch eine der Ursachen, warum der Rückgang der Inflation ins Stocken gerät. Gut möglich, dass die Inflation im Lauf des Jahres zeitweise sogar wieder steigt. Das erschwert der Europäischen Zentralbank, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die erste Zinssenkung für Juni ist quasi gesetzt. Was danach folgt, ist ungewiss. Das ist keine gute Nachricht für Konjunktur und Verbraucher.

Denn wenn die Inflation spürbar über ihrem Ziel bleibt, zehrt das weiter an Kaufkraft und Konsumlaune. Die ist seit Monaten schlecht und einer der Gründe, warum es konjunkturell nicht aufwärtsgehen will. Dann dürften aber auch die Zinsen vergleichsweise hoch bleiben, was Investitionen hemmt und die Finanzierung erschwert – nicht nur für Unternehmen, sondern beispielsweise auch für Häuslebauer. Der Blick zurück zeigt, wie heftig die Inflationskrise gewütet hat. Deren Nachwirkungen werden noch länger zu spüren sein.

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